Lies und Hennies einig: Landwirtschaft braucht Verlässlichkeit und weniger Regulierungsdichte

Eine aktuelle Umfrage zeigt: Mit Marktrisiken können Landwirte umgehen – mit ständig neuen politischen Auflagen nicht. Foto: Landvolk

Im Podcast mit MP Olaf Lies fordert das Landvolk klare Weichenstellungen

L P D – Beim Gespräch in der Staatskanzlei für den Landvolk-Podcast mit Ministerpräsident Olaf Lies machte das Landvolk Niedersachsen deutlich, woran es der Agrarpolitik derzeit mangelt: an Verlässlichkeit, Planungssicherheit und einer echten Zukunftsperspektive für die Breite der Betriebe. Im Podcast mit Moderatorin Wibke Langehenke diskutieren Landvolkpräsident Hennies und Olaf Lies offen über Versäumnisse, gemeinsame Ziele und den dringend notwendigen Kurswechsel.

Für Olaf Lies liegt eine große Herausforderung für die Landwirtschaft in zahlreichen politischen Brüchen der vergangenen Jahren auf Bundes- und Europaebene: „Ich höre aus Gesprächen mit Landwirten vor allem den Wunsch nach Verlässlichkeit und Stabilität“, sagte der Ministerpräsident. Wechselnde Bundesregierungen und neue europäische Vorgaben hätten „für neue Unruhe und Unzufriedenheit geführt“. Niedersachsen habe deshalb bewusst auf langfristige Lösungen gesetzt – etwa mit dem Tierschutzplan und später mit dem Niedersächsischen Weg. Ziel sei es gewesen, Entscheidungen zu treffen, „die über Regierungswechsel hinaus tragfähig sind“.

Der Niedersächsische Weg gilt aus Sicht des Landvolks grundsätzlich als richtiger Ansatz, weil Landwirtschaft, Umwelt- und Naturschutz gemeinsam Lösungen entwickeln. Doch genau hier hakt es in der Praxis. Hennies kritisierte, dass die Landwirtschaft geliefert habe, die Ausgleichszahlungen aber zu spät oder zu kompliziert kämen. Ursache sei vor allem die überbordende GAP-Bürokratie: „Die sogenannten Konditionalitäten sind ein Parallel-Ordnungsrecht, das sich mit dem niedersächsischen Recht verbeißt. Das müssen wir auflösen.“

Ein weiteres Beispiel für gute Ansätze mit stockender Umsetzung ist die „tierisch gut“-Aktion und der Umbau der Tierhaltung. Olaf Lies betonte, wie wichtig klare Leitplanken seien: „Wenn ich heute in einen Stall investiere, muss ich sicher sein, dass ich ihn auch in 20 Jahren noch so betreiben kann.“ Gleichzeitig stellte er klar: „Landwirtschaft ist ein Wirtschaftszweig. Sie ist Wirtschaft und nicht ideologisierbar.“ Millioneninvestitionen bräuchten Förderung, aber vor allem langfristige Sicherheit.

Genau diese fehlt aus Sicht des Landvolks. Eine aktuelle Umfrage zeigt: Mit Marktrisiken können Landwirte umgehen – mit ständig neuen politischen Auflagen nicht. „Die größten Risiken liegen nicht im Markt, sondern in der Politik“, sagte Hennies. Hohe Baukosten, kompliziertes Baurecht, Verbandsklagen und eine extreme Regulierungsdichte führten dazu, dass Investitionen unterbleiben. „Die jungen Landwirtinnen und Landwirte wollen nicht Antrags- oder Bürowirt sein, sondern Landwirt.“

Einigkeit herrschte beim Thema Export: Niedersachsen ist und bleibt Agrar- und Exportland. „22 Prozent der in Niedersachsen produzierten Lebensmittel werden exportiert. Deshalb ist es wichtig, bestehende Exportmärkte zu festigen und neue Märkte zu erschließen“, sagte Lies. Staatliche Preisgestaltung lehnten beide klar ab. Aufgabe der Politik sei es, stabile Rahmenbedingungen zu schaffen, damit sich die Betriebe im Wettbewerb behaupten können. Das Fazit aus Sicht des Landvolks ist eindeutig: 2026 muss das Jahr des Handelns werden. Keine neuen Auflagen, spürbarer Bürokratieabbau und verlässliche Förderstrukturen sind die Voraussetzung dafür, dass Betriebe wieder investieren und planen können. Wenn Ministerpräsident Olaf Lies sagt: „Wir wollen Landwirtschaft – tierhaltend und flächenbewirtschaftend“, dann ist das aus Sicht des Landvolks ein wichtiges Signal. Entscheidend wird jedoch sein, ob diesem Anspruch auch konkrete politische Schritte folgen. Landvolkpräsident Holger Hennies brachte die Erwartung der Betriebe zum Abschluss klar auf den Punkt: „Wir sind bereit, Verantwortung zu übernehmen und diesen Weg mitzugehen. Aber Niedersachsen muss jetzt vom Reden ins Handeln kommen – damit unsere Betriebe wieder Perspektive haben und eine Zukunft sehen.“

Den Landvolk-Jahresausblick mit Ministerpräsident Lies können Sie ab sofort bei Spotify hören: Der Landvolk-Podcast . (LPD 04/2026)

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