Tierwohl erfordert viele eigene Ideen und viel Arbeit

Kerstin und Torsten Deye aus Haschenbrok Foto: argarheute

Porträtserie: Schweinehalter Torsten Deye ist Finalist beim CeresAward

L P D – So, wie es früher war, als der Landwirt noch persönlich mit dem Metzger bekannt war und die Schweine mit einem Handschlag an ihn abgegeben hat, so läuft es heute wieder bei Kerstin und Torsten Deye aus Haschenbrok. Seit drei Jahren liefert die Familie ihre Schweine an die Fleischerei Meemken Wurstwaren, die die „Haschenbroker Landschweine“ zu Gourmetfleisch verarbeitet und unter dem Logo „Bauer & Metzger“ verkauft.

Als relativ kleiner Bauernhof im Landkreis Oldenburg mit 80 Sauen, 700 Mast- und 500 Ferkelaufzuchtplätzen profitiert Deye von dieser Zusammenarbeit. Er liefert jedoch auch eine Menge Mehrwert, den sein Abnehmer und dessen Kunden zu schätzen wissen und honorieren. Dieser Mehraufwand wurde im vergangenen Jahr schon mit dem dritten Platz beim Innovationspreis Tierwohl der Initiative Tierwohl und nun mit dem Platz im Finale des CeresAwards des Deutschen Landwirtschaftsverlages belohnt.

Wie der Landvolk-Pressedienst schreibt, setzt Familie Deye voll auf das Wohl der Tiere. In der Ferkelaufzucht haben die Ferkel doppelt soviel Platz, wie vorgeschrieben, sie liegen auf festen Liegeflächen und Stroh, sie behalten ihre langen Ringelschwänze und fressen GVO-freies Futter. „Wir arbeiten viel mit Außenklimareizen“, sagt Torsten Deye, der den neuen Sauenstall komplett offen gebaut hat. Allerdings gehen diese Innovationen mit einer deutlichen Steigerung des Arbeitspensums einher. „In diesem Jahr bilden wir unseren 10. Auszubildenden aus und haben zusätzlich zur Familie noch eine Vollzeitarbeitskraft angestellt“, sagt Deye. Und das sei auch nötig: „Alle haben stramm zu tun“. Allein die Stroheinstreu erfordere eine enorme Mehrarbeit.

Für die Abferkelung kommen die Sauen seit zwei Jahren in große Bewegungsbuchten, zum Teil sogar als Kleingruppe mit drei weiteren Tieren. „Bei uns klappt das super“, schildert Deye seine positiven Erfahrungen. Der Landwirt hatte mit mehr Ferkelverlusten gerechnet und ist nun froh, dass das Gegenteil eingetreten ist. „Die Leistung hat sich deutlich verbessert“, ist der 49-Jährige stolz auf seine selbstentwickelten Buchten, die es so nirgendwo zu kaufen gibt. „Wir sind immer am Experimentieren, wie wir das Tierwohl noch verbessern können“, sagt Deye, der auch in den anderen Ställen hauptsächlich eigene Ideen verbaut hat.

Nach dem Innovationspreis Tierwohl der Initiative Tierwohl sei der CeresAward nun der nächste Schritt gewesen. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Kerstin freut sich Deye vor allem darauf, weitere innovative Berufskollegen kennenzulernen. Den zweiten niedersächsischen Finalisten aus der Kategorie Schweinehalter, Tim Friedrichs, hat er bereits beim Innovationspreis Tierwohl schätzen gelernt. „Er hat mich angerufen und gesagt, guck mal in dein Postfach, da ist eine Überraschung für dich drin“, schmunzelt Deye bei der Erinnerung an die Mitteilung des Deutschen Landwirtschaftsverlags, dass er in diesem Jahr ebenfalls als einer der drei besten Schweinehalter Deutschlands im Finale steht. Wer am Ende gewinnt, entscheidet die Jury nach dem vierstündigen Besuch auf dem Hof. Gefeiert wird bei der großen Gala Anfang November in Berlin jedoch gemeinsam. (LPD 63/2021)

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