Beerenanbau: Die Zukunft liegt im Tunnel

Himbeeren
Was für die Erdbeeren gelte, werde auch im Bereich von Him- und Heidelbeeren immer wichtiger. Der Himbeeranbau hat sich fast komplett in den geschützten Anbau verlagert, dadurch ist die Ernte von Mai bis September möglich Foto: Landvolk

Geschützter Anbau sichert Qualität und gewinnt an Bedeutung

L P D – Die ersten Erdbeeren des Jahres schmecken besonders – frühlingsfrisch und schon ein bisschen nach Sommer. „Darauf freuen sich viele Menschen, und die Vermarktung läuft daher auch sehr gut“, sagt Fred Eickhorst, Geschäftsführer der Vereinigung der Spargel- und Beerenanbauer. Aus regionalem Anbau in Niedersachsen stammten die süßen Früchte derzeit noch aus dem Gewächshaus, im Süden Deutschlands werde teilweise schon im Freiland geerntet. „Die Flächen im Freiland haben stärker abgenommen als der Anbau im geschützten Anbau zugenommen hat“, begründet Eickhorst die sinkenden Hektarzahlen im Erdbeeranbau. Von insgesamt mehr als 4.000 Hektar im Jahr 2015 sei der Anbau auf mittlerweile 2.000 Hektar gesunken.

Insgesamt habe der Anbau im Erdbeertunnel trotz der hohen Investitionskosten zahlreiche Vorteile: „Die Ernte mit verlässlichen Qualitäten ist planbarer“, nennt Eickhorst den Hauptgrund. Die Landwirte könnten trotz Regen ihre Früchte in höchster Qualität weiter vermarkten, und die Kunden würden dies auch zu schätzen wissen. „Niedrige Qualitäten akzeptiert heute keiner mehr“, lautet seine Erfahrung. Zudem ließen sich die empfindlichen Pflanzen zum Beispiel auf Stellagen pflanzen und so schneller und leichter pflücken. „Durch den Wetterschutz lassen sich Pflanzenschutzmittel einsparen und Nützlinge leicht einsetzen“, nennt Eickhorst einen weiteren Nutzen für Landwirte und Verbraucher. „Die Zukunft liegt im Tunnel“, ist er sich daher sicher.

Was für die Erdbeeren gelte, werde auch im Bereich von Him- und Heidelbeeren immer wichtiger. „Der Himbeeranbau hat sich fast komplett in den geschützten Anbau verlagert, dadurch ist die Ernte von Mai bis September möglich“, nennt Eickhorst mit der längeren Erntezeit einen weiteren Pluspunkt. Auch die ersten Heidelbeeren aus dem Folientunnel würden dadurch wahrscheinlich schon Anfang bis Mitte Juni angeboten. Die offizielle Eröffnung für Medienvertreter findet am Tag der deutschen Heidelbeere, dem 7. Juli, auf dem Bickbeernhof von Sylke Herse in Landesbergen statt. Anmeldungen dazu nimmt die Vereinigung der Spargel- und Beerenanbauer entgegen.

Verglichen mit dem Selbstversorgungsgrad bei Lebensmitteln insgesamt (84 Prozent) fällt der Selbstversorgungsgrad bei Gemüse (37 Prozent) und Obst (20 Prozent) in Deutschland laut Bundesinformationszentrums Landwirtschaft im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre deutlich geringer aus. Beim meistverzehrten Gemüse, der Tomate, sind es lediglich 3,8 Prozent. Besonders hoch fällt der Selbstversorgungsgrad mit 76,8 Prozent bei Möhren aus. Erdbeeren liegen mit gut 40 Prozent noch im Mittelfeld.

Ansprechpartnerin: Wiebke Molsen, Tel.: 0511 3670476, wiebke.molsen@landvolk.org

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