Wiesenbrüterschutz in Ostfriesland im Rahmen des Niedersächsischen Weges
L P D – Im Entwässerungsgebiet bei Leer in Ostfriesland wird Wasser normalerweise schnell von den Flächen abgeführt. Im Rahmen des Projekts MoNaKo, mit dem die „Modellhafte Erprobung von Naturschutz-Kooperativen in verschiedenen Agrarlandschaften Deutschlands nach dem niederländischen Ansatz“ gemeint ist, geht das Wasser nun an einigen Stellen den umgekehrten Weg: Erstmals kommen 2026 Solarpumpen zum Einsatz, die Wasser aus Gräben gezielt auf Grünlandflächen fördern. Ziel ist es, stocherfähige und nahrungsreiche Bereiche für Wiesenbrüter wie Kiebitz, Uferschnepfe oder Rotschenkel zu schaffen.
„Die Projektstandorte zeigen, wie wichtig die Kenntnisse der Landwirtinnen und Landwirte über ihre Flächen sind“, sagt Projektleiterin Dr. Talea Becker, die das Projekt gemeinsam mit Hans-Werner Lünemann von der Stiftung Kulturlandpflege begleitet. Das Wasser müsse sich gleichmäßig verteilen, ohne Nachbarflächen zu überfluten oder direkt in die Gräben zurückzulaufen. Trotz geringer Entfernungen unterscheiden sich die Bodenverhältnisse deutlich. Zwei Pumpen wurden über das Projekt angeschafft, an einem dritten Standort hat ein Landwirt eine eigene Anlage aufgebaut. „Auch bei den weiteren Standorten haben die Betriebe die Technik mit selbst entwickelten Konstruktionen zur gezielten Wasserführung ergänzt“, hebt Becker das persönliche Engagement hervor.
Bereits kurz nach Beginn der Zuwässerung wurden erste Gelege in der Nähe der feuchten Bereiche entdeckt, zudem nutzen Altvögel die nassen Stellen intensiv zur Nahrungssuche. Die Maßnahmen sind Teil eines umfassenden Wiesenbrüterschutzes der inzwischen 18 beteiligten Betriebe. Dazu gehören unter anderem Kartierungen, Drohnenbefliegungen mit Wärmebildtechnik, spätere Mahd sowie der Schutz von Gelegen vor landwirtschaftlichen Arbeiten. In diesem Jahr wurden bisher 40 Gelege entdeckt, darunter auch die von Uferschnepfen und dem Großen Brachvogel.
„Die beteiligten Landwirtinnen und Landwirte haben in den vergangenen zwei Jahren bereits viele Erfahrungen mit dem Konzept der Kooperative gesammelt und schätzen die Zusammenarbeit mit den anderen Betrieben aus dem Gebiet“, lautet Beckers Erfahrung. Denn Wiesenbrüterschutz gelinge nur, wenn sich möglichst alle Grünlandbauern einer Region beteiligen und die Aufgaben koordiniert werden. „Die Landwirtinnen und Landwirte nehmen sich als Gemeinschaft wahr und gründen jetzt mit den Jägerinnen und Jägern der Region einen Verein, um die Aufgaben auch in Zukunft gemeinschaftlich zu organisieren“, freut sich Becker über die Nachhaltigkeit.
Unterstützt werden sie von der Bingo-Umweltstiftung, der Rentenbank sowie durch Fördermittel des Landes Niedersachsen im Rahmen des Niedersächsischen Weges. Für die Zukunft hoffen die Beteiligten auf eine Fortsetzung der Finanzierung, um weitere Maßnahmen zum Wiesenbrüterschutz erproben zu können. (LPD 43/2026)
Ansprechpartnerin: Wiebke Molsen, Tel.: 0511 3670476, wiebke.molsen@landvolk.org






