Doppelte Klimaleistung braucht doppelte Anerkennung

Landwirt Lars Kaper aus Varel, die beiden Landvolk-Rechtsreferenten Harald Wedemeyer und Silke Foget und Moderatorin Wibke Langehenke sprechen in dem neuen Podcast über Freiflächen-Photovoltaikanlage (PV) auf wiedervernässtem Moorboden Foto: Landvolk

Landvolk-Podcast: Größte Solaranlage Niedersachsens im Moor geht ans Netz

L P D – Mit der größten Freiflächen-Photovoltaikanlage (PV) Niedersachsens auf wiedervernässtem Moorboden entsteht derzeit auf 40 Hektar ein Meilenstein der Energiewende – mit doppeltem Klimaeffekt: Einerseits der Stromproduktion aus Sonnenenergie und andererseits der Reduktion der CO₂-Freisetzung trockengelegter Moorflächen. Doch damit sich diese Pionierform der Energieerzeugung im Moor langfristig durchsetzen kann, sind bessere Rahmenbedingungen nötig, fordern Landwirt Lars Kaper aus Varel, die beiden Landvolk-Rechtsreferenten Harald Wedemeyer und Silke Foget und Moderatorin Wibke Langehenke in der neuen Folge des Landvolk-Podcasts „Wie Moore bei der Energiewende helfen“ zur Klimaschutzstrategie des Landvolks Niedersachsen.

„Wenn sich die Nutzung von Photovoltaik im Moor etablieren soll, muss die Wiedervernässung als zusätzliche Leistung anerkannt und dementsprechend höher entlohnt werden“, erläutert Kaper, Initiator des Projekts. Die Flächen werden dem landwirtschaftlichen Sektor entnommen und der Energieproduktion zugeführt. Damit müsse ein CO₂-Zertifikatehandel, der sich aus den eingesparten Emissionen aus dem Moorboden speist, dauerhaft möglich sein. Kaper betont drittens die Notwendigkeit „praktikabler Lösungen in den Verwaltungen, um den Bau solcher besonderen Anlagen zu erleichtern“.

Wedemeyer hebt im Podcast hervor, dass Moor-PV nicht nur ökologisch sinnvoll sei, sondern weitere konkrete Vorteile bringe: „Die wiedervernässten Flächen trocknen durch die Beschattung der Module weniger aus – besonders im Sommer. So wird weniger Wasser für die Renaturierung benötigt.“ Wedemeyer sieht in dieser Kombination eine „Win-win-Situation“ für Klima und Natur. Während sich Wiedervernässung und Lebensmittelproduktion nahezu ausschließen, unterstütze die Energieproduktion durch Photovoltaik die Renaturierung. Die Auswirkungen auf Flora und Fauna werden wissenschaftlich durch ein Monitoring begleitet. „Ökologisch werden sich Verbesserungen einstellen“, meint Kaper. Er hat weite Teile der Modulreihen extra in Südrichtung aufgestellt, damit sich durch den Sonnenschein zwischen den Modulen Pflanzen entwickeln können. „Die Akzeptanz der Bevölkerung solcher großen Anlagen wird dadurch steigen“, stimmt Foget ihm zu.

Obwohl Moor-PV-Anlagen im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) als besonders förderfähig gelten, fehlt bislang die Genehmigung der EU für die erhöhte Vergütung im vor einem Jahr beschlossenen Solarpaket. „Rechtliche Klarheit ist zwingend erforderlich“, sagt Kaper. Wer heute plane, könne dennoch starten – denn allein die Planungsphase dauere drei bis vier Jahre. Die wirtschaftlichen Hürden bleiben hoch. „Moor-PV ist auf jeden Fall teurer, als eine normale PV-Anlage, weil die Erschließung mit festen Wegen und die Verankerung der Module und Trafostationen aufwändiger ist als auf mineralischem Boden“, erklärt Kaper. Die Mächtigkeit des Moores liegt auf seinen Flächen zwischen 30 Zentimetern und zwei Metern. „Das ist unser Glück. Die Pfosten reichen bis in den mineralischen Unterboden, somit lassen sich die Tische zur Montage der Module gut befestigen“, sagt der 51-Jährige.

Wedemeyer ergänzt: „Es ist nicht mit Parkplatz-PV oder Agri-PV vergleichbar.“ Trotzdem müssen sich Moor-PV-Betreiber auf die gleichen Ausschreibungen zur Stromvergütung bei der BundesNetzAgentur bewerben wie günstigere Anlagen – ein Ungleichgewicht, das viele Projekte gefährdet. „Das ist ein Dilemma“, sagt Wedemeyer. Denn Moor-PV sei eine besondere wirtschaftliche Herausforderung, die auch mit negativen Strompreisen zur Mittagszeit, wenn viel Solarstrom eingespeist werde, zu kämpfen habe. „In Zukunft werden mehr Speicher gebaut, die diese Spitzen des Stromangebots zur Mittagszeit etwas glätten werden“, erwartet Wedemeyer. In welchem Maße dies geschehe, sei jedoch noch offen.

„Wertschöpfung durch Photovoltaik ist eine gute Alternative zur intensiven Landwirtschaft im Moor“, meint Foget trotzdem. Die neue Anlage bei Varel könnte somit zum Vorbild werden – für eine zukunftsfähige, doppelt wirksame Energienutzung. Der Podcast ist bei Spotify zu hören: https://open.spotify.com/episode/4AcHwg8RAdgQnaaGKdCmj8

(LPD 39/2025)

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