Wenn aus Nüssen Pilze werden

Hendrik Hoffmann aus Schönhagen hat sich dem Haselnussanbau verschrieben – und verwandelt deren Schalen nun in ein neues Lebensmittel: Austernpilze Foto: Landvolk

Haselnuss-Bauer Hoffmann zeigt Innovationsgeist und sucht Mitstreiter

L P D – Ungewöhnliche Ideen und eine besondere Sicht auf die Dinge bzw. den Rohstoff verbunden mit größtmöglicher Wertschöpfung: Das zeichnet Niedersachsens experimentierfreudige Landwirtinnen und Landwirte aus. Hendrik Hoffmann aus Schönhagen hat sich dem Haselnussanbau verschrieben – und verwandelt deren Schalen nun in ein neues Lebensmittel: Austernpilze. Seit 2019 bewirtschaftet Hoffmann eine Haselnussplantage mit rund 1.300 Bäumen auf vier Hektar Fläche. Die Bedingungen in Südniedersachsen sind nicht immer einfach: „Dieses Jahr sieht gut aus – keine Frostschäden, starker Pollenflug – aber nun brauchen die Bäume dringend Wasser“, berichtet Hoffmann gegenüber dem Landvolk-Pressedienst.

Die letztjährige Ernte hingegen konnte der 28-Jährige abschreiben: „Feuchte Pollen und Spätfrost haben nur 40 Kilogramm Haselnüsse hervorgebracht. Das hat nicht einmal für den Verkauf am Markt gereicht, sondern nur für die Verarbeitung in der Haselnuss-Mettwurst“, berichtet Hoffmann, der auch Haselnusssträucher für den Eigenbedarf und für den Verkauf vermehrt. Das Jahr zuvor hatte Hoffmann noch über 100 Kilogramm Nüsse geerntet, die er direkt in der Region als auch über das Internet vermarktete. Doch statt den Rückschlag zu beklagen, begann er, über neue Wege der Verwertung nachzudenken.

Sein Ziel: maximale Wertschöpfung, auch in schwachen Jahren. „Die ganze Nuss nutzen, inklusive Schale – das ist meine Devise“, sagt der Projektmanager für Ökomodellregionen im Landkreis Holzminden. Die Schalen, bisher eher ein Abfall- und Nebenprodukt, wurden zur Schlüsselressource. „Als natürlicher Mulch helfen die Schalen in erster Linie, Feuchtigkeit im Boden zu bewahren, Unkraut zu unterdrücken und Schädlinge abzuwehren. Auch kann man sie aufgrund ihrer hohen Holzdichte als Brenngut nutzen“, beschreibt er die Einsatzmöglichkeiten.

Ein Fernsehbeitrag über Austernpilzzucht auf Sägespänen inspirierte ihn dann zum nächsten Schritt. Kurzerhand bestellte er Austernpilz-Myzel und testete es auf seinen Haselnussschalen. Das Ergebnis überraschte den Uni-Absolventen des Ökolandbaus selbst: Nach wenigen Tagen wuchs das erste Pilzgeflecht, täglich verdoppelten die Pilze ihr Volumen und nach fünf Wochen konnten die ersten Austernpilze geerntet werden. „Aus Holzmaterial nochmal Lebensmittel zu machen – besser geht’s nicht!“, zeigt sich Hoffmann begeistert. Etwa 250 Gramm Pilze pro Kilo Substrat seien möglich. Die Austernpilze wachsen unabhängig von Jahreszeit und Wetter. „Sie brauchen nur Feuchtigkeit, Temperatur und Zellulose – Eigenschaften, die Haselnussschalen mitbringen.“ Neben ihrem feinen Geschmack sind Austernpilze für ihre gesundheitlichen Vorteile bekannt, etwa als cholesterinsenkende, eiweißreiche Alternative zu Fleisch.

Doch so viel Pioniergeist hat auch seine Grenzen. Die Zeit fehlt: Neben dem Job und der Haselnussproduktion bleibt kein Spielraum für die Pilzzucht. „Erst muss meine neue Verarbeitungs-Halle fertig werden“, erklärt Hoffmann. Auf 120 Quadratmetern will er künftig Nüsse trocknen, sortieren, knacken und eventuell auch rösten – nicht nur seine eigenen, sondern auch Nüsse anderer Betriebe. Sein Ansatz: Die Wertschöpfung soll vor Ort bleiben, Transportwege und CO₂-Emissionen so reduziert werden.

Langfristig hofft Hendrik Hoffmann auf Mitstreiter für seine Idee. „Ich bin überzeugt, dass die Pilzzucht auf Haselnussschalen Potenzial hat – sowohl ökonomisch als auch ökologisch.“ Wer Interesse hat, kann sich unter www.sollingnuss.de informieren. (LPD 40/2025)

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