Im Sommer boomt es im Tomatengewächshaus

Seit 35 Jahren baut die Bioland-Gärtnerei Kiebitz Gemüse und Obst an, mittlerweile auf 50 Hektar Land und 5.000 Quadratmetern Gewächshäusern, in denen derzeit die eine Hälfte mit Tomaten, die andere Hälfte mit Gurken und Auberginen bepflanzt ist, auf dem Foto Daniela Diykstra Foto: Landvolk

Gärtnerei setzt auf Geschmack – Lieblingsgemüse wird meist importiert

L P DRot, gelb, grün – wie eine Ampel hängen die kleinen Cocktailtomaten an den Rispen der imposanten Tomatenpflanzen, die sich an Seilen bis zum Dach des Gewächshauses emporwinden. „Die Tomaten sind veredelt auf Kürbissen, dadurch wachsen sie stärker“, erläutert Daniela Diykstra, Gärtnerin bei der Bioland-Gärtnerei Kiebitz in Sehnde. Sehen, wo das eigene Essen wächst – das möchten an diesem heißen Sommertag rund 50 Kunden der Direktvermarkter.

Und sie erhoffen sich gleichzeitig gute Tipps für die Tomatenernte im heimischen Garten: „Die meisten Hobbygärtner vergessen zu düngen – dann wachsen die Pflanzen natürlich nicht so stark“, erklärt Diykstra. Bevor die Tomaten gepflanzt werden, wertet sie den Boden mit Kompost, Hornspänen, Schafwollepellets und Kali auf. Durch die gleichmäßige Tröpfchenbewässerung werden die Nährstoffe nach und nach freigesetzt. Bei Bedarf wird flüssig nachgedüngt.

Seit 35 Jahren baut die Bioland-Gärtnerei Kiebitz Gemüse und Obst an, mittlerweile auf 50 Hektar Land und 5.000 Quadratmetern Gewächshäusern, in denen derzeit die eine Hälfte mit Tomaten, die andere Hälfte mit Gurken und Auberginen bepflanzt ist. „Die normale runde Standardtomate gibt es bei uns allerdings nicht mehr“, sagt Franz Sautmann, Geschäftsführer der Gärtnerei. Zehn verschiedene Sorten – unter anderem Fleischtomaten mit dem Namen Ochsenherzen, Cherrytomaten in rot und gelb sowie Cocktailtomaten – verkaufen er und sein Team im Bioladen und auf Märkten in Hannover.

„Bei der Sortenwahl bei Tomaten, Gurken und den vielen weiteren Gemüsearten gibt es immer die Abwägung zwischen Geschmack und Ertrag“, sagt Diykstra. Natürlich falle die Entscheidung immer zugunsten des Geschmacks aus – und der geringeren Anfälligkeit gegen Schädlinge. Denn auch wenn in den Gewächshäusern Raubmilben gegen den Befall von Spinnmilben eingesetzt werden, die Pflanzen regelmäßig bewässert werden und „es reicht, wenn die Blätter oben noch grün sind“, bilden robuste Sorten die Basis für den Bioanbau ohne chemische Pflanzenschutz- und Düngemittel.

Sie betont aber auch das gute Miteinander mit den konventionellen Landwirten im Ort. „Im Dürresommer 2022 hat uns unser Nachbar mit seinen Wasserrechten ausgeholfen“, blickt Diykstra zurück. Damals war die Zisterne, die aus den Dachrinnen der Gewächshäuser gespeist wird, leergelaufen.

Im Moment wird jeden zweiten Tag geerntet. „Erst durch die Ernte hat die Pflanze den Anreiz, weitere Früchte zu bilden“, erklärt die Gärtnerin und schiebt mit einem Augenzwinkern hinterher: „Schließlich dreht sich auch bei Pflanzen alles im Leben um die Fortpflanzung.“ Nach der anstrengenden Ernte über den Sommer in den Gewächshäusern geht für die Gärtnerinnen und Gärtner im Herbst die Arbeit auf den Feldern im Freiland los. „Es ist eine große Freude, draußen zu sein“, sagt Diykstra. Und in den Gewächshäusern sprießt dann schon die Petersilie für Weihnachten.

Auf ganz Deutschland bezogen sind Tomaten zwar das beliebteste Gemüse, aber nur etwa zwölf Prozent der Frischware stammen aus heimischem Anbau, zitiert der Landvolk-Pressedienst Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Nimmt man auch verarbeitete Tomatenprodukte hinzu, sinkt der Anteil sogar bis auf knapp vier Prozent.

Ein großer Teil des frischen Gemüses, das in Deutschland gegessen wird, wird daher aus dem Ausland importiert. Die mit Abstand wichtigsten Lieferländer sind Spanien und die Niederlande. Rund 84 Prozent der importierten Gurken kommen aus diesen beiden Ländern. Mengenmäßig sind Tomaten das wichtigste Importgemüse. 2024 wurden rund 736.000 Tonnen nach Deutschland eingeführt – fast die Hälfte davon aus den Niederlanden. (LPD 63/2025)

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