Hennies: EU legt die Axt an den Niedersächsischen Weg

Dr. Holger Hennies
Hennies fordert einen Sicherheitsschirm für die auf Gas angewiesenen, Lebensmittel verarbeitenden Betriebe. Foto: Landvolk
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Stilllegungen von Flächen oder pauschale Verbote von Pflanzenschutzmitteln sind keine Lösungen

L P D – Mit harscher Kritik reagiert das Landvolk Niedersachsen auf das jetzt von EU-Kommissar Frans Timmermans präsentierte Gesetzespaket zur Ausweisung zusätzlicher Naturschutzgebiete und Aufgabe produktiver Nutzungen und zur Reduktion des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln. Zum einen stehen diese Pläne aus Sicht des Landvolkpräsidenten Dr. Holger Hennies im Widerspruch zu den aktuellen Herausforderungen bei der Ernährungssicherheit. Für besonders dramatisch hält er das Paket zum anderen, weil „es die Axt an den mühsam ausgehandelten Niedersächsischen Weg legt“.

Hennies fordert die Politik und Naturschutzverbände in Niedersachsen auf, hierzu umgehend entsprechend Stellung zu beziehen. „Wenn die Vorschläge von Herrn Timmermans so beschlossen werden, können wir alle kooperativen und gebietsspezifischen Differenzierungen, die den Niedersächsischen Weg auszeichnen, beerdigen“, lautet Hennies Einschätzung.

In der öffentlichen Wahrnehmung würden die Leistungen der Landwirte bei der Reduzierung von Pflanzenschutz- und Düngemitteln und im kooperativen Naturschutz noch nicht ausreichend gewürdigt, so Hennies. „Bäuerinnen und Bauern tun schon jetzt sehr viel für den Artenschutz und die Biodiversität. Versorgungskrise, Inflation und der Krieg auch um das Getreide in der Ukraine zeigen aber ganz deutlich, dass eine Politik der massiven Reduzierung der europäischen Lebensmittelerzeugung unverantwortlich ist. Die geplanten Zwangsmaßnahmen wie Pflanzenschutzverbote oder Nutzungsverbote berauben uns zudem jeglicher Möglichkeit zum Gestalten von angemessen honorierten kooperativen, regionalen Naturschutzmaßnahmen.“

Die EU muss ihren „Green Deal“ nachjustieren, fordert der Landvolkpräsident, so dass die heutige Lebensmittelerzeugung auch im Zuge des Klimawandels aufrechterhalten werden kann. Dazu müssen die ökologischen Leistungen je Flächeneinheit intensiviert statt extensiviert werden. In Niedersachsen liegen rund 30 Prozent der Äcker in Landschaftsschutzgebieten; diese könnten nach den jetzigen EU-Plänen nicht mehr konventionell bewirtschaftet werden. In einigen Landkreisen dürften danach auf mehr als der Hälfte der Ackerflächen überhaupt keine Pflanzenschutzmittel mehr eingesetzt werden.

„Timmermans hält einen staatlichen Ausgleich für Ertragseinbußen unserer Höfe nur für wenige Jahre notwendig, danach soll alles der freie Markt regeln, damit die notwendigen höhere Preise für Produkte erzielt werden, die ohne Pflanzenschutzmittel erzeugt wurden. Das ist eine verantwortungslose Politik auf dem Rücken von betroffenen Bauern und vielen Verbrauchern auch in Europa. Die Preise für Lebensmittel werden noch mehr steigen, weil in der EU dann bis zu 60 Mio. t Getreide weniger erzeugt werden können. Das entspricht der bisherigen Exportmenge der Ukraine. Jeder kann sich ausmalen, was das für die vielen Länder der Welt, die auf Importe angewiesen sind, für katastrophale Auswirkungen haben wird“, kritisiert Hennies.

Das Landvolk erwartet in den anstehenden Verhandlungen von der Politik, dass am Ende in Brüssel die Vernunft die Oberhand behält und die Vorschläge so angepasst werden, dass der kooperative Niedersächsische Weg Bestand haben kann und die Ernährungssicherheit gewährleistet ist. (LPD 47/2022)

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