Zuckerrübenernte: Wie Bonbons auf dem Acker

Mit einem vorläufigen durchschnittlichen Rübenertrag von 82,4 Tonnen pro Hektar, einem Zuckergehalt von 18,3 Prozent und einem Zuckerertrag von 15,4 Tonnen pro Hektar liegen die Ergebnisse deutlich über dem fünfjährigen Durchschnitt Foto: DNZ

Sehr hohe Zuckererträge – angespannte Marktlage

L P D – Die Zuckerrübenernte in Niedersachsen ist erfolgreich abgeschlossen. Die Kampagne verlief insgesamt reibungslos und war von guten Witterungsbedingungen geprägt. Eine gleichmäßige Verteilung der Niederschläge über den gesamten Vegetationsverlauf sowie ausreichend Sonne sorgten für sehr gute Wachstumsbedingungen. Pflanzenkrankheiten traten nur regional begrenzt auf. Auch der sich weiter ausbreitende SBR-Komplex (Syndrom der niedrigen Zuckergehalte), der durch die Schilf-Glasflügelzikade übertragen wird, hatte keine außergewöhnlichen Auswirkungen auf Erträge und Qualitäten. Die niedersächsische Rübenanbaufläche lag mit rund 100.000 Hektar unter dem Niveau des Vorjahres.

Mit einem vorläufigen durchschnittlichen Rübenertrag von 82,4 Tonnen pro Hektar, einem Zuckergehalt von 18,3 Prozent und einem Zuckerertrag von 15,4 Tonnen pro Hektar liegen die Ergebnisse deutlich über dem fünfjährigen Durchschnitt. Der hohe Zuckergehalt bestätigt das Fazit der Kampagne: „Wie Bonbons auf dem Acker“. Durch den hohen Zuckergehalt können die niedersächsischen Rübenbauern für die zurückliegende Ernte noch mit auskömmlichen Preisen rechnen. Für die kommende Saison werden aufgrund der aktuell schlechten Marktlage jedoch weitere Preiseinschnitte erwartet. „Die Freude über die sehr gute Zuckerrübenernte wird getrübt durch die anhaltend schlechten Preise für Zucker. Das werden auch wir Rübenanbauer zu spüren bekommen“, fasst Dr. Heinrich-Hubertus Helmke, Geschäftsführer des Dachverbandes Norddeutscher Zuckerrübenanbauer (DNZ), die Situation zusammen.

Denn die Lage am Zuckermarkt ist laut DNZ angespannt. „Die Zuckerpreise befinden sich auf einem niedrigen Niveau, vergleichbar mit dem Jahr 2018, während die Erzeugungskosten unter anderem durch gestiegene Energie- und Düngemittelpreise deutlich zugenommen haben“, erläutert Helmke. Damit stehe die Wirtschaftlichkeit des Zuckerrübenanbaus zunehmend unter Druck. Zwar ist die Selbstversorgung mit Zucker in Niedersachsen, Deutschland und Europa gesichert, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind für die Zuckerbranche jedoch schwierig.

Ein auskömmlicher Zuckerpreis ist unverzichtbar, um die gestiegenen Kosten in Anbau und Verarbeitung sowie notwendige Investitionen, etwa in Richtung Klimaneutralität, zu decken. Belastend wirken zudem Billigimporte aus Drittstaaten, Freihandelsabkommen wie Mercosur sowie Einschränkungen im Pflanzenschutz, die die Wettbewerbsfähigkeit des heimischen Zuckerrübenanbaus gefährden. „Mit Mercosur dürften 190.000 Tonnen Zucker nach Europa zollfrei importiert werden. Das entspricht etwa der Menge an Zucker, die eine Zuckerfabrik im Jahr produziert“, warnt Eckhard Hinrichs, Vorsitzender des DNZ, mit Blick auf das Freihandelsabkommen.

Beim Pflanzenschutz bleibt insbesondere die Bekämpfung der Schilf-Glasflügelzikade ein zentrales Thema. Notfallzulassungen für das Anbaujahr 2026 werden bis zur regulären Zulassung wirksamer Insektizide als unerlässlich angesehen. Erste Erfolge zeigen zwar in die richtige Richtung, langfristig wird jedoch Planungssicherheit benötigt. Die Branche setzt weiterhin auf einen integrierten Ansatz aus Pflanzenschutz, Fruchtfolge, Pflanzenstärkung und Züchtung sowie auf beschleunigte Zulassungsverfahren und einen modernen Rechtsrahmen für neue Züchtungstechniken. (LPD 10/2026)

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