Zwischen Moor und Mast: Boden behalten, Zukunft sichern

„Wir sind bereit, Verantwortung zu übernehmen – aber wir erwarten, dass unsere Bedürfnisse ernst genommen werden. Es geht nicht darum, Fortschritt zu blockieren – sondern darum, ihn auf tragfähigem Grund zu bauen. Und dieser Grund liegt nun einmal in den Händen der Landwirtschaft. Ein Ausverkauf des Bodens ist nicht nur ein wirtschaftliches Risiko, sondern ein gesellschaftliches. Denn wer morgen noch regionale Lebensmittel will, muss heute die Flächen dafür sichern, insbesondere wenn sich diese in Gunstregionen befinden“, stellt Hennies deutlich heraus. Foto: Landvolk

Landvolk warnt vor Flächenverlust und fordert Augenmaß bei Raumplanung

L P D – Von den Küsten bis ins Binnenland wächst die Sorge im ländlichen Raum: Der Entwurf zur Änderung des Landesraumordnungsprogramms (LROP) trifft auf entschlossenen Widerstand aus der Landwirtschaft. Der Landesverband des Landvolks Niedersachsen und seine Kreisverbände kritisieren massiv eine Entwicklung, die ihre Existenzgrundlage bedroht. „Wir haben Verständnis für Klimaschutz, Energiewende und Infrastruktur. Aber nicht um jeden Preis“, erklärt Landvolkpräsident Holger Hennies für den niedersächsischen Landesbauernverband. Die Stellungnahme des Landvolks zum neuen LROP-Entwurf, bei der auch die Kreislandvolkverbände einbezogen wurden, ist deutlich: Es brauche mehr Augenmaß, mehr regionale Flexibilität und vor allem – mehr Respekt vor der Landwirtschaft. „Der Verlust landwirtschaftlicher Nutzfläche muss gestoppt werden“, lautet die deutliche Forderung der Landwirte.

„Der Boden ist unsere Produktionsgrundlage – wenn er weg ist, ist auch unsere Zukunft weg“, bringt es Hennies auf den Punkt. Und genau dieser Boden ist bedroht: durch PV-Anlagen auf Ackerflächen, durch Windenergieprojekte im Wald, durch Umspannwerke, Leitungen, Speicherflächen und Industriegebiete. Besonders kritisch sieht das Landvolk die geplante Ausweisung großflächiger Vorranggebiete zur Wirtschaftstransformation ab 30 Hektar. „Damit wird nicht nur landwirtschaftliche Fläche verdrängt, sondern auch die kommunale Planungshoheit untergraben“, heißt es in der Stellungnahme. Der Trend hin zu kleineren, automatisierten Produktionsstrukturen und Homeoffice sei nicht berücksichtigt worden – stattdessen gehe die Landesplanung von einem veralteten Flächenbedarf aus.

Gleichzeitig warnt der Verband vor einer „Goldgräberstimmung“ rund um erneuerbare Energien: Projektierer böten Landwirten teils unrealistische Summen für Pachtverträge – mit dem Risiko, dass ganze Regionen „verparkt“ werden und die heimische Agrarstruktur unwiederbringlich verloren geht. Die hier geplante Festlegung einer pauschalen Bodenpunktegrenze von 50 Bodenpunkten (BP) für Schutzmaßnahmen stößt auf klare Ablehnung. In strukturschwachen Regionen, so etwa im Landkreis Gifhorn, sei auch Land mit nur 40 oder weniger Bodenpunkten wirtschaftlich bedeutsam. „Die landwirtschaftliche Nutzung darf nicht über einen Kamm geschoren werden – differenzierte Kriterien wie die durchschnittliche Acker- und Grünlandzahl je Landkreis sind hier notwendig“, schlägt das Landvolk vor.

Für die Küstenregionen fordert das Landvolk „Schutz mit Verstand“. Am Beispiel der Sedimentgewinnung zeige  sich, wie es besser gehen kann: Der Verband begrüßt die Nutzung von Baggergut nicht nur für den Küstenschutz, sondern auch zur Bodenverbesserung. Schlick kann Böden fruchtbarer machen und gleichzeitig das Klima schützen – das zeigen Modellprojekte wie im Ihrhover Hammrich. Solche Win-win-Lösungen seien ein Vorbild für eine integrierte Entwicklung von Küste und Land, zeigt der Landesverband auf.

Den Ansatz, Photovoltaik auf wiedervernässten Moorflächen zuzulassen, begrüßt das Landvolk, lehnt aber eine pauschale Pflicht zur Wiedervernässung strikt ab. Nicht jede Fläche ist dafür geeignet. Alternativen wie Deckkulturen müssten erlaubt bleiben – sonst drohe ein faktisches PV-Verbot. Und gerade in den Küstenregionen sind die Landwirte durch Trassen, Konverter und CO₂-Leitungen überproportional belastet. Niedersachsens Landwirtinnen und Landwirte fordern deshalb eine gerechtere Verteilung der infrastrukturellen Lasten sowie wissenschaftliche Begleitung der Projekte, um Boden- und Nutzungsschäden zu minimieren. Biogas dürfe im Zuge der Wasserstoffplanung nicht an den Rand gedrängt werden.

Beim Thema Naturschutz mahnt das Landvolk zur Zusammenarbeit statt Konfrontation. Hier ist der bereits beschrittene Niedersächsische Weg das richtige Vorgehen, um voranzukommen: „Landwirtschaft muss in die Planung von Biotopkorridoren eingebunden werden. Pauschale Einschränkungen sind kontraproduktiv – besser ist vertraglicher Naturschutz vor Ort mit produktionsintegrierten Maßnahmen“, sagt Landvolkpräsident Hennies.

Am Ende senden Niedersachsens Landwirte zum neuen LROP ein klares Signal aus dem ländlichen Raum: „Wir sind bereit, Verantwortung zu übernehmen – aber wir erwarten, dass unsere Bedürfnisse ernst genommen werden!“ Sie fordern eine konsequent bodenschonende Raumordnungspolitik, die Landwirtschaft nicht als nachrangig behandelt, sondern als das anerkennt, was sie ist: ein unverzichtbarer Teil der Landesentwicklung. „Es geht nicht darum, Fortschritt zu blockieren – sondern darum, ihn auf tragfähigem Grund zu bauen. Und dieser Grund liegt nun einmal in den Händen der Landwirtschaft. Ein Ausverkauf des Bodens ist nicht nur ein wirtschaftliches Risiko, sondern ein gesellschaftliches. Denn wer morgen noch regionale Lebensmittel will, muss heute die Flächen dafür sichern, insbesondere wenn sich diese in Gunstregionen befinden“, stellt Hennies deutlich heraus. (LPD 43/2025)

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