Landvolk: Erdmandelgras breitet sich rasant aus

Erdmandelgras
Innerhalb weniger Jahre hat sich der Befall mit Erdmandelgras massiv ausgeweitet: Von rund 10.000 bis 12.000 Hektar im Jahr 2021 auf mittlerweile mehr als 200.000 Hektar. Besonders in Niedersachsen ist die Dynamik alarmierend Foto: LWK Tobias Jöring

Landesbauernverband ruft zu konsequenter Hygiene auf / Über 200.000 Hektar betroffen

L P D – Die Ausbreitung des Erdmandelgrases entwickelt sich zunehmend zu einer der größten Herausforderungen im norddeutschen Ackerbau. Innerhalb weniger Jahre hat sich der Befall massiv ausgeweitet: Von rund 10.000 bis 12.000 Hektar im Jahr 2021 auf mittlerweile mehr als 200.000 Hektar. Besonders in Niedersachsen ist die Dynamik alarmierend. „Wir haben es mit einem der aggressivsten Problemunkräuter unserer Zeit zu tun“, warnt Konrad Westphale, Vorsitzender des Ausschusses für pflanzliche Erzeugnisse im Landvolk Niedersachsen. „Wer jetzt nicht handelt, riskiert langfristig ganze Produktionsflächen.“

Die Pflanze vermehrt sich vor allem vegetativ über unterirdische Knöllchen, sogenannte „Erdmandeln“, sowie über Rhizome. Eine einzelne Pflanze kann sich im Verhältnis von bis zu 1:700 vermehren. Besonders kritisch: Die Knöllchen bleiben über Jahrzehnte keimfähig und überstehen selbst strenge Fröste bis etwa minus 15 Grad im Boden.

Die Verschleppung erfolgt häufig unbemerkt – über anhaftende Erde an Maschinen, über Erntegut oder durch Bodenverlagerungen. Genau hier setzt der dringende Appell des Landvolks an: Saubere Maschinen und konsequente Feldhygiene sind derzeit die wirksamste Präventionsmaßnahme.

Betroffen sind vor allem Mais-, Zuckerrüben- und Kartoffelflächen. Erdmandelgras wächst schnell, erreicht Höhen von bis zu einem Meter und konkurriert direkt mit Kulturpflanzen um Wasser, Licht und Nährstoffe. „Die Folge können erhebliche Ertragsverluste sein – im Extremfall werden Flächen langfristig unbrauchbar“, führt Westphale aus.

Erkennbar ist die Pflanze an ihren hellgrünen, V-förmigen Blättern, einem dreikantigen, knotenlosen Stängel sowie den charakteristischen braunen Knöllchen in 10 bis 15 Zentimetern Tiefe. Eine nachhaltige Bekämpfung ist schwierig: Pflanzenschutzmittel zeigen kaum Wirkung, da die Knöllchen im Boden verbleiben. Entscheidend ist daher ein langfristiges Management. „Erste Nester sollten mechanisch entfernt werden – möglichst früh und konsequent, bevor sich die Pflanze weiter ausbreitet“, appelliert Westphale.

„Früherkennung und Hygiene sind unsere wichtigsten Methoden, aber auch die Forschung für wirksame Pflanzenschutzmittel muss weiter vorangebracht werden“, betont Westphale. „Jeder Betrieb trägt Verantwortung – für die eigenen Flächen und für die gesamte Region.“ Das Landvolk empfiehlt daher: regelmäßige Feldkontrollen, sofortiges Entfernen von Befallsnestern und bei Unsicherheiten die Beratung durch Landwirtschaftskammer oder Pflanzenschutzdienste. Nur so lässt sich die weitere Ausbreitung wirksam eindämmen.

Ansprechpartnerin: Silke Breustedt-Muschalla, Tel.: 0511 3670483, silke.breustedt-muschalla@landvolk.org

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