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Viel Ernte, wenig Erlös: Getreidemärkte unter Druck

Die Ernte fiel im vergangenen Sommer trotz der Trockenheit durchschnittlich aus – in einigen Regionen sogar überdurchschnittlich. Die Folge: „Die Preise sind derzeit niedriger als im Sommer, das ist ungewöhnlich“, erläutert Landwirt Konrad Westphale die „beschämende Situation“ Foto: Landvolk

Die Getreideversorgung ist gesichert – wirtschaftliche Sorgen der Landwirte bleiben

L P D – Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Mais, Reis, Hirse oder Dinkel – Getreide gehört vor allem nach der Weiterverarbeitung zu Brot, Brötchen, Kuchen und Nudeln weltweit zu den wichtigsten Lebensmitteln und bildet die Futtergrundlage vieler Tierarten. Im Wirtschaftsjahr 2024/25 wurden rund 23 Prozent der in Deutschland verfügbaren Getreidemenge für Nahrungszwecke verwendet, gut 20 Prozent für die industrielle oder energetische Nutzung, Saatgut und Verluste lagen bei 6,4 Prozent und 50 Prozent entfielen auf Futterzwecke. Das sind rund sechs Prozent weniger als 2023/24, beruft der Landvolk-Pressedienst sich auf Zahlen des Bundesinformationszentrums Landwirtschaft. Der Selbstversorgungsgrad lag bei knapp 100 Prozent.

Damit auch im kommenden Sommer genug Getreide geerntet werden kann, beobachten die Landwirte in Niedersachsen derzeit ihre Felder mit Wintergetreide, dessen Saatgut nach der Ernte gut in die Erde gekommen ist. „Es steht alles gut da“, sagt Konrad Westphale, stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses für pflanzliche Erzeugnisse im Landvolk Niedersachsen. Der frühe Frost Ende November habe eine Art Winterruhe bei den Pflanzen hervorgerufen und auch den Befall mit Läusen gestoppt. Lediglich auf den in Mulchsaat bestellten Flächen fühlten sich die Mäuse durch die Trockenheit sehr wohl und verursachten dementsprechende Schäden. Auch den Schnee und Frost derzeit bewertet er grundsätzlich erstmal als gut. „Aber die Wirkung des Niederschlags von Schnee ist immer geringer als Regen und der Frost kann auch Schaden anrichten“, erläutert er. Die für das Wochenende vorhergesagten minus 16 Grad Celsius sieht er daher mit Sorge: „Die Folgen sind nicht absehbar.“

Westphale hofft auf reichlich Regen im Januar, der den Pflanzen einen guten Start ins neue Jahr ermöglicht. „2025 war mit insgesamt 440 Litern Wasser pro Quadratmeter fast genauso trocken wie das Dürrejahr 2018 mit 430 Litern pro Quadratmeter“, verdeutlicht der Landwirt, der die Niederschläge mit einer Wetterstation erfasst und sie für die Region Südhannover an den Deutschen Wetterdienst meldet. Dass die Ernte trotzdem durchschnittlich – in einigen Regionen sogar überdurchschnittlich – ausgefallen ist, überraschte viele Landwirte. „Eine richtige Erklärung gibt es nicht, der wenige Regen muss wohl zur richtigen Zeit gefallen sein“, sagt Westphale.

Der Vorsitzende des Landvolkkreisverbandes Hildesheim weist jedoch im gleichen Atemzug auf die negativen Folgen der großen Ernte für die Landwirte hin. „Die Preise sind derzeit niedriger als im Sommer, das ist ungewöhnlich“, erläutert er die „beschämende Situation“. Er befürchtet, dass diese schlechte wirtschaftliche Lage noch gar nicht allen Berufskollegen bewusst ist. „Wir brauchen Märkte für Nischenprodukte“, ist Westphale überzeugt. Denn nach dem Aus für zahlreiche Biogasanlagen im Land werde sich das Angebot an Getreide noch steigern.

Dinkel sei aufgrund der Preisaufschläge und des geringeren Aufwands eine gute Alternative zum Weizenanbau. „Genau wie bei Braugerste sind die Marktanteile bei Dinkel allerdings viel geringer als bei Weizen“, betont Westphale. Die 170 deutschen Mühlen meldeten für das Wirtschaftsjahr 2024/2025 zwar einen neuen Rekordwert von 358.000 Tonnen Dinkel – insgesamt vermahlten diese Mühlen jedoch laut Bundesinformationszentrum Landwirtschaft rund 9,4 Millionen Tonnen Getreide. „In diesem Jahr wurde die Anbaufläche wieder reduziert“, vermutet Westphale. Zuviel Dinkel liege noch in den Lägern. (LPD 02/2026)

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