„Kooperativ“ agieren Landwirte für mehr Biodiversität

Landwirt Henning Gehrke ist vom Kooperativ-Projekt überzeugt und stellt mit seiner Betriebsgemeinschaft Reitliehausen sechs Hektar seiner Fläche zur Verfügung Foto: Landvolk

Projekt will Vernetzung von Agrarumweltmaßnahmen mehrerer Höfe analysieren

L P D – Blühstreifen-Projekte gibt es mittlerweile allerorten in Niedersachsen. Viele Landwirte beteiligen sich daran, legen Blühstreifen entlang des Ackers an und leisten so ihren Anteil für mehr Biodiversität in der Agrarlandschaft. Das Projekt „Kooperativ – Partizipation, Ökologie, Ökonomie“ im Bundesprogramm Biologische Vielfalt hingegen verfolgt einen innovativen Lösungsansatz: Die Universitäten Göttingen und Rostock sowie das Landvolk Northeim-Osterode beabsichtigen hierbei, Blühstreifen als Agrarumweltmaßnahmen weiträumig und kooperativ, d.h. abgestimmt zwischen mehreren landwirtschaftlichen Betrieben, umzusetzen. „Dabei werden die grundlegenden Organisationsstrukturen sowie die ökologischen Wirkungen und ökonomischen Konsequenzen wissenschaftlich analysiert. Bemerkenswert ist, dass die Landwirte bei dieser freiwilligen Teilnahme ihre besten Böden in die Forschung geben“, erklärt der Geschäftsführer des Landvolk Northeim-Osterode, Manuel Bartens, bei der Vorstellung des Projekts auf dem Acker von Henning Gehrke.

Kooperation und Partizipation bilden das zentrale Element des Projekts „Kooperativ“, das auf der Initiative des Runden Tisches Artenvielfalt Uslar basiert und durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt finanziert wird. Kernstück des Projekts ist die Vernetzung von Agrarumweltmaßnahmen auf den Ackerflächen. Statt individuelle Blühstreifen einzelner Landwirte an weit auseinanderliegenden Flächen werden hier Felder mehrerer Landwirte zu einer großen Blühfläche zusammengeschlossen. „Im Landkreis Northeim konnten wir unsere Landwirte überzeugen. Die Akkreditierung war ein großer Aufwand“, erklärt Landvolk-Geschäftsführer Bartens, dessen Verband eine Viertelstelle dieses Projektes mitfinanziert. Insgesamt dienen nun 40 Untersuchungslandschaften mit Flächengrößen von vier, acht oder zwölf Hektar (ha) mit verschiedensten Lebensraumklassifizierungen als Grundlage. Die Projekt-Gesamtfläche der 38 teilnehmenden landwirtschaftlichen Betriebe beträgt insgesamt 230 ha. Acht Gemeinden sowie der Landkreis Northeim beteiligen sich zudem daran, den Landwirten aus ihren Budgets die Teilnahme am Projekt zu honorieren.

Landwirt Henning Gehrke ist vom Kooperativ-Projekt überzeugt und stellt mit seiner Betriebsgemeinschaft Reitliehausen sechs Hektar seiner Fläche zur Verfügung. Der Landwirt aus Uslar-Wiensen bewirtschaftet 700 ha Ackerbau mit Weizen, Gerste, Roggen, Raps und Zuckerrüben. „Ich mache seit 15 Jahren Blühstreifen über die Agrarumweltmaßnahmen. Artenvielfalt ist wichtig, doch im Hinblick auf die Ukraine habe ich auf zwei Hektar, die für Blühflächen vorgesehen waren, doch Sommerweizen gesät, denn in erster Linie erzeugen wir Lebensmittel“, erklärt Gehrke. Er sei der Anfrage des Stadt Uslar gerne nachgekommen: „Wir haben alle das gleiche Ziel: Natur und Pflanzen schützen – statt sie zu zerstören.“ Politik und Gesellschaft sollen via Austausch und Öffentlichkeitsarbeit an dem Projekt partizipieren.

Im Rahmen der zweijährigen Konzeptionsphase wird aktuell das Umsetzungsprojekt vorbereitet. Dazu stehen dieses Frühjahr und Sommer die Aufnahme des Ist-Zustandes der Biodiversität auf den Flächen mittels Insektenzählung und Audioanalyse sowie die Befragung der Landwirte zu Motivations- und Entscheidungsfaktoren und zur Kooperationsbereitschaft an. Im Herbst 2022 und/oder Frühjahr 2023 erfolgt die Aussaat der Blühflächen. 2023 startet dann das fünfjährige Hauptprojekt mit der wissenschaftlichen Analyse der Entwicklung der Artenvielfalt auf dieser kooperativen Fläche. Dafür sind jedoch neue Anträge nötig, die die Förderrahmenbedingungen der Gemeinsamen Agrarpolitik berücksichtigen. (LPD 42/2022)

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