Enormer Kontrollaufwand schreckt Biobauern ab

„Es ist gut, dass im Moment Bewegung in festgefahrene Prozesse zu kommen scheint" sagt Carsten Bauck, Vorsitzender des Ökoausschusses im Landvolk Niedersachsen Foto: Landvolk

Ökofläche stagniert in Niedersachsen bei sechs Prozent der landwirtschaftlichen Fläche

L P D„Die Lage im Ökolandbau bereitet uns Sorgen“ – so kommentiert Landvolk-Präsident Holger Hennies die Strukturdaten für die Ökologische Land- und Lebensmittelwirtschaft, die das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) nun für das Jahr 2024 veröffentlicht hat. Demnach wuchs die ökologisch bewirtschaftete Fläche in Niedersachsen leicht von 154.033 (2023) auf 155.370 Hektar – damit wird in Niedersachsen auf rund sechs Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Fläche „Bio“ produziert, deutschlandweit sind es 11,5 Prozent und 1,91 Millionen Hektar.

Die Zahl der ökologisch wirtschaftenden Betriebe stieg ebenfalls leicht von 2.646 im Jahr 2023 auf 2.692 im Folgejahr. Das sind 7,9 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Betriebe in Niedersachsen. In allen Bundesländern zusammen sank die Zahl der Biohöfe auf 35.881. Der Anteil der Biobauern an allen Bauernhöfen bundesweit liegt damit bei 14,1 Prozent. Altersbedingte Betriebsaufgaben und fehlende Hofnachfolgen führen trotz Umstellung von Landwirten von konventionell auf ökologische Wirtschaftsweise im Saldo zu einem Rückgang der Betriebszahlen.

„Wir wären gerne näher an dem im Niedersächsischen Weg festgelegten Ziel von 15 Prozent Ökolandbau in Niedersachsen“, stellt Hennies fest. Um den Bioanbau zu steigern, müsste jedoch die Nachfrage steigen, die Bürokratie sinken und die Politik praktikablere Vorgaben machen. „Es ist gut, dass im Moment Bewegung in festgefahrene Prozesse zu kommen scheint, wie etwa der Pflicht der EU-Öko-Verordnung, Küken ab dem ersten Lebenstag Auslauf zu gewähren“, lenkt Carsten Bauck, Vorsitzender des Ökoausschusses im Landvolk Niedersachsen, den Blick auf positive Entwicklungen. Denn solche Vorgaben hätten nichts mit Tierwohl zu tun, trieben aber Baukosten in die Höhe und zwängen Betriebe zur Aufgabe.

Politische Rahmenbedingungen wie langfristige Planungssicherheit und Entlastung von überbordender Bürokratie seien wichtig für die Entscheidung der Landwirte, auf Ökolandbau umzustellen. „Die Biobauern leiden immens unter dem enormen Kontrollaufwand“, bedauert Bauck. Das schrecke umstiegswillige Berufskollegen ab. Der Ökolandbau könne eine Zukunftsstrategie für Umwelt und Gesellschaft sein, wenn moderne Technik genutzt und die Politik praxisnahe Vorgaben schaffe. International lag 2023 mehr als die Hälfte der weltweit ökologisch bewirtschafteten Fläche in Australien. Mit einer Öko-Fläche von 53 Millionen Hektar, die fast ausschließlich aus extensivem Weideland besteht, ist der Kontinent Spitzenreiter. Beim Öko-Anteil an der landwirtschaftlichen Fläche insgesamt, ergibt sich jedoch ein ganz anderes Bild: Von den zehn Ländern, die weltweit prozentual am meisten ihrer landwirtschaftlichen Fläche ökologisch bewirtschaften, liegen acht in Europa. Liechtenstein liegt mit einem Öko-Anteil von 44,6 Prozent weit vorne, während Australien sich auf Platz 14 einreiht. Deutschland verfügte 2023 mit 1,89 Millionen Hektar über die zehntgrößte Öko-Fläche weltweit, ein Öko-Anteil von 11,4 Prozent bedeutet international Rang 20. (LPD 60/2025)

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