Regen und Schneefall reichen noch lange nicht

„Der Dauerregen in den vergangenen Wochen und der Schnellfall am Wochenende reichen bei weitem noch nicht aus, um die Wasserspeicher im Boden aufzufüllen“, berichtet Karl-Friedrich Meyer, Vorsitzender im Landvolk-Ausschuss Pflanze Foto: Landvolk

Landvolk sieht noch weiteren Bedarf an Niederschlägen, damit Speicher sich füllen

L P DAn unseren Talsperren lässt sich gut erkennen, ob weitere Niederschläge nötig sind: Während die Edertalsperre mit über 86 Prozent gut gefüllt ist, hat die Okertalsperre im Harz mit knapp 50 Prozent noch ordentlich Luft nach oben. „Der Dauerregen in den vergangenen Wochen und der Schnellfall am Wochenende reichen bei weitem noch nicht aus, um die Wasserspeicher im Boden aufzufüllen“, berichtet Karl-Friedrich Meyer, Vorsitzender im Landvolk-Ausschuss Pflanze, gegenüber dem Landvolk-Pressedienst.

„Die derzeitigen Niederschläge sind zwar viel Wert, doch es gibt regional große Unterschiede. In Summe reicht es noch nicht“, führt der Ackerbauer aus dem Weserbergland aus. Auch wenn die gut 70 Millimeter Regen im September den Landwirten bei der Herbstbestellung geholfen haben, so drang der Niederschlag maximal 50 Zentimeter in die Tiefe ein. „Darunter ist der Boden knochentrocken“, schildert Meyer die Situation auf den Feldern für das Weserbergland. Das sei kein Wunder, denn schließlich gehe 2022 als fünftes Trockenjahr in Folge in die Wetteraufzeichnungen ein. Wichtig sei, dass die Niederschläge sachte und andauernd auf den Boden treffen. „Dann wird der Regen gut vom Boden angenommen, kostbarer Boden wird nicht weggespült und die Feuchtigkeit kann tief in die Schichten eindringen“, erläutert Meyer.

Auch wenn der viele Regen den Menschen nicht gefalle und in dieser Jahreszeit dem einen oder anderen aufs Gemüt schlage: „Für den anstehenden Sommer ist er enorm wichtig“, sagt Pflanzenexperte Meyer. Denn seit den Wetteraufzeichnungen im Jahr 1881 war der Zeitraum Januar bis November 2022 in Deutschland noch nie so warm wie 2022. Der Rückgang der Bodenfeuchte nahm einen ähnlichen Verlauf wie im Dürrejahr 2018. Erst ab Mitte September beendeten Niederschläge und sinkende Temperaturen die lange andauernde Trockenheit in Niedersachsen. Zum Jahresende zeigte die klimatische Wasserbilanz, also Niederschlag minus Verdunstung, in vielen Regionen Niedersachsens ein dickes Minus auf – teilweise mehr als dreimal so hoch wie der langjährige Mittelwert: In Göttingen fielen von April bis September 2022 mehr als 460 Millimeter (mm) weniger Niederschlag als im langjährigen Mittel mit 158 mm, in Hannover Minus 428 mm zum Mittelwert mit 141 mm und in Braunschweig mit -381 mm zu -150 mm.

Laut Meyer mache die aktuelle Kälte mit Frost den Pflanzen auf dem Acker nicht viel aus. „Nur extreme Schwankungen mögen die Pflanzen nicht. Tagsüber Tauwetter und nachts extremer Frost wären schlecht. Notfalls müssen wir Landwirte aber auch damit zurechtkommen“, zeigt Meyer die Abhängigkeit der Landwirte von Natur und Wetter auf. (LPD 07/2023)

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