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Ackerbau unter Druck: Preisverfall, hohe Kosten und Problemunkräuter belasten die Betriebe

Konrad Westphale
„Für uns Ackerbauern bleibt die Lage angespannt: Sinkende Erlöse, steigende Kosten und fehlende Lösungen bei der Unkrautbekämpfung stellen viele Betriebe vor große Herausforderungen“, erklärt Westphale Foto: Landvolk

Landvolk-Ausschuss fordert mehr Forschung und wirksame Pflanzenschutzlösungen

L P D – Vor dem Hintergrund sinkender Erzeugerpreise und wachsender Probleme bei der Unkrautbekämpfung blicken Niedersachsens Ackerbauern mit Sorge auf die laufende Vegetationsperiode. Das wurde bei der jüngsten Sitzung des Ausschusses für pflanzliche Erzeugnisse im Landvolk Niedersachsen deutlich. Während die Bestände auf den Feldern derzeit überwiegend gut entwickelt sind, nehmen die wirtschaftlichen und pflanzenbaulichen Herausforderungen für die Betriebe weiter zu.

„Weizen, Gerste, Raps und Mais stehen aktuell relativ gut da“, erklärte der Ausschussvorsitzende Konrad Westphale. Nach einer problemlosen Herbstaussaat hätten die Kulturen das trockene Frühjahr gut überstanden und die jüngsten Niederschläge die Wasserversorgung deutlich verbessert. Nun seien vor allem warme Temperaturen und hohe Sonnenstrahlung gefragt, um das Pflanzenwachstum und die Proteineinlagerung weiter voranzubringen. Hitzeperioden wären dagegen kontraproduktiv.

Sorgen bereitet den Landwirten zunehmend die Bekämpfung problematischer Ungräser und Unkräuter. Insbesondere der Ackerfuchsschwanz und das Erdmandelgras breiten sich auf vielen Flächen aus. „Wir haben aktuell keine wirksamen Pflanzenschutzmittel, um diesen beiden Problempflanzen wirksam die Stirn bieten zu können“, betonte Westphale. Das Erdmandelgras gilt als besonders hartnäckig. Selbst Bodenbearbeitungstiefen von 25 bis 30 Zentimetern reichen nicht aus, um die unterirdischen Knöllchen nachhaltig zu bekämpfen. Technische Maßnahmen allein seien deshalb keine Lösung. Das Landvolk fordert mehr Forschungsanstrengungen und eine zügigere Zulassung wirksamer Pflanzenschutzmittel, um langfristig Erträge und Versorgungssicherheit gewährleisten zu können.

Neben den pflanzenbaulichen Herausforderungen standen vor allem die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen im Mittelpunkt der Beratungen. Die Erzeugerpreise für landwirtschaftliche Produkte sind im Vergleich zum Vorjahr deutlich gesunken. Insgesamt lagen sie Anfang 2026 rund neun Prozent unter dem Niveau des Vorjahres. Pflanzliche Erzeugnisse verloren acht Prozent, tierische Produkte sogar mehr als neun Prozent.

Besonders dramatisch entwickelte sich die Situation bei Speisekartoffeln. Hier brachen die Erzeugerpreise um mehr als 55 Prozent ein. Auch Obst verzeichnete ein Minus von über 31 Prozent. Getreide verlor rund 14 Prozent an Wert. Für eine Tonne Brotweizen erhalten Landwirte derzeit nur noch knapp 180 Euro, nachdem im Vorjahr noch 194 Euro erzielt wurden. Eine Ausnahme bildet Raps. Hier stiegen die Preise um 2,5 Prozent auf gut 512 Euro je Tonne.

Gleichzeitig belasten deutlich gestiegene Betriebsmittelkosten die Höfe. Die Preise für Dünger und Diesel legten innerhalb eines Jahres um nahezu 30 Prozent zu. Einige Betriebe sehen sich deshalb gezwungen, bei der Düngung zu sparen. Die Folge könnte ein Rückgang der Weizenqualität sein. Wird auf die dritte Düngergabe verzichtet, droht aus Brotweizen Futterweizen zu werden, weil die notwendigen Proteingehalte nicht erreicht werden.

Auch die weltweiten Märkte wirken sich auf die Preisentwicklung aus. Erstmals seit mehreren Jahren wird für das Wirtschaftsjahr 2025/26 wieder eine höhere globale Weizenproduktion als Verbrauch erwartet. Die steigenden Lagerbestände setzen die Preise zusätzlich unter Druck.

Die Anbauentscheidungen der niedersächsischen Landwirte spiegeln diese Entwicklungen bereits wider. Winterweizen verlor zehn Prozent Fläche, während Winterraps um 17,5 Prozent zulegen konnte. Kartoffeln und Zuckerrüben gehören zu den Verlierern der diesjährigen Anbauplanung. Dagegen gewinnen Kulturen wie Ackerbohnen, Hafer und Raps an Bedeutung. „Für uns Ackerbauern bleibt die Lage angespannt: Sinkende Erlöse, steigende Kosten und fehlende Lösungen bei der Unkrautbekämpfung stellen viele Betriebe vor große Herausforderungen“, erklärt Westphale abschließend. (LPD 45/2026)

Ansprechpartnerin: Silke Breustedt-Muschalla, Tel.: 0511 3670483, silke.breustedt-muschalla@landvolk.org

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