Gemüsebauern stehen vor einem Entscheidungsjahr

„Das Jahr 2026 wird für viele Gemüsebauern zum Jahr der Entscheidung, ob sie zu den Bedingungen hierzulande noch Gemüse anbauen und davon leben können“, prophezeite Thomas Albers Foto: Landvolk

Norddeutscher Gemüsebautag diskutiert KI, Marktkrise und Wertschätzung

L P D – Den Anbau von Knollensellerie, Kräutern und Karotten haben die Gemüseanbauer perfektioniert, beim Einsatz von KI, Social Media und Achtsamkeit gibt es hingegen noch Entwicklungspotenzial. Diese Themen standen daher auf der Tagesordnung des Norddeutschen Gemüsebautags in Visselhövede. „Wir haben ein Jahr mit einem fulminanten Start und einer dann doch enttäuschenden Sommersaison hinter uns“, berichtete Thomas Albers, Vorsitzender der Fachgruppe Gemüsebau Norddeutschland, in seinem Rückblick. Durch den frühen Vegetationsbeginn kollidierten die ersten Erntemengen mit südländischen Importen, und trotz erhöhter Qualitätsanforderungen an heimisches Gemüse ging das Preisniveau in den Keller. „Dann werden die Verbraucher doch schwach und kaufen das günstigere Importgemüse“, sagte Ahlers.

Doch damit der heimische Gemüseanbau weiter eine Zukunft habe, müsse der Verbraucher auch zu ihm stehen. „Das Jahr 2026 wird für viele Gemüsebauern zum Jahr der Entscheidung, ob sie zu den Bedingungen hierzulande noch Gemüse anbauen und davon leben können“, prophezeite er. Denn nicht nur Bürokratie, „wahnwitzige Reklamationen“ und schwierige politische Rahmenbedingungen – wie die Steigerung des Mindestlohns in zehn Jahren um 65 Prozent – machten ihnen zu schaffen. „Leider reisen invasive Nützlinge langsamer ein als invasive Schädlinge und importieren dürfen wir sie nicht“, wies er auf die fehlenden Pflanzenschutzmittel, zum Beispiel zur Bekämpfung der Blattläuse im Salatanbau, der weißen Fliege im Kohlanbau und der Schilfglasflügelzikade hin. Daher betonte Albers die Bedeutung einer starken Interessenvertretung für den Gemüsebau. Ziel bleibe es, Verbraucher weiterhin mit hochwertigem, nach deutschen Standards angebauten Gemüse zu versorgen.

Inhaltlich bot der Gemüsebautag ein breit gefächertes Fachprogramm. Annette Weißenborn, Justiziarin des Zentralverbands Gartenbau (ZVG) informierte über aktuelle Entwicklungen im Steuer- und Arbeitsrecht, darunter Mindestlohn, Tarifverhandlungen und Umsatzpauschalierung. Dr. Tim-C. Bartsch, Leiter Kompetenzentwicklung bei EWE NETZ, setzte mit einem interaktiven Vortrag zu Achtsamkeit und mentalem Fokus neue Impulse für Führung und Leistungspotenziale. Er verglich den starken Druck, unter dem die Gemüsebauern oft stehen, mit dem von Sportlern, die vor gefüllten Tribünen bei Meisterschaften Höchstleistungen erbringen.

Einen Blick in die digitale Zukunft des Gemüsebaus warf Astrid Brüggemann M.A., die praxisnah aufzeigte, wie Künstliche Intelligenz bereits heute den betrieblichen Alltag unterstützen kann. Anhand der Betriebsdaten ließen sich viele Abläufe optimieren. „Wenn Sie die Daten haben, sind Sie auf der Gewinnerseite“, betonte sie. Die KI generiere daraus Ideen am laufenden Band. „Ich bin immer wieder erstaunt, wie scharfsinnig KI ist“, sagte Brüggemann. Nichtsdestotrotz stehe der Mensch vor dem Bildschirm mit seinem Wissen und seinem Wertegerüst in der Verantwortung für die Ergebnisse.

Ergänzt wurde das Programm durch Marie Hoffmann, Agrar-Influencerin, die für eine verständliche und positive Kommunikation landwirtschaftlicher Themen in der Öffentlichkeit warb. „Das ist wichtig, für die Wertschätzung Ihrer Arbeit“, betonte sie. Social Media habe großes Potenzial mit relativ wenig Aufwand viele Menschen zu erreichen und aus der eigenen Filterblase auszubrechen. Aber auch die klassischen Medien zu nutzen, in Schulen zu gehen oder am Tag des offenen Hofes teilzunehmen, brächten wertvolle Erfahrungen zu den Menschen, die hängenblieben. (LPD 09/2026)

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