Deutsches Rindfleisch: Knapp, begehrt und teuer

Während das weltweite Angebot an Rindfleisch zurückgeht, steigt die Nachfrage – insbesondere aus Asien. Gleichzeitig verzeichnet Deutschland einen historischen Tiefstand beim Rinderbestand Foto: iStock

MKS-Freiheitsstatus entscheidend / Sorge um Blauzungenkrankheit

L P DNoch nie zuvor hat Albert Hortmann-Scholten, Leiter des Fachbereichs Markt bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, solch drastische Preisanstiege erlebt. Innerhalb von drei Wochen verteuerte sich Rindfleisch um 50 Cent auf 6,20 Euro pro Kilogramm Schlachtgewicht (Euro/kg SG). Das berichtete er den Mitgliedern des Rindfleisch-Ausschusses im Landvolk Niedersachsen. Während das weltweite Angebot zurückgeht, steigt die Nachfrage – insbesondere aus Asien. Gleichzeitig verzeichnet Deutschland einen historischen Tiefstand beim Rinderbestand: Im November 2024 gab es nur noch 10,5 Millionen Tiere – ein Minus von 3,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Besonders stark betroffen waren Rinder mit einem Rückgang von 8,3 Prozent, gefolgt von Kälbern mit 3,6 Prozent und Milchkühen mit 3,3 Prozent weniger Tieren.

Eine minimale Preiskorrektur im Januar 2025, verursacht durch den singulären Ausbruch der Maul- und Klauen-Seuche (MKS) in Brandenburg, wurde aufgrund der niedrigen Bestandszahlen schnell ausgeglichen. Entscheidend für die weitere Marktstabilisierung im März war die schnelle Rückkehr Deutschlands zum MKS-frei-Status ohne Impfung, der außer für eine sogenannte „Containment-Zone“ rund um den Ausbruchsbetrieb, seit März wieder besteht. Dadurch wurden Exporte in Drittländer wieder möglich. „Kurz nach Bekanntwerden des MKS-Ausbruches haben viele Mäster sehr besonnen reagiert und keine Panikverkäufe vorgenommen. Allerdings haben Schlachthöfe durch den Verlust von Absatzmärkten in Asien und Großbritannien schon empfindliche Erlöseinbußen erlitten. Deutschland benötigt diese Drittländermärkte, um hochwertige Erzeugnisse aber auch Innereien und Fettwaren zu verkaufen“, erklärt Hortmann-Scholten. Besonders die Wiederöffnung des britischen Marktes sei für deutsche Rinderhalter von großer Bedeutung, da dort momentan weltweit die höchsten Rindfleischpreise erzielt werden.

Experten gehen davon aus, dass die globale Rindfleischerzeugung 2025 weiter sinken wird. Gründe sind neben Seuchenausbrüchen auch staatliche Ausstiegsprogramme aus der Tierhaltung sowie verschärfte Auflagen. In der EU – aber vor allem in Deutschland – setzt sich der Produktionsrückgang fort, er lässt sich an den Schlachtzahlen ablesen: Bis zur 9. Kalenderwoche 2025 wurden mit 344.605 geschlachteten Rindern fast sechs Prozent weniger Tiere verarbeitet als im Vorjahr. Dies führt zu weiter steigenden Preisen. Hortmann-Scholten rechnet daher in diesem Jahr mit historischen Höchstpreisen bei Schlachtkälbern, Kühen und Bullen. Aktuell liegt der Preis für eine Kuh in Deutschland bei 535 Euro pro 100 kg SG, während der europäische Durchschnitt bei 509 Euro liegt. Auch Kalbfleisch wird teurer: Seit Jahresbeginn stiegen die Erzeugerpreise um mehr als einen Euro auf deutlich über 7 Euro pro kg SG.

Damit Erzeuger von der positiven Marktentwicklung am Milch- und Rindfleischmarkt profitieren, fordert das Landvolk Niedersachsen verstärkte Impfmaßnahmen gegen die Blauzungenkrankheit BTV-3. Zwar sind fast 100 Prozent der Schafe in Niedersachsen geimpft, doch bei den Rindern liegt die Quote erst bei circa 40 Prozent. „Milchviehbetriebe impfen häufiger, Bullenmäster seltener. Die Folgen sind gesundheitliche Probleme bei den Tieren“, warnt Landvolk-Vizepräsident Frank Kohlenberg. Besonders problematisch sei die Impfung schwerer Bullen mit mehreren hundert Kilogramm Gewicht. Kohlenberg rät deshalb dazu, Kälber bereits frühzeitig beim Fressererzeuger zu impfen, um spätere Komplikationen zu vermeiden. Ein finanzieller Anreiz für die Impfung besteht ebenfalls: Die Tierseuchenkasse (TSK) bietet Zuschüsse für Tierhalter. Trotz der Herausforderungen in der Rinderhaltung zeigen die aktuellen Preisentwicklungen, dass deutsche Rinderhalter von der hohen Nachfrage profitieren – vorausgesetzt, sie treffen die richtigen Vorsorgemaßnahmen. (LPD 26/2025)

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