„Niedersachsen ist schon über die Maßen betroffen“

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Landvolk sieht Endlagersuche für Atommüll kritisch

L P D – Für viele ländliche Gebiete auch in Niedersachsen beginnen mit der Suche nach einem Endlager für hochradioaktiven Atommüll erneut schwierige Zeiten. Die geplante Vorgehensweise ist zwar lange bekannt, aber dennoch blickt der Landesbauernverband mit Sorge auf den Bericht zur künftigen Lagerung hoch radioaktiver Abfälle, der heute (28. September) der Öffentlichkeit vorgestellt wird. Landvolk-Vizepräsident Ulrich Löhr sagt: „Die Menschen in vielen Regionen Niedersachsens haben sich bisher wenig Gedanken gemacht, dass sie schon bald von einem Endlagerstandort betroffen sein könnten.“ Das Bundesland sei schon jetzt „über die Maßen“ von der Thematik betroffen, bekräftigt der Landwirt aus dem Landkreis Wolfenbüttel und nennt als Beispiele vor seiner Haustür die Asse und Schacht Konrad sowie Gorleben. Er fordert im Namen des Bauernverbands, nun andere potenziell geeignete Regionen außerhalb Niedersachsens intensiv zu untersuchen.

Von einem Atommüll-Endlager direkt beeinträchtigt wären die bäuerlichen Betriebe vor allem im Hinblick auf den Flächen- und Imageverlust. Im Umkreis einer derartigen Anlage kann das Vertrauen in mühsam aufgebaute regionale Marken, das Vertrauen in die Qualität der Produkte von direktvermarktenden Höfen oder die Sicherheit von Bauernhofferien über Nacht verspielt sein.

Gesucht wird ein Ort, an dem hoch radioaktiver Atommüll eine Million Jahre lang möglichst sicher gelagert werden kann. In der Nachbarschaft möchte den Abfall aber niemand haben. Weil aber spätestens Ende 2022 in Deutschland der letzte Atomreaktor vom Netz geht, drängt nun die Zeit. Bis 2031 soll der Standort gefunden sein und 2050 soll das Endlager in Betrieb gehen. Ausgehend von einer «weißen Landkarte», auf der jeder Ort grundsätzlich in Frage kommt, wird nach und nach eingegrenzt. Wirtsgesteine können Salz, Ton und Kristallin wie etwa Granit sein. 300 Meter Gestein sollen zwischen Erdoberfläche und Endlager liegen. Gibt es dort Bergwerke, ein Erdbeben-Risiko, vulkanische Aktivitäten oder junges Grundwasser, dann ist der Standort ungeeignet. Die Endlagerfestlegung soll – anders als in den siebziger Jahren in Gorleben – transparent gestaltet werden. Bis Juni 2021 sind mehrere Beratungstermine vorgesehen. Das Landvolk Niedersachsen wird den Prozess genau beobachten und mit Nachdruck die Interessen der Mitglieder vertreten. „Es kann nicht sein, dass Bayern sich von vornherein aus der Verantwortung stehlen will“, betont Ulrich Löhr. „Und es ist auch keine Option, den Müll ins Ausland oder ins All zu schicken.“ (LPD 76/2020)

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