Zikade macht Kartoffel- und Rübenbauern das Leben schwer

„Der Anbau von Kartoffeln, Gemüse und Zuckerrüben ist durch die Zikade existenziell bedroht, denn die Bakteriosen führen nicht nur zu hohen Ertrags- und Qualitätsverlusten, sondern auch zu einer verminderten Verarbeitungs- und Vermarktungsqualität“, erklärt Thorsten Riggert, Vorsitzender des Pflanzenausschusses im Landvolk Niedersachsen. Foto: Landvolk Niedersachsen

Verbände fordern Pflanzenschutzmittel, Monitoring und Forschung / Hohe Ausfälle

L P DAuf die rasante Ausbreitung der Schilf-Glasflügelzikade und der von ihr übertragenen bakteriellen Krankheiten mit dem SBR/Stolbur-Erreger machen derzeit gemeinsam die Verbände der Kartoffel- und Zuckerrübenanbauer in Niedersachsen aufmerksam. „Der Anbau von Kartoffeln, Gemüse und Zuckerrüben ist durch die Zikade existenziell bedroht, denn die Bakteriosen führen nicht nur zu hohen Ertrags- und Qualitätsverlusten, sondern auch zu einer verminderten Verarbeitungs- und Vermarktungsqualität“, erklärt Thorsten Riggert, Vorsitzender des Pflanzenausschusses im Landvolk Niedersachsen und der Fachkommission der Union der deutschen Kartoffelwirtschaft (UNIKA), gegenüber dem Landvolk-Pressedienst.

„Diese Krankheiten sind in den norddeutschen Anbaugebieten zwar noch nicht in nennenswertem Umfang aufgetreten. Dennoch sind wir sensibilisiert und unterstützen hierzu die Forschungs- und Versuchsaktivitäten“, ergänzt der Vorsitzende des Dachverbandes Norddeutscher Zuckerrübenanbauer (DNZ), Eckhard Hinrichs.

Vor allem in Baden-Württemberg, Bayern und Rheinland-Pfalz hat sich das Insekt mit den transparenten Flügeln stark verbreitet. Bei den Zuckerrüben war im Anbaujahr 2023 eine Fläche von 40.000 Hektar (ha) betroffen, dieses Jahr waren es bereits 75.000 ha. „Das entspricht fast 20 Prozent der deutschen Zuckerrübenanbaufläche“, führt DNZ-Vorsitzender Hinrichs aus. Zur Einordnung: In Niedersachsen wurden 2024 Zuckerrüben auf circa 100.000 ha angebaut. Die betroffenen Zuckerrüben weisen einen bis zu 50 Prozent geringeren Zuckergehalt sowie eine verminderte Lagerfähigkeit auf. „Wenn wir keine wirksamen Bekämpfungsmaßnahmen finden, sehen wir die Versorgungssicherheit mit unserer wichtigen Feldfrucht auch in Niedersachsen bedroht“, setzt sich Hinrichs für die rund 5.000 niedersächsischen Vertrags-Zuckerrübenanbauer ein.

Die Larven der Glasflügelzikade leben unterirdisch und saugen an den Wurzeln, die erwachsenen Tiere hingegen sitzen oberirdisch an Gräsern, Kräutern, Bäumen und Sträuchern. „Die große Mobilität der Zikade verursacht bei unseren Kartoffelbauer-Kollegen in Süddeutschland teilweise Totalausfälle. Mit Kartoffeln, Zwiebeln, Karotten und Rote Bete hat die Schilf-Glasflügelzikade zudem weitere Wirtspflanzen erschlossen, sodass dies eine Gefahr für unsere niedersächsischen Kartoffelanbaugebiete – egal ob ökologischer oder konventioneller Anbau – darstellt. Solange die Branche an Lösungsmöglichkeiten arbeitet, sollten die Betriebe eine gute Fruchtfolge und Ackerhygiene beachten. Das ist das Mittel, das jeder Anbauer umsetzen kann“, erklärt Thorsten Riggert und verweist auf die Folgen für den nachgelagerten, verarbeitenden Bereich sowie für die regionale Versorgung mit diesem wichtigen Grundnahrungsmittel.

Um Herr über die Zikade zu werden, haben die betroffenen Verbände bereits auf Eigeninitiative Forschungsarbeiten zur Bekämpfung der Zikade in Auftrag gegeben. „Aber wir benötigen auch Pflanzenschutz- sowie Pflanzenstärkungsmittel sowie eine Anpassung der Düngestrategie und Fruchtfolge. Dazu brauchen wir zeitnah die Unterstützung der Politik, um die existenzielle Bedrohung unserer landwirtschaftlichen Betriebe abzuwenden bzw. finanziell aufzufangen“, fordern Riggert und Hinrichs abschließend übereinstimmend. In einem Schreiben der Dachverbände an Bundeslandwirtschaftsminister Özdemir wurde diese Thematik eindrücklich formuliert. (LPD 89/2024)

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