Landwirte engagieren sich gemeinsam mit Partnern für den Schutz des Kiebitzes
L P D – Moderne Landwirtschaft und Artenschutz gehen Hand in Hand: Mit sogenannten Kiebitzinseln schaffen einige Landwirte in der Region Hannover gezielt Rückzugsorte für den stark gefährdeten Vogel. Einer von ihnen ist Landwirt Philipp Hattendorf aus Immensen, der in diesem Frühjahr gemeinsam mit seiner Familie auf zwei Hektar Zuckerrübenanbau verzichtet hat, um den Bodenbrütern eine erfolgreiche Brut zu ermöglichen. Eine wirkungsvolle Maßnahme, um die Artenvielfalt zu erhöhen und auf den Tag der Artenvielfalt am 22. Mai aufmerksam zu machen.
Moderne Technik hilft Hattendorf beim Schutz der Nester. Auf einem digitalen Monitor im Trecker sind die Brutplätze der Kiebitze markiert. Die Gelege wurden zuvor mithilfe einer Wärmebilddrohne lokalisiert, per GPS eingemessen und in die Schlagkarte des Schleppers übertragen. So kann der Landwirt ausreichend Abstand zu den Nestern halten. Die Wärmebilddrohne hat Heiko Hattendorf vom Wildtiermanagement Immensen-Arpke eingesetzt, um auf rund zehn Hektar Fläche mehrere der perfekt getarnten Nester zu entdecken.
Kiebitzinseln sind Bestandteil des Biodiversitätsprogramms der Region Hannover, das seit 2018 gemeinsam vom Landvolk Hannover, der Stiftung Kulturlandpflege und derzeit rund 80 landwirtschaftlichen Betrieben umgesetzt wird. „Unser gemeinsames Ziel ist es, die biologische Vielfalt in der Agrarlandschaft zu fördern“, betont Björn Rohloff, stellvertretender Geschäftsführer der Stiftung Kulturlandpflege. Laut Stiftung konnten in den vergangenen Jahren bereits mehr als 70 Kiebitznester in der Region Hannover geschützt werden.
Die hohe Beteiligung der Betriebe zeigt nach Einschätzung des Landvolks Niedersachsen die große Bereitschaft der Landwirtschaft, sich aktiv für den Naturschutz einzusetzen. Unterstützt werden die Maßnahmen durch Mittel der Region Hannover, die den Ertragsausfall der Landwirte ausgleichen. Die Anlage von Kiebitzinseln wird zudem seit zwei Jahren von der Bingo-Umweltstiftung gefördert.
Das Biodiversitätsprogramm zeige, dass Vertragsnaturschutz auf Augenhöhe ein geeignetes Instrument ist, um Artenvielfalt gemeinsam mit den landwirtschaftlichen Betrieben wirksam zu fördern, darin sind sich alle Beteiligten einig. Neben Kiebitzinseln gehören auch Blühstreifen für Insekten, Stoppelbrachen als Futterquelle für Feldhamster sowie Altgrasstreifen als Lebensraum für Feldhasen und Wiesenvögel dazu – und zwar nicht nur am Tag der Artenvielfalt. (LPD 38/2026)
Ansprechpartnerin: Wiebke Molsen, Tel.: 0511 3670476, wiebke.molsen@landvolk.org






