Die Zukunft der Weidetierhaltung steht auf dem Spiel

Foto: Landvolk Niedersachsen

„Tag der offenen Weide“ am 6. September weist auch auf Wolfsproblematik hin

L P D – Unter der Schirmherrschaft des Fördervereins der deutschen Schafhaltung (FDS) findet am kommenden Sonntag, 6. September, der „Tag der offenen Weide“ statt. „Alle Weidetierhalter sind aufgerufen mitzumachen – auch Nebenerwerbs- und Hobbybetriebe. Denn nur gemeinsam können wir etwas bewegen!“, lädt der Vorsitzende des Vereins, Wendelin Schmücker, Besucher aus Stadt und Land von 11 bis 17 Uhr ein. Die Weidetierhalter wollen mit der bundesweiten Aktion über den aktuellen Stand der Weidetierhaltung in Deutschland informieren. Dieser sei laut Schmücker dramatisch, die Existenz nicht gesichert und die physischen und psychischen Belastungen seien schwer auszuhalten, führt Schmücker aus. „Anstatt einer Besserung kommen immer neue Auflagen auf uns Weidetierhalter zu“, erklärt der Schafhalter aus Winsen/Luhe.

2010 wurde der FDS gegründet, um die Leistungen der Schafhaltung für die Pflege der deutschen Kulturlandschaft in die Öffentlichkeit zu bringen. „Aufgrund der aktuellen Wolfsproblematik steht inzwischen der Erhalt der gesamten Weidetierhaltung auf dem Spiel. Auch darüber möchten wir mit dem Aktionstag informieren, uns der Bevölkerung öffnen und vor allem die Probleme verdeutlichen – denn so kann es nicht mehr weitergehen“, sagt Schmücker, der 640 Schafe hält. Der Schäfer prognostiziert, dass wenn die Politik in der Wolfsfrage stur bleibe, es mit hoher Wahrscheinlichkeit in zehn Jahren keine Schafhaltung in Deutschland mehr geben werde. „Eine friedliche Koexistenz kann ich mir derzeit nicht mehr vorstellen. Allein bei mir wurden in den vergangenen zwei Jahren 28 Tiere gerissen. Man ist es leid, morgens zur Weide zu kommen und zerfetzte und gerissene Schafe, Ziegen, Pferde, Rinder oder Kälber vorzufinden“, schildert Schmücker das Szenario, das sich immer öfter auf Niedersachsens Weiden abspielt.

„Bund und Land müssen sämtliche Ausnahmemöglichkeiten des strengen Artenschutzes nutzen, die das europäische Recht bietet. Die letztjährige Änderung des Bundesnaturschutzgesetzes war dafür nicht ausreichend. Es muss rechtssicher möglich sein, übergriffige Wölfe zügig zu schießen“, fordert Landvolk-Vizepräsident Jörn Ehlers gemeinsam mit den Weidetierhaltern. Er sieht den günstigen Erhaltungszustand für Wölfe in Deutschland mittlerweile erreicht und die Zeit für eine Übernahme des Wolfs ins Jagdrecht gekommen. Stand August sind in Niedersachsen 35 Wolfsrudel sowie zwei Wolfspaare bekannt. „Ich erwarte, dass die Bundesregierung sich auf europäischer Ebene dafür einsetzt, den Schutzstatus für Wölfe im EU-Recht herabzustufen. Wir brauchen mehr Handlungsspielräume für ein aktives Wolfsmanagement“, so Ehlers. Wo in Niedersachsen der Aktionstag „Weidetierhaltung“ von 11 bis 17 Uhr stattfindet, erfahren Interessierte hier. (LPD 69/2020)

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