Weidetierhalter fordern: Der Wolf muss ins Jagdrecht!

Foto: Landvolk Niedersachsen

Umweltminister Lies bekommt vor Ort die Realität gezeigt: Schutzzaun reicht nicht

L P D – Es sind zwar Schritte in die richtige Richtung, aber sie sind viel zu langsam und zögerlich. Wenn es in dem Tempo weitergeht – sei es bei der Umsetzung der Neuregelung zum leichteren Abschuss des Wolfes oder bei den Antragsverfahren für Entschädigungszahlungen der Tierrisse – dann wird es in absehbarer Zeit keine Weidetierhaltung mehr geben. „Die Zeit drängt. In allen Bereichen, die den Weidetierhaltern das Leben extrem erschweren, muss endlich Tempo gemacht werden. Der Wolf gehört ins Jagdrecht“, fordert Landvolk-Vizepräsident Jörn Ehlers für die Weidetierhalter in Niedersachsen.

Niedersachsens Umweltminister Lies hatte Anfang Dezember bei der Demonstration des Aktionsbündnisses aktives Wolfsmanagement in Hannover zugesagt, sich die Lage vor Ort von Schäfer Matthias Müller im Landkreis Celle erklären zu lassen. Müller wurden 40 Schafe gerissen – trotz wolfsabweisendem Schutzzaun. Sobald die neue Bundesnaturschutzverordnung im Februar verabschiedet ist, will Lies eine Wolfsverordnung auf den Weg bringen und das Schießen aggressiver Wölfe erleichtern. „Bislang ist es nur ein Stück Papier, mehr nicht! Wir Weidetierhalter fordern eine schnelle Umsetzung, dann wäre das Schießen von Wölfen aus dem Rudel heraus für Jäger rechtssicher möglich. Bis Ruhe einkehrt“, erklärt Ehlers. „Der Ansatz, nicht ein bestimmtes Tier ins Visier zu nehmen, ist richtig. Dass dies nicht funktioniert, haben wir an dem gescheiterten Vorhaben, den Rodewalder Wolf zu schießen oder auch nur einen Wolf zu besendern, gesehen“, führt Ehlers aus. Aktuell sind in Niedersachsen 23 Rudel, sechs Wolfspaare sowie ein residenter Einzelwolf bekannt.

„Die Präsenz der Wölfe ist rund um Hermannsburg sehr hoch, sie stehen sogar in Hofeinfahrten und zeigen keinerlei Scheu. Wenn es in der Nähe der Dörfer nicht knallt, dann kommen sie in die Ortschaften“, schildert Landwirt Carsten-Wilhelm Drewes. Drewes hält Mutterkühe, seine Rinderherde steht von Mai bis November auf der Weide direkt am Ortsrand. Der Wolf war hier noch nicht aktiv. „Aber in Bargfeld, Wietzendorf oder Unterlüß gab es so viele Risse, da melden die Tierhalter sich gar nicht mehr, sondern geben auf“, berichtet Drewes. Allein drei große Heidschnuckenhalter sind es leid, den siebenseitigen Antrag auszufüllen, um nach Monaten Bearbeitung 65 Euro zu erhalten. Das sei nur der Schlachtpreis, Zuchtschafe haben aber einen deutlich höheren Wert, er werde leider nicht berücksichtigt. Das gilt auch für die Arbeitszeit und Tierarztkosten. Nicht zu vergessen ist der seelische Aspekt, den Tierhalter aushalten müssen, wenn sie ihre gerissenen und verletzten Tiere auf der Weide vorfinden. Die Heide verliert mit Aufgabe der Weidetierhaltung die Pflege, maschinell ist das nur teilweise möglich. „Wir Tierhalter und Landwirte sehen das ganze pragmatisch: Einfache Entschädigungszahlungen und Abschussregelungen müssen schnell her. Nur dann hat die Weidetierhaltung in Niedersachsen, wie sie von der Gesellschaft eingefordert wird, eine Chance“, sind sich Ehlers und Drewes einig. (LPD 02/2020)

Weitere Beiträge

Landwirt mit Handy

Landvolk: Weg vom Denken „Kontrolle – Sanktion – Widerspruch“

L P D – Seit der Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) 2023 gehört die FANi-App (Fotos Agrarförderung Niedersachsen) für viele Betriebe zum Förderalltag. „Niedersachsens Landwirte sind als Antragsteller inzwischen aktiv…

Erste-Hilfe-Training Foto: Pixabay

Erste Hilfe auf dem Hof: Bauern trainieren den Ernstfall

L P D – „Stell Dir vor, Du hast einen Herzinfarkt und bist mit deinem Trecker ganz allein auf dem Feld.“ Diese und viele weitere Szenarien beleuchtet Kursleiter Peter Stors…

Schafe auf der Weide

Herdenschutz, Weidezaunbau und Wolfsmanagement

L P D – Welche Möglichkeiten haben Weidetierhalter, ihre Schafe, Rinder und Pferde vor Angriffen von Wölfen zu bewahren? Diese Frage steht ihm Mittelpunkt des 2. Echemer Zauntags, der am…

Milchkühe

Gute Futterqualität ist Grundlage für gesunde Kühe

L P D – Der erste und für die Milchviehbetriebe wichtige Grassilageschnitt in Niedersachsen ist vielerorts abgeschlossen – mit überwiegend sehr guten Qualitäten, aber regional teils enttäuschenden Erträgen. Besonders im…

GAP-Reform: Landvolk bewertet EU-Vorschläge kritisch

L P D – Wie geht es mit der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) ab 2028 weiter, und welche Folgen hätten die Reformvorschläge der EU-Kommission für Landwirtschaft und ländliche Räume? Mit diesen…

Tag des offenen Hofes

Tag des offenen Hofes lockt Familien ins Grüne

L P D – Am 7. Juni bieten fast 50 Landwirtinnen und Landwirte beim niedersachsenweiten Tag des offenen Hofes von 10 bis 18 Uhr ein attraktives Rahmenprogramm aus Landwirtschaft, Genuss…