„Öko-Landbau muss man leben!“

Foto: Landvolk Niedersachsen

Neue Bio-Verordnung mit hohen Auflagen zeigt Öko-Bauern Grenzen auf

L P D – Seinen landwirtschaftlichen Betrieb einfach auf „öko“ umstellen, um die Flut an Auflagen der konventionellen Landwirtschaft und den damit verbundenen Problemen loszuwerden? Öko-Landbau ist für viele Fragestellungen eine Lösung, aber auch hier gibt es Grenzen. „Öko-Landbau muss man leben. Wir haben im Öko-Landbau immer größer werdende Konfliktpotenziale. Bio ist aktuell mit all seinen Bereichen wie Artenschutz oder Biodiversität omnipräsent. Zudem wird der Öko-Landbau von vielen bewertet, die nur von außen darauf schauen. Wir sind gespannt, wie die von der Politik angedachten 30 Prozent Öko-Landbau zukünftig umgesetzt werden“, zeigt der Vorsitzende des Öko-Ausschusses im Landvolk, Carsten Bauck, auf.

„Wachstum und Markt im Öko-Bereich sind auch durch den Verbraucher limitiert. Wo wird die Grenze liegen“, fragt Carsten Bauck. Öko-Bauern müssen sich den Markt für ihr Produkt suchen, was aber in Niedersachsen gut geht. Die Öko-Bewegung hat viele Anhänger, aber echte Antworten auf die Fragen zur Zukunft des Öko-Landbaus gibt es kaum. „Natürlich kann ein Landwirt seinen Betrieb auf ökologische Bewirtschaftung umstellen, aber die Rahmenbedingungen sind durch die neue EU-Bio-Verordnung unklarer geworden“, ärgert sich Bauck über die groben handwerklichen Fehler der aktuellen Änderung.

1993 trat die erste EU-Öko-Verordnung in Kraft und wurde seitdem laufend ergänzt. Mit der ersten großen Überarbeitung dieser Bestimmungen 2007/08 galt die EU-Öko-Verordnung 834/2007, die nun mit der erneuten Generalüberholung 2018 in Kraft getreten ist. Sie muss von den EU-Staaten umgesetzt werden. Ab 2021 ist sie von allen Betrieben und Kontrollstätten im Biosegment anzuwenden. „Wir hatten eine feste Grundlage, die vor allem die gute fachliche Praxis im Öko-Landbau berücksichtigte. Jetzt wurde einfach der EU-Öko-Standard neu angeordnet, ohne regionale Vorgaben zu berücksichtigen,“ beschreibt Carsten Bauck das Fehlen technischer Rahmenbedingungen zum Beispiel für den Schweine- oder Geflügelbereich. Es gibt kaum Übergangsregelungen und wenn, dann sind diese Zeiten zu kurz oder werden durch landesspezifische Auslegungen der Bio-Verordnungen noch verschärft. „Die neue Bio-Verordnung ist ein Flickwerk, deren Start durch Corona voraussichtlich um ein Jahr auf 2021 verschoben wird. Wir wollen zeigen, dass Öko-Landbau noch besser werden kann, aber die technischen Fehler müssen abgestellt werden. Das verbessert nicht die Prozesse“, beschreibt Bauck die Probleme im Öko-Landbau. Großes Lob zollt er der hervorragend funktionierenden Zusammenarbeit mit Niedersachsens Landwirtschaftsministerium und hofft für die niedersächsischen Öko-Betriebe auf ökologisch effektive und umsetzbare Richtlinien. (LPD 42/2020)

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