Haltung von Legehennen verlangt Fingerspitzengefühl

Henrik Claus hält rund 400 Legehennen in einem Mobilstall südöstlich von Hannover Foto: Landvolk

Junglandwirt baut LKW-Auflieger zum mobilen Hühnerstall um

L P DWeizen, Zuckerrüben, Gerste, Raps und Mais – die Fruchtfolge auf dem Hof Claus ist typisch für die südöstliche Region Hannover. Um sich aus der Abhängigkeit der traditionellen Abliefermentalität zu befreien und durch Direktvermarktung die Preise der Erzeugnisse mitbestimmen zu können, hat sich Junior Henrik Claus Gedanken über alternative Betriebszweige gemacht. „Hier wohnen viele kaufkräftige Leute“, nennt der 26-Jährige einen Standortvorteil des Hofes vor den Toren Hannovers und direkt an der Bundesstraße. Neben dem Anbau von Sonnenblumen, Kürbissen und einer Blühpatenschaftenwiese gehören daher seit zwei Jahren auch rund 400 Legehennen zum vielfältigen Angebot des Bauernhofes.

Sie leben in einem Mobilstall, den der Student der Agrarwissenschaften vor zwei Jahren aus einem ausrangierten LKW-Auflieger gebaut hat. „Der hat mich nur eine Kiste Bier gekostet“, schmunzelt Claus. Spannend wurde erst der Aus- und Anbau zu einem regelkonformen Hühnerstall, denn es gibt in Deutschland enge gesetzliche Vorgaben für die Tierhaltung. Über Monate hat er den ursprünglichen Gemüselaster vergrößert und innen mit Tränken, Sitzstangen, Nestern in ein Volierensystem mit verschiedenen Ebenen verwandelt. „Der Wintergarten stehen den Hühnern als sogenannter Kaltscharraum rund um die Uhr zur Verfügung und gibt ihnen auch bei angeordneter Stallpflicht genug Platz“, erläutert Claus.

Im Normalfall stromert das Federvieh jedoch tagsüber auf der grünen Wiese umher, bis es bei Einbruch der Dämmerung im Stall Schutz sucht. „Die Hühner wollen sich nachts sicher fühlen und gehen am liebsten auf die höchste Stange“, schildert der Junglandwirt seine Erfahrungen. Der Stall wird dadurch auf allen Etagen in voller Höhe genutzt. Draußen führt die Anwesenheit von zwei Ziegen dazu, dass Habichte oder andere Greifvögel weniger oft zuschnappen.

Auch wenn der Hühnerstall von außen unscheinbar wirkt, verbergen sich im Inneren doch einige technische Raffinessen. So schließen sich die Nester abends genauso automatisch wie die Luken nach draußen. Auch die Lüftung wird maschinell gesteuert. Den Strom dafür generiert eine Solaranlage auf dem Dach des Gefährts. „Alle zwei Wochen ziehen wir den Stall ein Stück weiter, damit die Hühner wieder frisches Gras unter ihren Füßen haben“, sagt Claus. Die Automaten mit Futter und frischem Wasser füllt er einmal pro Woche auf.

Die meiste Arbeit verursacht das tägliche Einsammeln der 400 Eier. Sie werden zwar über ein Förderband, auf das sie aus den Nestern rollen, aus dem eigentlichen Stall transportiert, müssen jedoch im Nachgang per Hand gestempelt, verpackt und die Eierpappen mit allen gesetzlich vorgeschriebenen Angaben versehen werden. „Wenn man Hühner hat, braucht man plötzlich ganz viele Dinge“, erinnert sich Claus an seine erste Lieferung von Eierpappen, die er dann auf dem Dachboden seiner Oma unterstellen durfte.

Unkompliziert läuft dagegen der Verkauf der Eier über eine Hofkiste. „Das hatte ich mir schwieriger vorgestellt“, resümiert der Hofnachfolger, der erst im Sommer in den Betrieb eingestiegen ist. Die Kunden bedienen sich direkt aus einem Kühlschrank und nehmen meist auch noch einen Kürbis oder Kartoffeln aus der Region mit. „Es wird zwar auch mal was geklaut, so ist es aber immer noch günstiger, als einen Automaten aufzustellen“, rechnet Claus vor. Er ist froh, sich auf das Abenteuer Hühnerhaltung eingelassen zu haben, auch wenn Legehennen anspruchsvoll sind und ihre Haltung viel Fingerspitzengefühl verlangt. (LPD 14/2023)

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Wiebke Molsen

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