Der Wolf verdrängt die Weidetierhaltung

Für die dritte Folge der Landvolk-Podcast-Staffel zum Wolf ist Moderatorin Wibke Langehenke in die Lüneburger Heide nach Eimke gefahren, um dort mit Gerd Jahnke zu sprechen. Mit am Tisch sitzt Gina Strampe, Geschäftsführerin des Landesverbands für landwirtschaftlichen Wildhaltung Niedersachsen und selbst Gehegewildhalterin. Zwei Praktiker, zwei Betriebe – und viele Jahre Erfahrung mit den Folgen wachsender Wolfsbestände Foto: Landvolk / Pixabay

Landvolk-Podcast: Weidetierhalter zwischen Herdenschutz und Rissereignissen

L P D – Kaum ein Monat ohne Rissereignis, kaum eine Woche ohne neue Schlagzeilen. Für die dritte Folge der Landvolk-Podcast-Staffel zum Wolf ist Moderatorin Wibke Langehenke in die Lüneburger Heide nach Eimke gefahren, um dort mit Schäfer Gerd Jahnke zu sprechen. Mit am Tisch sitzt Gina Strampe, Geschäftsführerin des Landesverbands für landwirtschaftlichen Wildhaltung Niedersachsen und selbst Gehegewildhalterin. Zwei Praktiker, zwei Betriebe – und viele Jahre Erfahrung mit den Folgen wachsender Wolfsbestände.

„Erst denkt man: Bei uns passiert das nicht. Wir haben doch einen guten Zaun“, beschreibt Jahnke die Situation vor dem ersten Riss im Jahr 2013. Damals lagen die ersten Lämmer tot auf der Weide. In den folgenden Jahren kam es wiederholt zu Übergriffen. Besonders prägend war ein Ereignis mit neun toten Schafen; in der darauffolgenden Nacht wurden weitere 35 Tiere von Wölfen getötet oder schwer verletzt. Insgesamt summieren sich die Verluste nach seinen Angaben auf rund 180 Tiere.

Auch Gina Strampe erzählt von einem gravierenden Vorfall 2016. Am 9. Dezember riss ein Wolfsrudel 20 ihrer 55 Tiere, drei weitere mussten eingeschläfert werden. Trotz 1,80 Meter hoher Zäune kam es zu dem Übergriff. Eine Entschädigung erhielt sie nicht, da zum damaligen Zeitpunkt bestimmte Anforderungen an den Untergrabeschutz noch nicht erfüllt waren. Ein Petitionsantrag wurde nie verhandelt. Neben dem unmittelbaren Tierverlust wog insbesondere der langfristige züchterische Schaden schwer. Nicht nur die Dokumentation der Risse mitsamt Schäden bedeuten zusätzliche Arbeit, sondern dazu kommt noch die Kontrolle der gesamten Herde, Versorgung verletzter Tiere sowie Abstimmung mit Wolfsberatern und Behörden. Doch was besonders schwer wiegt: „Diese körperliche und psychische Belastung kann dir keiner bezahlen“, sagt Jahnke. Herdenschutzhunde, höhere Zäune, Kameras – alles hilft. Aber es koste Zeit, Geld, Kraft und Nerven.

Gleichzeitig ist Weidetierhaltung weit mehr als Tierhaltung. Sie pflegt Kulturlandschaften wie Heide und Deiche, schützt Böden vor Erosion, bindet Kohlenstoffdioxid und schafft Lebensräume für tausende Insekten, Vögel und Pflanzen. Denn: Jeder Kuhfladen ein „Insekten-Hotspot“, jedes Schaf ein Landschaftspfleger.

Beide Tierhalter fordern eine ehrliche, sachliche Politik. „Wir wollen den Wolf nicht ausrotten“, sagt Jahnke. „Aber an den Stellen, wo er immer wieder reißt, muss eingegriffen werden.“ Strampe ergänzt und fordert klare rechtliche Rahmenbedingungen, vor allem Tempo und verlässliche Förderung für Zäune und Herdenschutzhunde: „Ein Hektar Zaun kostet uns Gehegewildhalter etwa 15.000 Euro Material, 80 Prozent werden gefördert – aber nur bis 30.000 Euro jährlich und die Kosten für den Aufbau tragen die Tierhalter. Das heißt, ich kann zwei Hektar einzäunen, obwohl ich vier habe – die andere Hälfte müsste ich im nächsten Jahr fertigstellen. Das ist in der Praxis schwierig, weil man einen Zaun nicht einfach halb abbauen kann, ohne ihn komplett neu aufzubauen.“ In der aktuellen Folge geht es außerdem um bürokratische Hürden bei Förderanträgen, Wolfsmanagement in Niedersachsen und die Perspektiven für die nächste Generation in der Weidetierhaltung. (LPD 16/2026)

Ansprechpartnerin: Alisha Trilling, Tel.: 0511 3670431, alisha.trilling@landvolk.org

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