Starke GAP muss Fundament für Landwirtschaft sein

„Die GAP ist kein Selbstzweck. Sie ist das Rückgrat unserer Landwirtschaft und der ländlichen Räume. Wenn Europa es ernst meint mit Ernährungssicherheit, Nachhaltigkeit und regionaler Wertschöpfung, dann braucht es eine starke, eigenständige und verlässlich finanzierte GAP“, so Dr. Holger Hennies Foto: Landvolk

Landvolk warnt vor Fehlkurs in Brüssel / Hohe Standards müssen finanziert werden

L P DZum Jahresbeginn richtet sich der Blick der Landwirtschaft nach vorn – und mit Sorge nach Brüssel. Aus Sicht des Landvolks entscheidet sich in den kommenden Monaten, ob die deutsche und europäische Landwirtschaft auch nach 2027 eine tragfähige Zukunft hat. Europa steht unter Druck: geopolitische Krisen, steigende Kosten, Klimawandel und der Verlust landwirtschaftlicher Flächen treffen auf die Verantwortung, einen substantiellen Beitrag zur weltweiten Ernährungssicherung zu leisten. Für das Landvolk ist klar: Ohne eine zukunftsfähige und finanziell gut ausgestattete Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) ist diese Aufgabe nicht zu stemmen.

Doch genau daran lässt der im Sommer 2025 vorgelegte Vorschlag der EU-Kommission für den Mehrjährigen Finanzrahmen (MFR) 2028 bis 2034 Zweifel aufkommen. Geplante Kürzungen, die faktische Abkehr von der bewährten Zwei-Säulen-Struktur und die Einbindung der GAP in nationale und regionale Partnerschaftsfonds gefährden aus Sicht des Berufsstandes die europäische Ausrichtung der Agrarpolitik. „Was die Kommission vorlegt, passt nicht zu ihren eigenen Ankündigungen von Wettbewerbsfähigkeit, fairen Einkommen und Bürokratieabbau“, kritisiert Landvolkpräsident Holger Hennies. „Statt Planungssicherheit drohen neue Unsicherheiten, mehr Bürokratie und ein Flickenteppich nationaler Regelungen.“

Besonders alarmierend ist für das Landvolk die finanzielle Dimension. Die vorgesehenen rund 294 Milliarden Euro für die GAP ab 2028 bedeuten real eine deutliche Kürzung. Angesichts von Inflation, steigenden Anforderungen und globalen Herausforderungen sei das ein falsches Signal. Der Deutsche Bauernverband (DBV) fordert deshalb ein GAP-Budget von mindestens 500 Milliarden Euro für die erste und zweite Säule. „Versorgungssicherheit, Klimaschutz und wirtschaftliche Stabilität gibt es nicht zum Nulltarif“, sagt Hennies. „Wenn Europa hohe Standards will, muss es auch bereit sein, diese fair zu finanzieren.“

Ein Kernpunkt der Kritik ist die drohende Auflösung der Zwei-Säulen-Struktur. Während die erste Säule die Einkommen absichert, ist die zweite Säule unverzichtbar für Investitionen, Innovationen, Umweltmaßnahmen und die Entwicklung ländlicher Räume. Ein pauschales Mindestziel für ländliche Räume könne das nicht ersetzen. „Gerade in Deutschland sehen wir, wie wichtig gezielte Programme für Investitionen, Risikomanagement und den Generationenwechsel sind“, betont Hennies. „Ohne eine eigenständige zweite Säule verlieren viele Betriebe ihre Perspektive.“

Für das Landvolk muss die GAP ab 2028 vor allem eines leisten: einen Beitrag zum Abbau der Überregulierung. Jede Maßnahme müsse sich zudem daran messen lassen, ob sie für die Betriebe wirtschaftlich tragfähig ist. „Freiwillige Umwelt- und Klimaleistungen funktionieren nur, wenn sie attraktiv, praktikabel und einkommenswirksam sind“, sagt Hennies. Auch bei der Definition des „aktiven Landwirts“ fordert das Landvolk Augenmaß: entscheidend müsse die tatsächliche Bewirtschaftung sein – ohne neue Hürden, Altersgrenzen oder komplizierte Prüfverfahren.

Nach dem ernüchternden Non-Paper der EU-Kommission vom November 2025 sieht das Landvolk nun das EU-Parlament und den Rat in der Pflicht. Es gehe darum, grundlegende Korrekturen vorzunehmen und einen Strukturbruch in der europäischen Landwirtschaft zu verhindern. „Die GAP ist kein Selbstzweck“, fasst Hennies zusammen. „Sie ist das Rückgrat unserer Landwirtschaft und der ländlichen Räume. Wenn Europa es ernst meint mit Ernährungssicherheit, Nachhaltigkeit und regionaler Wertschöpfung, dann braucht es eine starke, eigenständige und verlässlich finanzierte GAP.“

Zum Jahresanfang ist die Botschaft des Landvolks eindeutig: Die Zukunftsfähigkeit der deutschen Landwirtschaft entscheidet sich jetzt – und sie entscheidet sich an der Stärke der Gemeinsamen Agrarpolitik. Der vollständige 10-Punkte-Katalog des DBV, an dem auch das Landvolk mitgearbeitet hat, wurde am 3. Dezember bei der Agrarministerkonferenz der deutschen Landesagrarminister in Brüssel überreicht. Für das Landvolk Niedersachsen war Dr. Karsten Padeken als Teil der niedersächsischen Delegation im DBV Fachausschuss Agrarpolitik mit dabei. (LPD 01/2026)

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