Benötigte Wassermenge für Feldberegnung wird steigen

Vor allem in den östlichen Regionen Niedersachsen müssen zahlreiche Landwirte ihre Äcker beregnen, um Erträge zu sichern Foto: Landvolk

„Tag des Wassers“: Fachverband Feldberegnung möchte sinnvolle Parameter

L P DZum „Tag des Wassers“ am 22. März rückt das Thema Feldberegnung in den Blickpunkt. In Niedersachsen gibt es vor allem in den östlichen Regionen zahlreiche Landwirte, die ihre Äcker beregnen müssen, um Erträge zu sichern. Vor dem Hintergrund der Kampfhandlungen in der Ukraine und den wirtschaftlichen Folgen hat Landvolkpräsident Dr. Holger Hennies vorgeschlagen, die Vorgaben für die Feldberegnung zumindest vorübergehend so anzupassen, dass die Erntemengen steigen können. Nach den zurückliegenden Trockenjahren stehen die Beregnungslandwirte ohnehin vor enormen Herausforderungen, teilt der Fachverband Feldberegnung dem Landvolk-Pressedienst mit.

Ekkehard Fricke, Geschäftsführer des Verbandes, sagt: „Die Landwirte haben hohe Wassermengen benötigt, um die Erträge zu retten. Dabei wurden die wasserrechtlich erlaubten Mengen stark beansprucht und teilweise sogar überschritten.“ Der Fachingenieur hält es für gut und richtig, dass die meisten Landkreise in Niedersachsen die im Einzeljahr benötigten Wassermengen in einem Zehn-Jahreszeitraum „abrechnen“ bzw. bilanzieren. Damit sei es möglich, im Einzeljahr mehr als durchschnittlich erlaubt zu beregnen. Diese Mehrmenge müsse allerdings in den Folgejahren wieder eingespart werden. „Wenn mehrere Trockenjahre aufeinander folgen, ist dies schwierig“, gibt Fricke zu bedenken.

Die wasserrechtlichen Erlaubnisse sind für die Betriebe in der Regel an den Böden, der Klimaregion und den angebauten Kulturen ausgerichtet und von daher auf den einzelnen Betrieb bzw. auf den Beregnungsverband zugeschnitten. Die Wassermenge, die ein Betrieb benötigt, berechnet die Landwirtschaftskammer individuell anhand eines Merkblattes der DWA (Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall). „Dass Wasserrechte nicht in unbegrenzter Menge von den Wasserbehörden vergeben werden können, ergibt sich aus der Tatsache, dass nur begrenzt zur Verfügung stehende so genannte „nutzbare Grundwasserdargebote“ vorhanden sind und es neben der Landwirtschaft noch weitere Wassernutzer gibt“, erklärt Ekkehard Fricke. Die Wasserbehörde habe die Aufgabe, die Wasserdargebote für alle Nutzer möglichst zufriedenstellend zu bewirtschaften.

Einige Wasserbehörden begrenzen die tägliche Beregnungszeit bzw. sie verbieten den Einsatz der Beregnung zu gewissen Tageszeiten, vor allem in den Mittagsstunden, in der gesamten Vegetationsperiode von April bis September. Fricke: „Bei 30 Grad im Schatten und starkem Wind ist dies sicher gerechtfertigt, allerdings nicht bei bedecktem Himmel und niedrigen Temperaturen. Hier würde ich mir fachlich nachvollziehbarere Parameter der Begrenzung wünschen.“ Der Experte rechnet damit, dass die benötigte Wassermenge für die Feldbewässerung in Niedersachsen in den nächsten Jahrzehnten deutlich steigen wird. Nicht überall wird diese zusätzliche Menge aus dem Grundwasser bereitgestellt werden können. „Es werden weitere Wasserquellen erschlossen werden müssen, zum Beispiel Fabrikationswässer, Klarwasser, in Becken gespeichertes Wasser und es wird Wasserrückhalt in der Landschaft betrieben werden müssen“, ist sich Fricke sicher. „In Zeiten, in denen unsere Flüsse viel Wasser führen, kann Wasser entnommen und in der Fläche zur Grundwasseranreicherung versickert werden. Es kann durch den Wasseraufstau in Gräben der Wasserstand in den umliegenden Flächen auf einem höheren Niveau gehalten werden, dadurch können sich die angebauten Kulturen auf den angrenzenden Flächen länger aus dem Bodenwasservorrat ‚bedienen‘. Sie brauchen erst später oder sogar gar nicht beregnet zu werden.“ (LPD 23/2022)

Ansprechpartnerin für diesen Artikel

Sonja Markgraf

Pressesprecherin

Tel.: 0511 36704-31

E-Mail-Kontakt

Weitere Beiträge

Milchkühe

Gute Futterqualität ist Grundlage für gesunde Kühe

L P D – Der erste und für die Milchviehbetriebe wichtige Grassilageschnitt in Niedersachsen ist vielerorts abgeschlossen – mit überwiegend sehr guten Qualitäten, aber regional teils enttäuschenden Erträgen. Besonders im…

GAP-Reform: Landvolk bewertet EU-Vorschläge kritisch

L P D – Wie geht es mit der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) ab 2028 weiter, und welche Folgen hätten die Reformvorschläge der EU-Kommission für Landwirtschaft und ländliche Räume? Mit diesen…

Tag des offenen Hofes

Tag des offenen Hofes lockt Familien ins Grüne

L P D – Am 7. Juni bieten fast 50 Landwirtinnen und Landwirte beim niedersachsenweiten Tag des offenen Hofes von 10 bis 18 Uhr ein attraktives Rahmenprogramm aus Landwirtschaft, Genuss…

Karsten Padeken

Moor-Milliarden für Deutschland

L P D – Was im Moor versinkt, wird durch Luftabschluss konserviert. In jedem Naturkundemuseum kann dies bewundert werden. Über die Jahrtausende hat sich so ein großer Kohlenstoffspeicher gebildet. Durch…

Hof Behn

Landwirtschaft erleben im Braunschweiger Land

L P D – Im Braunschweiger Land wird am 7. Juni einiges geboten. Gleich fünf Betriebe beteiligen sich am landesweiten Tag des offenen Hofes. Jeder Bauernhof setzt eigene Schwerpunkte und…

Kiebitz

Kiebitzinseln schaffen sichere Brutplätze

L P D – Moderne Landwirtschaft und Artenschutz gehen Hand in Hand: Mit sogenannten Kiebitzinseln schaffen einige Landwirte in der Region Hannover gezielt Rückzugsorte für den stark gefährdeten Vogel. Einer…