„Jetzt haben wir den Salat“ – Kurswechsel ist nötig

Die Diskussion zeigte schnell, wo die größten Baustellen liegen. Im Fokus standen die steigenden Arbeitskosten durch Mindestlohn und Sozialabgaben, die Herausforderungen bei der Beschäftigung von Saisonarbeitskräften sowie die zunehmenden Einschränkungen im Pflanzenschutz und die dazugehörige Dokumentationsflut. Foto: Landvolk

Hennies beim Deutschen Bauerntag: „Wir brauchen Licht im Auflagendschungel!“

LPD – „Jetzt haben wir den Salat – Wie weiter mit den Sonderkulturen?“ – das Motto von Forum 3 beim Deutschen Bauerntag 2026 in Freiburg war bewusst mit einem Augenzwinkern gewählt. Die Botschaft dahinter ist jedoch ernst: Die Lage vieler Sonderkulturbetriebe spitzt sich zu. Obst-, Gemüse-, Wein- und weitere arbeitsintensive Kulturen sehen sich mit steigenden Kosten, wachsender Regulierung und zunehmenden Produktionsrisiken konfrontiert. Viele Betriebe stehen wirtschaftlich am Abgrund, Flächen werden aufgegeben und der Selbstversorgungsgrad sinkt weiter. Entsprechend deutlich fiel der Appell an die Politik aus, den Dr. Holger Hennies, Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV) und Präsident des Landvolks Niedersachsen, zu Beginn und am Ende der Veranstaltung formulierte.

„Jetzt haben wir den Salat“ beschreibe die Situation vieler Betriebe treffend, machte Hennies in seiner Einführung deutlich. Während die Gesellschaft regionale Lebensmittel, Vielfalt und Versorgungssicherheit einfordere, würden die Rahmenbedingungen für die Erzeuger immer schwieriger. Ziel des Forums sei deshalb gewesen, gemeinsam mit Politik, Wissenschaft und Praxis nach Lösungen zu suchen – sachlich, praxisnah und ohne ideologische Grundsatzdebatten.

Die Diskussion zeigte schnell, wo die größten Baustellen liegen. Im Fokus standen die steigenden Arbeitskosten durch Mindestlohn und Sozialabgaben, die Herausforderungen bei der Beschäftigung von Saisonarbeitskräften sowie die zunehmenden Einschränkungen im Pflanzenschutz und die dazugehörige Dokumentationsflut. Vertreter aus Wissenschaft, Politik und Verbänden warnten vor den Folgen weiterer Wirkstoffverluste für Ertragssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit. Gleichzeitig berichteten Praktiker aus Weinbau, Spargel-, Obst- und Gemüseanbau von den täglichen Herausforderungen auf ihren Betrieben.

Dabei wurden nicht nur Probleme benannt, sondern auch konkrete Lösungsansätze diskutiert. So stellte Professor Christian Picker von der Eberhard Karls Universität Tübingen sein Gutachten zum Mindestlohn vor. Demnach könne und müsse der Mindestlohn für Saisonarbeitskräfte um 20 Prozent abgesenkt werden, um die Versorgung mit heimischem Obst und Gemüse langfristig sicherzustellen. Andernfalls drohten weitere Produktionsverlagerungen ins Ausland und ein weiterer Rückgang der heimischen Erzeugung.

Ein weiterer Schwerpunkt war die Frage, wie Innovationen und neue Sorten dazu beitragen können, den Anbau zukunftsfähig zu gestalten. „Deutlich wurde auch hier: Technischer Fortschritt allein reicht nicht aus, wenn die politischen und regulatorischen Rahmenbedingungen nicht mitziehen“, stellte Hennies fest.

Auch aus der Praxis kamen deutliche Signale. Florian Fuchs vom Fuchshof zeigte auf, dass der Anbau von Sonderkulturen unter den aktuellen Bedingungen kaum noch wirtschaftlich sei. Sein Betrieb profitiere von der Grenznähe zur Schweiz sowie von der dortigen Kaufkraft. Die vielfach als Lösung angeführte Direktvermarktung könne seiner Einschätzung nach jedoch nur für zwei Prozent der deutschen Landwirtschaft eine tragfähige Perspektive sein.

Besonders deutlich wurde Hennies beim Thema Bürokratie und Pflanzenschutz. „Wir brauchen Licht im Auflagendschungel – und dazu müssen unbedingt ein paar Lianen abgeschnitten werden“, sagte er. Gerade bei den Sonderkulturen seien die zahlreichen Vorgaben und Dokumentationspflichten inzwischen zu einem ernsthaften Wettbewerbsnachteil geworden.

Zugleich forderte Hennies eine Überarbeitung der europäischen Pflanzenschutz-Verordnung 1107/2009. Notwendig sei eine faire Risiko-Nutzen-Bewertung bei der Zulassung von Wirkstoffen, die neben Umweltaspekten auch die Versorgungssicherheit und die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Produktion berücksichtige. Nur mit ausreichenden Handlungsmöglichkeiten im Pflanzenschutz könne die Produktion von Obst, Gemüse und Wein in Deutschland langfristig gesichert werden.

In seinem Fazit zog Hennies eine klare Bilanz: „Die Diskussion hat gezeigt: Für die Zukunft der Sonderkulturen ist ein Kurswechsel notwendig. Die Politik muss den Betrieben wieder mehr Vertrauen entgegenbringen und Handlungsspielräume schaffen, statt immer neue Auflagen zu erlassen. Reine Willensbekundungen im Koalitionsvertrag reichen dazu nicht aus – jetzt muss auch danach gehandelt werden, damit aus dem aktuellen „Salat“ keine dauerhafte Krise für die Sonderkulturen wird. Wir als Bauernverband bieten der Politik Lösungen an, beispielsweise mit unserem Rechtsgutachten zum Mindestlohn.“ (LPD 47/2026)

Ansprechpartnerin: Silke Breustedt-Muschalla, Tel.: 0511 3670483, silke.breustedt-muschalla@landvolk.org

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