Bullenmäster können kaum kostendeckend arbeiten

Bullenmäster Martin Lücking, Foto: Landvolk Niedersachsen

Nachfrage nach Rindfleisch bleibt stabil – Weiter sinkende Bestände zu erwarten

L P D – Für die Bullenmäster in Niedersachsen gibt es zwar Lichtblicke am Horizont, aber die Aussichten bei Haltung und Markt bleiben insgesamt eher trübe. „Durch Tierwohl-Auflagen und weitere Reglementierungen, die nach Empfehlungen der Borchert-Kommission zu erwarten sind, wird unsere Arbeit in der Haltung nicht leichter“, fasst der Vorsitzende Martin Lüking nach einer virtuellen Sitzung des Rindfleischausschusses im Landvolk Niedersachsen zusammen. Zurzeit sei es schwer, kostendeckend zu wirtschaften. Besonders die unzureichenden Preisaufschläge bei bestimmten Haltungsstufen von Jungtieren und extrem hohe Futtermittelpreise machen den Bauern zu schaffen.

Die Gründe dafür sind vielfältig. Dr. Albert Hortmann-Scholten, Unternehmensbereichsleiter bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, sieht weiterhin einen „Lockdown-Effekt“ durch die fehlende Abnahme von Qualitätsfleisch in der gehobenen Gastronomie und dem nicht vorhandenen Absatz im Gastgewerbe und in den Kantinen insgesamt.

„Dennoch blicken wir mit Zuversicht in das Preisjahr 2021“, sagt Hortmann-Scholten, denn „die Nachfrage nach Rindfleisch ist sehr zufriedenstellend“. Vor allem Hackfleisch, auch gemischt, sei bei den Verbrauchern sehr beliebt, da sich hieraus schnell vielfältige Gerichte zubereiten lassen. Spannend wird sein, so der Experte, ob diese Nachfrage noch anhält, wenn die Pandemie eingedämmt ist und die Menschen wieder vermehrt außer Haus essen.

Es gibt nur noch 11,5 Millionen Rinder in Deutschland, das ist ein 30-Jahres-Tief. Der Pro-Kopf-Verbrauch von Rind- und Kalbfleisch in Deutschland und in der EU pendelt sich seit einigen Jahren auf einem gleich bleibenden Niveau ein und liegt im Mittel bei 14 kg pro Jahr. Die Rindfleischimporte aus der EU sind im Jahr 2020 gesunken, aus Belgien sogar um fast ein Viertel. Besonders auffallend ist der Rückgang der Importe aus Argentinien, Brasilien und Uruguay aufgrund des fehlenden coronabedingten Absatzes hierzulande.

Bei der Rindfleischerzeugung ist bis 2025 mit weiter sinkenden Beständen in Deutschland zu rechnen. Zwar bleibt die Nachfrage in der EU stabil – und Asien, insbesondere China, wird aufgrund der Afrikanischen Schweinepest (ASP) mehr Rindfleisch importieren. Investitionen werden teuer für die Mäster, da aufgrund der künftigen Tierwohl-Auflagen „mehr Platz pro Bulle“ vorzuhalten ist. (LPD 26/2021)

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Sonja Markgraf

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