Niedersächsische Umweltpolitik verunsichert ländlichen Raum

Hubertus Berges
„Wer Tierwohl verbessern will, darf Tierhaltung nicht pauschal zurückdrängen, sondern muss Umbauten und Weiterentwicklungen der Betriebe ermöglichen, wie es der Ministerpräsident vertritt“, sagt Berges, der Vorsitzender des Kreislandvolks Cloppenburg ist Foto: Landvolk

Kopfschütteln über Aussagen zum Abbau der Tierhaltung

L P D – Viele landwirtschaftliche Betriebe in Niedersachsen sind bereit, ihre Ställe umzubauen und damit das Tierwohl weiter zu verbessern. In der Praxis stoßen sie aber auf erhebliche Hindernisse. In ländlichen Regionen entstehen Nutzungskonflikte, wenn neue Baugebiete in der Nähe von Bauernhöfen ausgewiesen werden. „Die neuen Nachbarn fühlen sich durch Geräusche und Gerüche aus der Tierhaltung beeinträchtigt“, sagt Landvolk-Vizepräsident Hubertus Berges aus Cappeln-Elsten im Landkreis Cloppenburg. Es sind gerade tierwohlorientierte Offenställe, die dazu führen, dass Emissionen stärker wahrnehmbar sind – bis auf die Terrasse beim Sonntagskaffee. Diese Konflikte zeigen deutlich: Mehr Tierwohl erfordert vor allem gesellschaftliche Akzeptanz und angepasste Rahmenbedingungen für konstruktive Lösungen dieses Zielkonflikts.

Als falschen Weg sieht das Landvolk den Ansatz des Niedersächsischen Umweltministeriums, Zielkonflikte vor allem durch eine Reduzierung der Tierhaltungszahlen lösen zu wollen, wie es in einer Antwort des Ministeriums auf eine Anfrage jetzt hieß (Drucksache 19/10373 vom 14. April 2026). Dagegen fordert Ministerpräsident Olaf Lies mit der notwendigen Stabilisierung und Investition in eine tierwohlgerechte, moderne Tierhaltung das Gegenteil. Immer mehr Menschen und Landwirte im ländlichen Raum sind über den Alleingang des Umweltministeriums verwundert.

„Wer Tierwohl verbessern will, darf Tierhaltung nicht pauschal zurückdrängen, sondern muss Umbauten und Weiterentwicklungen der Betriebe ermöglichen, wie es der Ministerpräsident vertritt“, sagt Berges, der Vorsitzender des Kreislandvolks Cloppenburg ist. Gerade in seinem Verbandsgebiet und den umliegenden Landkreisen wie Vechta käme eine „Flächenanpassung der Tierhaltungszahlen“ einem massiven Abbau gleich, wenn nicht sogar einer Halbierung der Tierhaltung und darüber hinaus, befürchtet er. Es hätte massive Auswirkungen auf den ganzen ländlichen Raum im Nordwesten, denn die Landwirtschaft ist regional eng mit vor- und nachgelagerter Wirtschaft in der Weiterverarbeitung, Logistik, Handel sowie Dienstleistung und Handwerk verbunden. Daher ist gleich ein komplettes, tragendes Wertschöpfungssystem in Niedersachsen betroffen.

Zudem bleiben wichtige Punkte für eine nachhaltige und umweltschonende Landwirtschaft ungelöst: „Der Schutz landwirtschaftlicher Flächen wird zu wenig berücksichtigt, außerdem fehlen weiterhin klar geregelte Freiräume zur Weiterentwicklung von Bestandsbetrieben“, fasst Berges zusammen. Aus Sicht des Landvolks Niedersachsen sind beide Punkte unerlässlich, um die Ernährungssicherung langfristig zu gewährleisten. Niedersachsen sollte sich an den ebenfalls in der Drucksache genannten Bayerischen Ministerien orientieren, die zwecks Entlastung der Landwirtinnen und Landwirte sowie zur Erleichterung des Um- und Neubaus tiergerechterer Ställe für Rinder und Schweine gemeinsame Vollzugshinweise für nachgeordnete Behörden formuliert haben. Dadurch soll es dort ermöglicht werden, mit vertretbarem Aufwand tiergerechte Stallneu- und -umbauvorhaben zu realisieren.

Ansprechpartnerin: Wiebke Molsen, Tel.: 0511 3670476, wiebke.molsen@landvolk.org

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