Wolf: Studien und viele tote Weidetiere reichen nicht?

Jörn Ehlers (Landvolk Niedersachsen) bei der Übergabe der vom Landvolk in Auftrag gegebenen Studie (2021) an Umweltminister Olaf Lies Foto: Landvolk

Landvolk-Vizepräsident Jörn Ehlers fordert endlich Bekenntnis zur Weidetierhaltung

L P D„Was muss noch geschehen, dass der Bund endlich seine Aufgaben erledigt und für klare Gesetze und Strukturen beim Thema Wolf sorgt? Müssen erst Kinder, wie in den Niederlanden, brutal gerissene Schafe in Urlaubsgebieten auffinden? Reichen die vielen toten Schafe, Pferde, Rinder und Ziegen nicht aus oder muss noch mehr passieren? Und stellen unabhängig, wissenschaftlich erstellte Studien gar keine Grundlage mehr für Entscheidungen dar?“, fragt sich Jörn Ehlers, Vize-Präsident des Landvolk Niedersachsen und Sprecher des Aktionsbündnisses Aktives Wolfsmanagement. Ehlers fordert von den Verantwortlichen in Berlin, endlich Farbe zur Weidetierhaltung zu bekennen und sich dem Thema Wolf anzunehmen – und zwar auf Grundlage von Fakten und nicht partei-ideologisch gefärbt.

Laut Ehlers würden die politisch Verantwortlichen in Berlin die reelle Lage verkennen und stattdessen der verträumten, realitätsfremden und romantischen Sicht der Wolfs-Befürworter hinterherlaufen. „Das ist eine Einstellung fernab der Faktenlage“, sagt Ehlers und verweist auf nunmehr zwei wissenschaftliche, unabhängige Studien aus Niedersachsen zum Wolf. Niedersachsen verzeichnet neben Sachsen und Brandenburg die meisten Wölfe. „Wir als Landvolk haben mit unseren Partnern vergangenes Jahr eine unabhängige Untersuchung in Auftrag gegeben, deren Zahlen unser Anliegen untermauern: Wolf in Niedersachsen ja, aber nicht in Wohnortnähe und begrenzt auf eine festzulegende Anzahl. Wir brauchen im Hinblick auf die hohen Reproduktionszahlen ein vernünftiges und rechtssicheres Wolfsmanagement. Doch das lässt weiter auf sich warten“, schildert Ehlers die Lage. In der vom Umweltministerium Niedersachsen in Auftrag gegebene Studie des Instituts für Wildbiologie und Jagdwirtschaft (IWJ) der Universität für Bodenkultur Wien wurde eine wissenschaftliche Grundlage für ein Wildtiermanagement entwickelt, die den Wolfsbestand sichern kann. „Hier lautet ein Ergebnis, dass die kontrollierte Entnahme von Wölfen angesichts eines stetig wachsenden Bestandes grundsätzlich keine Gefährdung für den Wolfsbestand in Deutschland mit sich bringt. Einzige Voraussetzung: eine ständige Kontrolle durch ein weiterhin engmaschiges und systematisches Monitoring“, erklärt Ehlers und verweist auf den Handlungsbedarf seitens der Politik. Selbst unter der Annahme verschiedenster Szenarien sei mit einer weiter exponentiellen Zunahme der Wölfe in Deutschland zu rechnen. „Das bedeutet, dass selbst bei kontrollierten Abschüssen ein Aussterben des Wolfes unwahrscheinlich ist. Wenn in Niedersachsen und Deutschland weiter Weidetiere zum Schutz der Deiche und zum Erhalt der Artenvielfalt gehalten werden sollen, dann muss die Regierung, wie im Koalitionsvertrag angekündet, endlich für Lösungen sorgen. Die Bestandsregulierung muss kommen, um den Zuwachs der Wölfe zumindest zu verlangsamen. Viele Weidetierhalter haben schon aufgegeben, und weitere werden – ohne Aussicht auf Besserung – sonst folgen“, sagt Ehlers abschließend. (LPD 59/2022)

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