Betriebsführung ist (auch) Frauensache

Gemeinsam mit Natascha Henze gibt Anneke Kreißig, Landwirtin aus dem Kreis Diepholz, Einblicke in ihren Alltag und spricht über Herausforderungen und Chancen für Frauen in der Tierhaltung Foto: Landvolk

Im aktuellen Podcast „tierischGUT aus Niedersachsen“ stehen Frauen in der Landwirtschaft im Vordergrund

L P D – In der neuen Folge des Landvolk-Podcasts tierischGUT aus Niedersachsen“ stehen junge Landwirtinnen im Fokus. Gemeinsam mit Natascha Henze, Referentin für Vieh und Fleisch beim Landvolk Niedersachsen, gibt Anneke Kreißig, Landwirtin und stellvertretende Vorsitzende der Junglandwirte Niedersachsen aus dem Kreis Diepholz, Einblicke in ihren Alltag und spricht über Herausforderungen und Chancen für Frauen in der Tierhaltung.

Im Gespräch werden die Ergebnisse der Online-Umfrage des Projekts „tierischGUT aus Niedersachsen“ vorgestellt, an der rund 1.300 Landwirtinnen und Landwirte teilgenommen haben. Diese zeigt: Frauen sind in der landwirtschaftlichen Betriebsführung noch unterrepräsentiert. Zwar sind 36 Prozent der Arbeitskräfte in der Landwirtschaft weiblich, doch nur ein Viertel der Frauen gaben in der Umfrage an, den Betrieb zu führen. Viele arbeiten als mithelfende Familienangehörige.

Die Junglandwirtin hat kürzlich die Hofnachfolge angetreten und berichtet im Podcast offen von ihrem Einstieg: „Ich wollte eigentlich nichts mit Landwirtschaft machen.“ Heute führt sie den Tierbereich auf dem elterlichen Hof – mit viel Struktur, Planung und Unterstützung der Familie und Mitarbeiter. Besonders die Bürokratie und die Vereinbarkeit mit Familie und Ehrenamt sieht sie als große Herausforderungen. Dennoch bereue sie es keinen Tag, die Nachfolge angetreten zu haben.

Ein zentrales Thema der Folge ist die hohe psychische und physische Belastung in der Tierhaltung. Henze, die die Umfrage erstellt und ausgewertet hat, verweist auf ein weiteres Ergebnis: rund 60 Prozent der befragten Frauen empfinden die Arbeit als körperlich stark beanspruchend. „Es braucht viel Struktur und Herzblut“, erklärt Kreißig. Auf ihrem Sauenbetrieb wird in einem Fünf-Wochen-Rhythmus gearbeitet, viele Abläufe müssen Wochen im Voraus geplant werden. Als größte Herausforderungen im Alltag sieht sie Personalausfälle, sei es bei Mitarbeitern oder in der Kinderbetreuung. Das Thema Vereinbarkeit von Familie und Betrieb beschäftigt viele Frauen, hierbei sei Unterstützung durch Familienmitglieder unabdingbar.

Deutlich wurde auch: Der gesellschaftliche Druck auf Tierhalter ist groß. Viele Befragte gaben an, sich durch landwirtschaftsferne Menschen häufig kritisiert zu fühlen, besonders stark trifft das Schweinehalter. Die gesellschaftliche sowie kritische Debatte um Tierhaltung und Fleischkonsum erfordert ein hohes Maß an Selbstbewusstsein bei den Betriebsleiterinnen und -leitern. Kreißig betont: „Man braucht Mut, sich dem zu stellen.“

Mit Blick auf die Zukunft wünschen sich viele Junglandwirtinnen verlässliche Rahmenbedingungen und gesellschaftliche Anerkennung. Finanzielle Unterstützung für Investitionen, insbesondere beim Umbau der Tierhaltung, wird laut der Umfrage als notwendig angesehen. Gleichzeitig müsse die Landwirtschaft wieder stärker in die Bildungsarbeit der Schulen eingebunden werden, um das Verständnis für Tierhaltung in der Bevölkerung zu stärken.

Laut Umfrage ist die Hofnachfolge bei etwa der Hälfte der Befragten gesichert, bei einem Fünftel jedoch noch ungeklärt, unabhängig vom Geschlecht. Anneke Kreißig ermutigt Frauen, sich in der Landwirtschaft zu engagieren: „Einfach mal machen! Wer Lust darauf hat, packt das auch. Wir können das genauso gut wie unsere männlichen Kollegen.“

Abschließend appelliert sie an die Politik: „Arbeit muss wieder Spaß machen.“ Neben Problemen bei der Mitarbeitergewinnung sieht sie auch beim Mutterschutz und der Elternzeit für Selbstständige dringenden Handlungsbedarf. Ihr Wunsch: Mehr Wertschätzung für die tägliche Arbeit der Landwirte und gezielte Anreize für eine zukunftsfähige Tierhaltung.

Die ganze Folge ist ab sofort auf Spotify verfügbar.

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