Landvolk: Wir brauchen hochproduktive Standorte

Dr. Holger Hennies: "Niedersachsens Landwirte haben ihre Hausaufgaben gemacht und die Stickstoffüberschüsse massiv gesenkt". Foto: Landpixel

EU-Vorgaben zum Grundwasserschutz in vergangenen sieben Jahren erfüllt

L P D – Die Vorgaben der EU zur Ausweitung der sogenannten Roten Gebiete in den Bördelandschaften und auch in vielen Grünlandflächen passen nicht mehr in die Zeit. „Diese Flächen, von denen nahezu keine Grundwasser-Gefährdung ausgeht, dürfen – auch gerade im Hinblick auf die aktuelle geopolitische Situation – nicht zwangsextensiviert bzw. im Rahmen der EU-Agrarförderung ganz aus der Bewirtschaftung herausgenommen werden“, erklärt Landvolkpräsident Dr. Holger Hennies. Niedersachsens Landwirte haben ihre Hausaufgaben gemacht und die Stickstoffüberschüsse massiv gesenkt. Nun fordert Hennies den Bund auf sich dafür einsetzen, dass auf diesen ertragsreichen Flächen auch in Zukunft Landwirtschaft betrieben werden darf: „Wir brauchen diese hochproduktiven Standorte, um die Ernährungssicherung zu erhalten – und dafür auch die entsprechende Düngung.“

Innerhalb von sechs Jahren haben Niedersachsens Landwirte bei den Nitratemissionen die Werte halbiert (siehe Grafik). „Niedersachsens Landwirte leben Grundwasserschutz. Die neuesten Erkenntnisse aus dem Nährstoffbericht 2020/21 bestätigen das und zeigen, dass die Vorgabe der Farm-to-Fork-Strategie, den N-Bilanzüberschuss für den Grundwasserschutz um die Hälfte zu senken, innerhalb der letzten sieben Jahre erfüllt wurde“, stellt der Landvolkpräsident anlässlich der Veröffentlichung des aktuellen Nährstoffberichts Niedersachsens ganz deutlich heraus. Lagen die Stickstoffüberschüsse aus der Landwirtschaft gemäß Düngeverordnung im Jahr 2015 noch bei 62 Kilogramm pro Hektar (kg/ha), so sank der Anteil seitdem auf nunmehr nur noch 28 kg/ha.

Die Drohung der EU-Kommission, wegen einer unzureichenden Umsetzung der EU-Nitratrichtlinie ein Bußgeldverfahren gegen Deutschland zu eröffnen, wird laut Hennies für Niedersachsen der Sache nicht gerecht: „Die EU handelt formaljuristisch und nicht lösungsorientiert, geschweige denn praxisnah. Veränderungen werden seit 2017 stoisch ignoriert und somit Niedersachsens Landwirte kollektiv bestraft.“ Von der „Düngung unter Bedarf“ sind demnächst auch Regionen in der Bördelandschaft oder in Grünlandregionen betroffen, wo aufgrund der geologischen Eigenschaften dieser Flächen eine Gefährdung der Gewässer unwahrscheinlich ist. Landvolkpräsident Hennies prophezeit: Sollte die EU an ihren ordnungsrechtlichen Vorgaben festhalten, um die anvisierten Minderungsziele zu erreichen, werde dies zu einem deutlichen Rückgang bei Erträgen und Qualitäten führen. „Das ist aber mit dem ebenfalls in der Farm-to-Fork-Strategie festgesetzten Grundsatz, die Ernährungssicherheit zu erhalten und die Einkommenssituation auf den Höfen zu verbessern, unvereinbar“, hält Hennies ein Überdenken und Umsteuern der Agrarpolitik für nötig. (LPD 23/2022)

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