Alpakas: Wandern, Wolle, Wolf und Wirtschaftszweig

Ellruth und Jürgen Langhorst betreiben im Süden von Diepholz eine Alpaka-Zucht Foto: Langhorst

Schweinehalter Langhorst hat aus dem Hobby eine Herde zur Zucht aufgebaut

L P D – Sie sind bei der Jugend hipp, ihr Aussehen ist putzig und ihr ruhiges und gutmütiges Wesen dient dem Menschen zur Entspannung: Alpakas. Ihr Anblick auf Niedersachsens Bauernhöfen sorgt immer noch für Erstaunen. Auf den Wiesen rund um Hof Langhorst im Süden von Diepholz laufen jedoch schon seit 2009 die aus Südamerika stammenden Lasten- und Wolltiere. „Als wir beschlossen hatten unsere Rindviehhaltung aufzugeben, stellten wir schnell fest, dass die Weide rund um den Hof weiter gepflegt werden muss. Also schafften wir uns als Hobby drei Alpakas an. Daraus hat sich mittlerweile eine Herde mit 13 bis 15 Tieren entwickelt“, berichtet Jürgen Langhorst vom Beginn seiner Alpakazucht gegenüber dem Landvolk-Pressedienst. 

Während andere Höfe oder Weidetierhalter mit den ruhigen und gemütlichen Wegbegleitern Trekking-, Wander- oder Entspannungstouren anbieten, haben sich Jürgen Langhorst und seine Frau Ellruth der Zucht und der Vermarktung der besonderen Wolle verschrieben. „Die Wolle der Alpakas ist anders als Schafswolle. Sie enthält kaum Lanolin (Wollfett) und ist damit nicht nur geruchsneutral, sondern auch hervorragend für Allergiker, Neurodermitis-, Rheuma- und Gichtpatienten geeignet. Das einzelne, hauchdünne Alpaka-Haar ist innen hohl, dies sorgt für einen guten Temperatur- und Feuchtigkeitsausgleich. Eigenschaften, die besonders bei Bettdecken für ein ausgezeichnetes Schlafklima sorgen“, schwärmt der 56-jährige Landwirt, der mit seinen Söhnen Mathis und Jannik neben dem Ackerbau noch Ferkel, Schweine, Duroc-Schweine sowie Gänse aufzieht, mästet und züchtet.

Einmal im Jahr gegen Ende Mai schert der Landwirt die Alpakas, die über 20 Jahre alt werden können. „Wir halten unsere Herde jung, denn die Wolle junger Tiere ist qualitativ besser und weicher“, erklärt der Schweine-, Gänse- und Alpaka-Landwirt. Dazu werden die Hengste verkauft, die Stuten bleiben zum Teil zwecks Nachzucht. Für nächstes Jahr erwartet Langhorst vier bis sieben Fohlen. „Das ist immer spannend, ob der Natursprung geklappt hat – und erst nach der langen Tragezeit von fast zwölf Monaten sieht man das Ergebnis – weiß, braun, schwarz oder was dazwischen“, verweist Langhorst auf die natürliche Fortpflanzung der Tiere. Die gewonnene Wolle von circa zwei Kilogramm pro Tier geben die Langhorsts zur Weiterverarbeitung an eine Spezialfirma – nach der Reinigung wird daraus wahlweise Strickwolle oder die Füllung für Bettdecken, die der Hof direkt via www.hoflan

ghorst.de vermarktet. Auch wenn die Herdentiere keine großen Ansprüche haben, so sorgen Jürgen Langhorst und seine Frau dafür, dass sie neben dem ganzjährigen Weidegang auch Heu mit hartem Faseranteil für die Verdauung bekommen. Zudem ist die Zahn- und Klauenpflege für die Wiederkäuer wichtig. „Unseren weichen Wiesen fehlen die Steine und der harte Untergrund der Anden, an dem sich die Tiere ihre Zähne und ihre Fußnägel schleifen können. Deshalb gibt’s einmal im Jahr Zahn- und bis zu zweimal die Fußpflege inklusive“, sorgt Langhorst für das Wohlbefinden seiner bis zu 3000 Euro teuren Tiere, die eigentlich ständig auf der Wiese sein könnten, wenn der Wolf nicht in der Nähe wäre: „Wir holen unsere Tiere nachts lieber in den Stall, denn das möchte ich nicht erleben.“ (LPD 86/2022)

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