Öffnet in einem neuen Tab

Neuausrichtung der Wiederherstellungspolitik nötig

Dr. Holger Hennies
„Naturschutz kann nur gemeinsam mit den Menschen vor Ort gelingen“, so Landvolkpräsident Hennies Foto: Landvolk

Landvolk Niedersachsen legt 10-Punkte-Plan vor

L P D – Das Landvolk Niedersachsen fordert eine grundlegende Überarbeitung der EU-Wiederherstellungsverordnung sowie einen neuen Kurs bei der Erstellung und Umsetzung des Nationalen Wiederherstellungsplans. Aus Sicht des Landesbauernverbandes sind realistischere Ziele, eine verlässliche Finanzierung sowie eine konsequente Ausrichtung auf Freiwilligkeit und Kooperation erforderlich, um Biodiversität in der Agrarkulturlandschaft wirksam zu schützen.

„Naturschutz kann nur gemeinsam mit den Menschen vor Ort gelingen. Statt zusätzlicher Auflagen und Verbote brauchen wir freiwillige Maßnahmen, echte Beteiligung der Betroffenen und eine angemessene Honorierung der Leistungen der Land- und Forstwirtschaft“, fordert Landvolkpräsident Holger Hennies. Er sieht erhebliche Risiken in der derzeitigen Ausgestaltung der Verordnung. Dazu zählen Einschränkungen bei der Flächennutzung, zusätzliche Bürokratie, unklare Vorgaben und hohe finanzielle Belastungen für die Betriebe. Zudem fehle es an belastbaren Datengrundlagen zur Bewertung der vorgesehenen Indikatoren sowie an einer ausreichenden Einbindung der betroffenen Landnutzer.

In einem 10-Punkte-Plan hat das Landvolk Niedersachsen daher seine zentralen Forderungen für die Umsetzung der EU-Wiederherstellungsverordnung formuliert. Dazu gehören die ausschließliche Umsetzung auf Basis von Freiwilligkeit, eine echte Beteiligung von Eigentümern und Bewirtschaftern, seriöse Kostenabschätzungen und Finanzierungskonzepte sowie der Ausbau attraktiver Vertragsnaturschutzangebote. Darüber hinaus spricht sich der Verband für produktionsintegrierten Naturschutz statt Flächenstilllegungen aus. Naturschutz und Ernährungssicherung müssten auf denselben Flächen realisiert werden, um weitere Flächenverluste für die Landwirtschaft zu vermeiden. Auch beim Wiesenbrüterschutz sieht das Landvolk Nachbesserungsbedarf und fordert praxisnahe Fördermöglichkeiten.

Kritisch bewertet das Landvolk insbesondere den Grundgedanken einer Wiederherstellung historischer Zustände der Kulturlandschaft. Die niedersächsische Wald- und Offenlandschaft sei seit Jahrtausenden durch menschliche Nutzung geprägt und verändert worden. Gleichzeitig führe der Klimawandel zu tiefgreifenden Veränderungen der Ökosysteme. Vor diesem Hintergrund sei eine Orientierung an historischen Zuständen aus Sicht der Landwirtschaft wenig zielführend.

Statt eines gesetzlich verordneten Rückbaus der Landwirtschaft fordert das Landvolk einen flächeneffizienten Schutz der Biodiversität, der die Klimaresilienz stärkt und die Bereitstellung von Ökosystemdienstleistungen honoriert. Gleichzeitig müsse der Verlust von Offenlandflächen gestoppt werden. Nach Angaben des Landesamtes für Statistik Niedersachsen gehen in Niedersachsen täglich rund 4,9 Hektar landwirtschaftlicher Fläche durch neue Siedlungs-, Verkehrs- oder Infrastrukturprojekte verloren.

Bei der Wiedervernässung von Moorstandorten verlangt der Verband die konsequente Einhaltung des Freiwilligkeitsprinzips. Maßnahmen dürften nur umgesetzt werden, wenn für die betroffenen Flächen weiterhin eine Aussicht auf eine sich finanziell lohnende Bewirtschaftung bestehe. Zugleich müsse die kulturhistorische Leistung der Moorkultivierung anerkannt werden. Weitere Forderungen betreffen den Verzicht auf staatliche Flächenankäufe für Zwecke der Naturwiederherstellung, den Abbau bestehender Bürokratie sowie eine stärkere Berücksichtigung des Klimawandels im Naturschutz. Das Landvolk fordert Niedersachsen und den Bund auf, sich für einen zukunftsorientierten Naturschutz einzusetzen, der Klimaresilienz und Prozessschutz in den Mittelpunkt stellt.

„Die Ziele der Naturwiederherstellung können nur dann erfolgreich erreicht werden, wenn Landwirtschaft, Naturschutz und Politik gemeinsam tragfähige Lösungen entwickeln. Der Niedersächsische Weg hat gezeigt, dass kooperative Ansätze funktionieren. Dieser Weg muss konsequent fortgesetzt werden“, betont Hennies abschließend. (LPD 46/2026)

>> 10-Punkt-Plan (pdf)

Ansprechpartnerin: Wiebke Molsen, Tel.: 0511 3670476, wiebke.molsen@landvolk.org

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