Dilemma der Geflügelhalter: Ohne Baugenehmigung kein Tierwohl

Klomburg hält rund 20.000 Puten, dazu mästet er Schweine, betreibt Ackerbau und ist an einer Biogasanlage beteiligt. Wir wollen unsere Tierhaltung weiterentwickeln, aber ohne Planungssicherheit und Genehmigungen kommen wir nicht voran.“ Foto: Landvolk

Neue Podcast-Folge stellt Herausforderungen in der Geflügelhaltung heraus

L P D – Die Geflügelhalter in Niedersachsen stehen vor einem Dilemma: Sie wollen mehr Tierwohl umsetzen – stoßen aber an Grenzen, wenn Genehmigungen fehlen oder politische Rahmenbedingungen unklar bleiben. Das zeigt nicht nur die Umfrage des Projekts „tierischGUT aus Niedersachsen“, sondern auch das Gespräch mit Natascha Henze, Referentin für Vieh und Fleisch beim Landvolk Niedersachsen, und Putenhalter Christoph Klomburg aus Syke. Klomburg hält rund 20.000 Puten, dazu mästet er Schweine, betreibt Ackerbau und ist an einer Biogasanlage beteiligt. Der 42-Jährige ist Vorsitzender des Kreislandvolkverbandes Mittelweser sowie des DBV-Geflügelausschusses und kennt daher die Herausforderungen der Branche genau: „Wir wollen unsere Tierhaltung weiterentwickeln, aber ohne Planungssicherheit und Genehmigungen kommen wir nicht voran.“

Laut Auswertung der Umfrage zählen für die Geflügelhalter vor allem Bürokratie und Dokumentationspflichten, die fehlende Planungssicherheit und die Konkurrenz durch Importe zu den größten Problemen. Fast die Hälfte der befragten Geflügelhalter sieht in den günstigen Importen, die unter niedrigeren Standards produziert werden, eine Gefahr für die heimische Tierhaltung. Auch Fachkräftemangel und steigende Lohnkosten erschweren den Alltag. Trotzdem bleibt der Wille zu investieren groß: Über zwei Drittel der Geflügelhalter planen in den nächsten fünf Jahren größere Investitionen – vor allem in Stallumbauten, Tierwohlmaßnahmen und Digitalisierung. „Ich bin grundsätzlich positiv gestimmt“, sagt Klomburg. „Aber jeder Stallbau muss über viele Jahre abgeschrieben werden. Dafür brauchen wir Verlässlichkeit.“

Klomburgs Betrieb ist ITW-zertifiziert (Haltungsform 2). Der Schritt in die nächste Stufe sei für viele unmöglich: Genehmigungen für Außenklimaställe oder Ställe mit Auslauf sind häufig schwierig oder gar nicht zu erhalten. Über 80 Prozent der befragten Geflügelhalter wollen daher derzeit keine höhere Haltungsstufe umsetzen, obwohl der Lebensmitteleinzelhandel genau das fordert. „Der Handel kann sich vieles wünschen, aber am Ende entscheidet der Verbraucher mit dem Portemonnaie“, betont Klomburg.

Für den Diepholzer Landwirt gehört Tierhaltung untrennbar zum Betrieb: „Wir wirtschaften im roten Gebiet. Dort können wir nur Futtergetreide anbauen, das wir an unsere eigenen Tiere verfüttern. Das ist sinnvoll und schließt den Kreislauf.“ Sein Hof arbeitet bereits mittels Photovoltaikanlagen stromautark, künftig soll auch die benötigte Wärme nachhaltig selbst erzeugt und genutzt werden.

Trotz politischer Unsicherheit blicken die Geflügelhalter laut Umfrage im Vergleich zu anderen Tierhaltern am positivsten in die Zukunft. Rund 28 Prozent wollen ihre Tierhaltung perspektivisch sogar ausbauen. Klomburg teilt diesen Optimismus: „Geflügelfleisch hat in Deutschland einen guten Ruf. Wichtig ist, dass wir Tiere hier unter unseren hohen Standards halten können.“ An die Politik richtet er eine klare Forderung: „Wir brauchen Verlässlichkeit und einen Fahrplan für die nächsten zehn besser noch 20 Jahre. Dann investieren wir auch wieder mit Überzeugung.“

Die ganze Folge ist ab sofort auf Spotify verfügbar. (LPD 83/2025)

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