Beim Thema Wolf muss weiter Tempo gemacht werden

„In der neuen Richtlinie Wolf konnten wir einige Verbesserungen erzielen, aber leider sind nicht alle Forderungen des Aktionsbündnisses Aktives Wolfsmanagement eingeflossen“, erklärt Jörn Ehlers (Vizepräsident Landvolk Niedersachsen) Foto: Landvolk

Neue Richtlinie Wolf in Kraft / Monitoringzahlen: 19 Prozent mehr Wolfsübergriffe

L P D„Der vierte Quartalsbericht zum Wolfsmonitoring sowie die vorgestern (28.1.25) in Kraft getretene neue „Richtlinie Wolf“ zeigen deutlich, dass unsere Weidetierhalter weiterhin für die Förderung von Herdenschutzmaßnahmen für ihre Weidetiere kämpfen müssen“, bewertet Landvolk-Vizepräsident und der Sprecher des Aktionsbündnisses Aktives Wolfsmanagement (AAW), Jörn Ehlers, die Veröffentlichung im Niedersächsischen Ministerialblatt des Landes Niedersachsens und den Bericht der Landesjägerschaft Niedersachsen. „In der neuen Richtlinie Wolf konnten wir einige Verbesserungen erzielen, aber leider sind nicht alle Forderungen des Aktionsbündnisses Aktives Wolfsmanagement eingeflossen“, erklärt Ehlers gegenüber dem Landvolk-Pressedienst.

Positiv sei laut Ehlers, dass die Tierwertgrenze angehoben wurde und der wolfsabweisende Grundschutz als vorhanden gelte, wenn dieser erst durch die panischen Tiere in Reaktion auf den Wolf auf der Weide niedergerissen wurde. Allerdings wurden auch zwei wesentliche Forderungen des AAW nicht erfüllt. „Es ist weiterhin nur die einmalige Förderung von wolfsabweisenden Zäunen möglich. Wenn der Zaun aufgrund natürlicher Abnutzung vollständig oder teilweise ersetzt werden muss, trägt der Tierhalter zukünftig selbst die gesamten Kosten“, kritisiert Ehlers. Schaf- und Ziegenhalter mit elf oder mehr Tieren sollen mit der neuen Richtlinie ,SchaNa‘ eine Vergütung für den zusätzlichen Herdenschutz-Arbeitsaufwand erhalten. Für Pferde- und Rinderhalter sei dies aber nicht vorgesehen.

Laut Wolfsmonitoring-Bericht waren zum Ende des vierten Quartals 2024 in Niedersachsen insgesamt 63 Wolfsterritorien erfasst mit 56 Wolfsrudel, vier Wolfspaaren und drei residenten Einzelwölfen. „Es ist davon auszugehen, dass auch 2025 die Wolfsanzahl weiter steigen wird. Dafür liefert der Wolfbericht die Zahlen. Wir brauchen deshalb dringend ein aktives Wolfsmanagement, um durch den Abschuss von Wölfen den Bestand nicht weiter anwachsen zu lassen“, fordert Ehlers. 2.315 Wolfsmeldungen sind vom 1. Oktober 2024 bis 31. Dezember 2024 erfasst worden, die am häufigsten mit Fotofallenaufnahmen dokumentiert wurden. Bei 92 Übergriffen auf Nutztiere wurden in diesem Zeitraum insgesamt 193 Tiere getötet, 62 verletzt und 35 Tiere gelten als verschollen. „Dies entspricht zwar einem Rückgang der Übergriffe von fünf Prozent im Vergleich zum dritten Quartal 2024, aber einem Anstieg von über 19 Prozent im Vergleich zum vierten Quartal 2023“, zeigt Ehlers auf.

In 68 Fällen wurde der Wolf als Verursacher bestätigt. Bei 47 von 56 Übergriffen auf Schafe wurde der Wolf eindeutig als Täter ausgemacht. Auch vor Rindern macht der Wolf weiter keinen Halt: 32 Übergriffe gab es hier, wovon 20 Fälle dem Wolf zuzuschreiben sind. Auch ein Pferdeangriff wurde registriert, es konnte aber kein Verursacher festgestellt werden. „Das Landvolk Niedersachsen wird sich daher gemeinsam mit den Weidetierhaltern nicht nur weiterhin für ein aktives Wolfsmanagement einsetzen, sondern auch dafür, dass Tierhalter nach einer angemessenen Nutzungsdauer erneut eine Förderung für wolfsabweisende Zäune beantragen können“, erklärt Ehlers abschließend und verweist noch auf die Entschädigungssummen: 2023 wurden mehr als 6.120.000 Euro für Herdenschutzmaßnahmen ausgegeben und über 242.000 Euro Entschädigungszahlungen an die Weidetierhalter gezahlt. (LPD 09/2025)

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