In Maßen ist jedes Lebensmittel umweltverträglich

Dr. Malte Rubach referierte auf der Zukunftswerkstatt in Berlin zum Thema „Erwartungen an Agri-Food-Systeme und die Zukunft alternativer Proteinquellen" Foto: Landvolk

„Erwartungen an Agri-Food-Systeme und die Zukunft alternativer Proteinquellen“

L P D – Butter hat im Vergleich zu Ölen keine schlechte Ökobilanz und würden alle Menschen vegan leben, reichten die Ressourcen für die Ernährung von bald zehn Milliarden Menschen auf der Erde nicht aus. In seinem Vortrag mit dem Titel „Erwartungen an Agri-Food-Systeme und die Zukunft alternativer Proteinquellen“ hat der Wissenschaftler und Autor Dr. Malte Rubach vor rund 650 Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Zukunftswerkstatt der Marketinggesellschaft Niedersachsen auf der Internationalen Grünen Woche (IGW) in Berlin die Annahmen zu angeblichen Klima-Killern im Agri-Food-Bereich in Frage gestellt.

Für die Gesundheit der Menschen und des Planeten wäre es verträglich, so Rubach, wenn jeder Mensch auf der Welt zwischen 300 und 600 Gramm Fleisch innerhalb einer Woche konsumieren würde. In Deutschland wird zurzeit noch mehr als doppelt so viel Fleisch verzehrt. „In Maßen“, so Rubach, „ist aber jedes Lebensmittel gesund und umweltverträglich.“ Für seine Erkenntnisse legt der Experte öffentlich zugängliche Daten aus der Weltbank, der Welternährungsorganisation, den Vereinten Nationen und nationalen Quellen zugrunde. Das überraschendste Ergebnis sei für ihn gewesen, dass Milch und Milchprodukte nach Fleisch, Getränken und Getreideerzeugnissen auf Platz vier der Klimawirkung liegen und bei der Landnutzung auf Platz sieben.

Allein beim Ernährungsverhalten wird laut Rubach ein radikales Umdenken im Sinne des Klimaschutzes nicht genügen. Nahezu jede menschliche Aktivität verursache eine Umweltwirkung. Er plädiert deshalb in Sachen Ernährung für einen wissenschaftlich basierten Anpassungsprozess. Dabei wären rund 75 Prozent unserer Lebensmittel nach Gewicht pflanzlich und der Rest tierischen Ursprungs. „Aktuell liegen wir laut der Nationalen Verzehrstudie etwa zwischen 70 und 74 Prozent pflanzlichem Anteil. Eine Halbierung des Fleischkonsums würde den Anteil der pflanzlichen Lebensmittel bereits auf 75 Prozent anheben“, rechnet Rubach vor. Bei der Ernährung vermehrt auf Hülsenfrüchte zu setzen, wie es vielfach propagiert wird, ist für den Wissenschaftler keine Lösung: Diese machen am Pro-Kopf-Verbrauch im Jahr in Deutschland lediglich 1,3 Kilogramm aus, während zum Beispiel Obst im Vergleich als das am stärksten konsumierte Lebensmittel bei gut 106 Kilogramm liegt. Rubach plädiert dafür, die Zukunft der Agri-Food-Systeme immer global und vor allem auch im Hinblick auf die Verbrauchszahlen in China und Indien zu betrachten, denn: „Allein in Deutschland entscheidet sich die Ernährungswende nicht.“ (LPD 09/2023)

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