EU-Tierhaltungsstrategie: Gute Signale, aber Umsetzung muss folgen
L P D – Mit der EU-Tierhaltungsstrategie kündigt die Europäische Union den Übergang zu einer widerstandsfähigen, wettbewerbsfähigen und nachhaltigen Tierhaltung an. Damit erkennt die EU-Kommission die Bedeutung der Tierhaltung für Wertschöpfung und Entwicklung im ländlichen Raum sowie für Ernährungssicherheit und Biodiversität ausdrücklich an. Zugleich soll durch verlässliche und langfristige Rahmenbedingungen mehr Planungssicherheit geschaffen werden. Die erhebliche Finanzierungslücke bei Investitionen in Tierwohl, Umwelt- und Klimaschutz will die EU-Kommission mit geeigneten Finanzierungsinstrumenten schließen.
Das Landvolk Niedersachsen begrüßt den in der Strategie vorgesehenen europaweiten Ausstieg aus der Käfighaltung bei Legehennen sowie das Verbot des Tötens männlicher Eintagsküken. Damit hebt die EU das Tierschutzniveau auf die bereits in Deutschland geltenden Vorgaben an. Gleichzeitig soll die Einführung gleichwertige Standards für Importe tierischer Produkte aus Drittländern geprüft werden. „Das ist ein wichtiger Schritt, denn wer höhere Standards in der EU fordert, muss sicherstellen, dass importierte Erzeugnisse denselben Anforderungen unterliegen“, unterstreicht Christoph Klomburg, Vorsitzender des DBV-Fachausschusses Eier und Geflügel. „Erst durch die Tierhaltung entstehen geschlossene Kreisläufe. Sie erhöhen die Wertschöpfung auf den Höfen und verbessern den CO₂-Fußabdruck“, unterstützt Klomburg das Bekenntnis der EU zur Tierhaltung als Schlüsselbranche.
Mit Sorge blicken insbesondere die Sauenhalter auf den in Deutschland bereits beschlossenen, weitestgehenden Ausstieg aus dem Kastenstand in der Schweinehaltung. „Die bereits beschlossenen Änderungen der deutschen Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung müssen bei den europäischen Vorgaben berücksichtigt werden“, gibt Enno Garbade, Vorsitzender des Arbeitskreises Sauenhaltung im Landvolk Niedersachsen, zu bedenken. Ausreichend lange Übergangsfristen und eine verlässliche Finanzierung der entstehenden Mehrkosten seien unverzichtbar. „In Anbetracht der weitergehenden Gesetzgebungen in Deutschland fordern wir ein innehalten des Gesetzgebers und eine zukünftige Eins-zu-eins-Umsetzung des europäischen Rechts, die finanzierbar ist.“, macht Garbade deutlich.
Die Strategie erkenne die Tierhaltung ausdrücklich als Zukunftssektor an und rücke Wettbewerbsfähigkeit, Versorgungssicherheit und die ländlichen Räume stärker in den Mittelpunkt. „Es bleibt jedoch abzuwarten, inwieweit die angekündigten Maßnahmen tatsächlich umgesetzt werden und neue Tierwohl- und Umweltauflagen durch ausreichende Finanzierung, Bürokratieabbau und eine marktwirksame Honorierung flankiert werden“, ordnet Landvolkpräsident Dr. Holger Hennies abschließend ein. Denn ohne wirtschaftliche Perspektiven würden viele Betriebe ihre Weiterentwicklung nicht leisten können.
Die EU-Tierhaltungsstrategie sowie weitere Dokumente sind hier einsehbar.
Ansprechpartnerin: Alisha Trilling, Tel.: 0511 3670431, alisha.trilling@landvolk.org






