Den Ackerbauern macht das Wetter zu schaffen

Auf vielen Flächen, die nicht mit Wintergetreide bestellt werden konnten oder sehr starke Schäden durch das Hochwasser aufwiesen, haben Niedersachsens Landwirte vor allem mehr Sommergerste und Mais ausgesät Foto: Landvolk

Hagel, Regen, Sonne und Wind sorgen je nach Stärke für Freude oder Frust

L P DZu sonnig, zu nass, zu trocken, zu windig – dazu noch Hagel und Sturzregen. Niedersachsens Ackerbauern machte der Wonnemonat Mai ordentlich zu schaffen. „Ich habe noch nie in meinem Leben als Landwirt in einer Woche Rüben geerntet, Rüben gesät und Mais gelegt“, bringt es Jochen Oestmann auf den Punkt. Der Landwirt aus Rethem konnte aufgrund der anhaltenden Nässe nicht alle seine Zuckerrüben im Herbst/Winter 2023 roden, sodass die verbliebenen süßen Früchte noch bis Anfang Mai im feuchten Boden waren und erst spät mit der ersten längeren Trockenphase gerodet werden konnten. Gleichzeitig wurde es Zeit, dass endlich die Zuckerrüben ausgesät werden konnten, und auch der Mais musste gelegt werden. „Alles in einer Woche, fast rund um die Uhr – das war mal was Neues“, ist Oestmann froh und hofft trotz der späten Aussaat auf eine ertragreiche Ernte 2024.

Nach der viel zu langen nassen Phase beginnend mit dem Hochwasser zum Jahreswechsel erlebte Deutschland den wärmsten März seit Aufzeichnungsbeginn und auch in Niedersachsen schloss sich im März und April die Wärme- und Trockenzeit an. Bis Anfang Mai zehrten hohe Temperaturen und Wassermangel an den zarten Pflanzen, sodass einige Landwirte an leichten Standorten ihre Kulturen bewässern mussten. Auch wies manche Kultur, wie die Wintergerste, schon Trockenschäden auf. Mitte Mai waren in Niedersachsen nahezu alle Felder bestellt, vereinzelt wurden noch mit bis zu dreiwöchiger Verspätung Kartoffeln gelegt“, beschreibt Tom-Pascal Pielhop, Pflanzenreferent beim Landvolk Niedersachsen, die Lage auf den Feldern. Aufgrund der verspäteten und witterungsbedingt erschwerten Aussaat sei nun zu erkennen, dass es sehr viel weniger Wintergetreide und auch Raps geben werde als im Vorjahr, berichtet Pielhop.

Auf vielen Flächen, die nicht mit Wintergetreide bestellt werden konnten oder sehr starke Schäden durch das Hochwasser aufwiesen, haben Niedersachsens Landwirte vor allem mehr Sommergerste und Mais ausgesät. „Es bleibt aber abzuwarten, wie hoch der Anteil an Gerste mit Brauqualität sein wird“, verweist Pielhop auf die Abhängigkeit der weiteren Wetterentwicklung für ein gutes, qualitatives Pflanzenwachstum. Das gelte auch für die Rüben, die sich sehr unterschiedlich entwickeln: Die neu im März gedrillten Rüben, haben bereits den Reihenschluss gebildet. Nachgesäte Rüben, die Anfang Mai gedrillt wurden, keimten schnell auf und stehen aktuell gut da. „Insgesamt wurden Rüben auf einer circa vier bis fünf Prozent größeren Fläche als im Vorjahr gedrillt“, erklärt Pielhop.

Aber Hagel und Starkregen können den Wachstumsfortschritt auf dem Acker zunichtemachen. So verweist die Deutsche Hagelversicherung, dass an 30 Tagen im Mai Schadensmeldungen eingingen, die am Ende für den Wonnemonat mit 42.000 Hektar (ha) geschädigte Fläche über alle Kulturen und quer durch das gesamte Bundesgebiet mit Millionenbeträgen zu Buche schlagen. Allein im Alten Land wurde durch Hagelschauer Kernobst auf einer Fläche von knapp 800 ha geschädigt. „Die Herausforderungen auf den Äckern sind groß. Um in Zukunft besser reagieren zu können, muss mehr Wasser zwischengespeichert werden“, sieht Thorsten Riggert, Vorsitzender des Pflanzenausschusses im Landvolk Niedersachsen, im Wasserrückhalt eine große Aufgabe für die Landwirtschaft. Wasserrückhalt diene dazu, die Wassermengen aufzufangen, sodass sie erstens nicht zu Überschwemmungen führen und zweitens bei Wasserknappheit zur Bewässerung und zur Grundwasserneubildung zur Verfügung stehen, erklärt Riggert abschließend.

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