Energiepreise, Dünger und Marktstrukturen setzen Landwirtschaft weiter unter Druck

„Um die aktuell höchst schwierige Situation der Landwirte zu entschärfen, muss dringend gehandelt werden“, betont Landvolkpräsident Holger Hennies Foto: Landvolk

Landvolk fordert schnelle politische Maßnahmen zur Sicherung der Landwirtschaft

L P D – Die landwirtschaftlichen Betriebe in Niedersachsen stehen weiterhin unter massivem wirtschaftlichem Druck. Vor allem stark gestiegene Diesel- und Düngerpreise sowie anhaltend niedrige Erzeugerpreise verschärfen die Situation zunehmend. Das Landvolk Niedersachsen fordert daher kurzfristige Entlastungen und strukturelle politische Maßnahmen, um die Wettbewerbsfähigkeit der Landwirtschaft und die Versorgungssicherheit zu gewährleisten.

„Um die aktuell höchst schwierige Situation der Landwirte zu entschärfen, muss dringend gehandelt werden“, betont Landvolkpräsident Holger Hennies. Das im Koalitionsausschuss am 12. April beschlossene Energiesofortprogramm mit einer Absenkung der Energiesteuer auf Diesel und Benzin um rund 17 Cent je Liter für zwei Monate sei ein wichtiger Schritt, den das Landvolk ausdrücklich begrüßt. „Für die landwirtschaftlichen Betriebe reicht diese Maßnahme jedoch bei weitem nicht aus. Es braucht weitere gezielte Entlastungen, um die stark gestiegenen Betriebskosten wirksam abzufedern.“ Neben einer temporären Aussetzung oder einer Absenkung der Abgaben könnte eine Erstattungsregelung für Landwirtschaft und Transportwesen kurzfristig und zielgenau Abhilfe schaffen.

Zugleich sieht das Landvolk vor allem die Entwicklung am Düngermarkt als zentrales Risiko für den Pflanzenanbau. „Beim Dünger sprechen wir inzwischen von einem strukturellen Problem, das viele Betriebe im Sommer und Herbst vor existenzielle Entscheidungen stellen wird und sich kurzfristig kaum lösen lässt“, erklärt Konrad Westphale, stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses für pflanzliche Erzeugnisse im Landvolk Niedersachsen. Steigende Energiepreise, internationale Handelswege und geopolitische Unsicherheiten treiben die Kosten weiter in die Höhe.

Das Landvolk fordert daher neben der kurzfristigen Entlastung beim Dieselpreis auch mittel- und langfristige Maßnahmen zur Stabilisierung der Energie- und Gaspreise sowie eine zeitweise Aussetzung des CO₂-Grenzausgleichsmechanismus, um die europäische Düngemittelproduktion zu sichern.

Weiterhin spiegelt die Kostenentwicklung für Verbraucher bislang nicht die Entwicklung an den Erzeugermärkten wider. „Die Preisentwicklung zeigt deutlich, dass die landwirtschaftlichen Betriebe zwischen steigenden Produktionskosten und stabil hohen Verbraucherpreisen aufgerieben werden“, kritisiert Hennies. Während die Erzeugerpreise nach der Pandemie wieder auf Vor-Corona-Niveau gesunken sind, blieben die Verbraucherpreise im Lebensmitteleinzelhandel weiterhin hoch. Landwirtschaftliche Betriebe profitieren somit nicht von den steigenden Lebensmittelpreisen. Diese Entwicklung lässt sich anhand der Zahlen des Bundesstatistikamtes (Destatis) ablesen. Für Verbraucher sind Getreideprodukte seit 2020 gut 40 Prozent teurer geworden, Erzeuger erhalten für ihr Getreide jedoch nur etwa 3 Prozent mehr.

Westphale ergänzt: „Die entscheidende Frage ist, wie die steigenden Kosten entlang der gesamten Wertschöpfungskette so verteilt werden können, dass landwirtschaftliche Betriebe wirtschaftlich arbeiten können und die Versorgungssicherheit erhalten bleibt.“ Ein Blick auf die Preise entlang der Kette zeige, dass die Markt- und Machtstrukturen im Energie- und Lebensmittelsektor dringend überprüft werden müssen.

Als ein weiterer Aspekt sei in diesem Zusammenhang die nationalen Versorgungssicherheit zu nennen, sagt Hennies. Dazu gehöre auch die Verfügbarkeit von Düngemitteln für die Nahrungsmittelproduktion. „Rund 60 Prozent des Stickstoffdüngers in Niedersachsen stammen aus Tierhaltung und Biogasanlagen“, betont der Landvolk-Präsident. Ein politisch forcierter Abbau der Tierhaltung gefährde die Resilienz der Landwirtschaft somit auch indirekt. Regional geschlossene Nährstoffkreisläufe in der Landwirtschaft seien nur mit Tierhaltung möglich.

Das Landvolk Niedersachsen fordert die Politik auf, jetzt entschlossen zu handeln, um die wirtschaftliche Stabilität der landwirtschaftlichen Betriebe zu sichern und die heimische Lebensmittelproduktion langfristig zu erhalten.

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