Landvolk und Landwirtschaftsministerium diskutieren im Podcast über Herdenschutz, Abschüsse und Bestandsmanagement
L P D – Zwischen wachsendem Wolfsbestand und langwierigen politischen Prozessen wird der Ruf der Weidetierhalter nach schnellen Lösungen immer lauter: In einer Sonderfolge des Landvolk-Podcasts diskutierten Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte und Jörn Ehlers als Sprecher des Aktionsbündnisses aktives Wolfsmanagement über die größten Baustellen im Wolfsmanagement. Im Mittelpunkt der Diskussion stehen die Herausforderungen beim Herdenschutz, die Entnahme von Problemwölfen sowie die Frage nach einem bestandsregulierenden Wolfsmanagement in Niedersachsen.
Einigkeit bestand darin, dass Niedersachsen beim Wolfsmanagement in einigen Bereichen bereits gut aufgestellt sei. Sowohl die Rissaufnahme durch die Landwirtschaftskammer als auch das Monitoring der Wolfspopulation durch die Jägerschaft gelten bundesweit als beispielhaft. „Viele Dinge in Niedersachsen funktionieren wirklich gut“, betonte Ehlers. Gleichzeitig machte er deutlich, dass es insbesondere bei der Entnahme von Problemwölfen weiterhin erheblichen Nachholbedarf gebe: „Wir müssen jetzt endlich zu Regelungen kommen, die auch tatsächlich funktionieren.“
Ebenfalls kritisch bewertete Ehlers die bislang fehlende Umsetzung zugesagter Fördererleichterungen für kleinere und mittlere Weidetierhaltungen. Fördermittel müssten einfacher und schneller bei den Betrieben ankommen. Gerade Herdengrößen bis 50 Tiere bräuchten unkompliziertere Förderverfahren. „Die Ungeduld der Tierhalter ist wirklich groß“, sagte Ehlers mit Blick auf die stockenden Verfahren. Auch Ministerin Staudte sprach sich dafür aus, dass vorhandene Mittel vollständig für den Herdenschutz genutzt werden. Gleichzeitig verwies sie auf bestehende bürokratische Hürden: „Es kann durchaus sein, dass diese Prozedere mit Richtlinien und Veröffentlichungen teilweise einfach noch zu lange dauern.“
Ein weiterer Streitpunkt bleibt die Frage einheitlicher Vorgaben beim Herdenschutz – insbesondere bei den Zaunhöhen. Beide Gesprächspartner forderten klare und möglichst bundesweit einheitliche Regelungen. „Es wäre schon gut, wenn das bundesweit einheitlich geregelt wäre“, sagte Staudte mit Blick auf unterschiedliche Gerichtsentscheidungen und Vorgaben der Bundesländer.
Deutlich wurden die unterschiedlichen Standpunkte vor allem beim Thema Bestandsmanagement. Während Staudte den Schwerpunkt klar auf die Entnahme schadstiftender Wölfe und Rudel legen möchte, fordert Ehlers eine weitergehende Regulierung des Wolfsbestandes. „Wir brauchen eine Stückzahl“, erklärte Ehlers mit Blick auf die inzwischen hohe Wolfsdichte in Niedersachsen. Staudte warnte dagegen vor vorschnellen Forderungen nach einer anlasslosen Bestandsreduzierung. Zunächst müsse sich zeigen, inwieweit die nun in Niedersachsen vorgesehene Kombination aus Riss- und Bestandsmanagement die Bestände bereits reduziere. „Es geht uns darum, dass wir keine Wölfe haben wollen, die sich auf Nutztiere spezialisiert haben“, betonte die Ministerin. Im Blick behalten müsse man, dass der gute Erhaltungszustand nicht gefährdet werde, da dieser die Grundlage für die neuen Entnahmeoptionen sei. Ehlers machte zugleich deutlich, dass aus Sicht der Weidetierhalter die Geduld sinkt: „Der Herdenschutz ist nur wolfabweisend, aber nicht wolfsicher, wenn er nicht mit konsequenten Entnahmen kombiniert wird.“
Kontroverse Positionen, klare Forderungen und eine offene Diskussion zum Wolfsmanagement in Niedersachsen – alle Hintergründe, Argumente und Debatten gibt es in der neuesten Folge des Landvolk-Podcasts.
Ansprechpartnerin: Alisha Trilling, Tel.: 0511 3670431, alisha.trilling@landvolk.org






