Öffnet in einem neuen Tab

Herausforderungen und Chancen der Öko-Tierhaltung

Thema im Landvolk-Podcast mit Carsten Bauck: „Wenn die Gesellschaft mehr Ökolandbau möchte, muss sie das auch mit dem Einkauf unterstützen.“ Foto: Landvolk Niedersachsen

Wer Bio fordert, muss Bio kaufen: Ein Appell aus der Praxis

L P D – In der neuesten und vorerst letzten Folge der Landvolk-Podcast-Reihe „tierischGUT aus Niedersachsen“ spricht Natascha Henze, Referentin für Vieh und Fleisch beim Landvolk Niedersachsen, mit Carsten Bauck vom Bauckhof in Klein Süstedt über die ökologische Tierhaltung. Der traditionsreiche Demeter-Betrieb wirtschaftet seit mehr als 90 Jahren biologisch – und begleitet heute die gesamte Wertschöpfungskette von der Aufzucht bis zur Schlachtung.

Bauck beschreibt, was ökologische Tierhaltung im Alltag bedeutet: viel Wissen, viel Handarbeit und viel Verantwortung. Die Tierbetreuung ist intensiver, weil kleinere Stallgrößen, vielfältige Tierarten und hohe Tierwohlstandards mehr personellen Einsatz erfordern. „Diese Diversität ist zugleich Fluch und Segen – sie macht uns widerstandsfähig, verlangt aber breites Fachwissen und hohe Präsenz“, sagt Bauck.

Besonders in der ökologischen Geflügelhaltung sind die Ansprüche hoch: mehr Platz, stressarme Haltungsbedingungen und ein stark prophylaktisch ausgerichtetes Gesundheitsmanagement, da kurative Methoden wie Antibiotikagaben nur eingeschränkt möglich sind. „Wir müssen im Vorfeld dafür sorgen, dass es den Tieren gut geht und sie ihre natürlichen Verhaltensweisen ausleben können“, betont Bauck. Dazu gehören ein präziser Blick auf Fütterung, Stallklima und Tiergesundheit. Die Versorgung mit Eiweißfuttermitteln bleibe jedoch eine Herausforderung, da sie wetter- und regionalspezifischen Schwankungen unterliegt.

„Wer Küken sehen will, muss auch die Schlachtung sehen können“, sagt Bauck im Gespräch über regionale Schlachtung. Der Bauckhof betreibt eine eigene Geflügelschlachterei – nicht aus wirtschaftlichem Interesse, sondern, um die Tiere vom Anfang bis zum Ende begleiten zu können. Doch solche Strukturen sind selten geworden. Viele kleinere Schlachtereien haben aufgehört, die Wege werden länger – besonders für Öko-Landwirte, die nur kleine Tiergruppen und damit keine LKW-Ladungen transportieren. Bauck kritisiert die wachsende Regulierung, die den Betrieb kleiner Schlachthöfe erschwert, und fordert weniger Bürokratie sowie mehr Vertrauen in Landwirte, die regionale, tierwohlorientierte Wege sichern wollen.

Auch die tierischGUT Umfrage unter niedersächsischen Tierhalterinnen und Tierhaltern bestätigt zentrale Herausforderungen: Bürokratie und Dokumentationspflichten belasten die Höfe – unabhängig von der Bewirtschaftungsform. Deutlich sichtbar ist auch die stärkere Betroffenheit ökologischer Tierhalter, die häufig Weidehaltung betreiben, durch den Wolf. „Mehr als 60 Prozent gaben an, ihre Weidehaltung bereits eingeschränkt zu haben“, stellt Henze die Ergebnisse vor.

Trotz stabiler Betriebsentwicklung blickt Bauck realistisch in die Zukunft: Die ökologische Tierhaltung könne nur wachsen, wenn die Nachfrage steige. „Wenn die Gesellschaft mehr Ökolandbau möchte, muss sie das auch mit dem Einkauf unterstützen.“ Öffentliche Kantinen könnten dabei ein wichtiger Hebel sein, um Marktimpulse zu setzen. (LPD 87/2025)

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