Landesbauernverband erwartet durchschnittliche Ernte / Qualität und Wirtschaftlichkeit unter Druck
L P D – Mit gemischten Gefühlen blickt das Landvolk Niedersachsen auf die bevorstehende Ernte 2026. Nach einer weitgehend problemlosen Herbstaussaat sorgte das trockene Frühjahr zunächst für erhebliche Sorgen auf den Äckern. Die ergiebigen Niederschläge im Mai kamen jedoch vielerorts noch rechtzeitig und verbesserten die Wachstumsbedingungen deutlich. Dennoch bleibt die Lage angesichts zunehmender Wetterextreme und wirtschaftlicher Belastungen angespannt.
„Aktuell sieht es bei Weizen, Gerste, Raps und Mais gut aus“, erklärten Landvolkpräsident Dr. Holger Hennies und Konrad Westphale, Vorsitzender des Ausschusses pflanzliche Erzeugnisse, während der traditionellen Erntefahrt des Landesbauernverbandes in Mariental bei Helmstedt. Sofern das Wetter stabil bleibt, rechnet das Landvolk daher mit einer durchschnittlichen Getreideernte. Die angekündigten Temperaturen von bis zu 35 Grad bereiten den Landwirten jedoch Sorgen.
Besonders betroffen wäre der Weizen, der sich derzeit in der entscheidenden Kornfüllungsphase befindet. Hohe Temperaturen könnten dazu führen, dass die Pflanzen vorzeitig in die sogenannte Notreife gehen. Die Folge wären geringere Erträge und Qualitätsverluste. Statt hochwertigem Brotweizen könnte dann vielerorts lediglich Futterweizen geerntet werden.
Zusätzlich sehen die Landwirte die Qualitätsentwicklung im Getreide durch die geltenden Düngeregelungen gefährdet. „In Niedersachsen bekommen wir aufgrund des Düngegesetzes des Bundes zunehmend Probleme mit den Qualitäten“, kritisiert Hennies. Auch wenn die Vorgaben zu den sogenannten Roten Gebiete, in denen nur deutlich unter dem errechneten Nährstoffbedarf gedüngt werden darf, derzeit ausgesetzt sind, seien die Anforderungen an hochwertigen Backweizen kaum noch zu erreichen. Auf den Flächen von Landwirt Tönnies Kühne, Gastgeber der Erntefahrt, liegen rund 75 Prozent der Äcker in solchen Gebieten.
Neben den landwirtschaftlichen Herausforderungen belastet vor allem die wirtschaftliche Situation die Ackerbaubetriebe. Obwohl die Ernte 2025 zufriedenstellend ausfiel, stehen viele Höfe finanziell unter Druck. Die Erzeugerpreise für Weizen, Gerste und andere Feldfrüchte bewegen sich weiterhin auf einem niedrigen Niveau, während die Kosten für Betriebsmittel stark gestiegen sind. Besonders deutlich zeigt sich dies beim Harnstoffdünger, dessen Preis seit Beginn des Iran-Krieges um bis zu 50 Prozent verteuerte.
„Niedrige Erzeugerpreise, hohe Dünger- und Dieselkosten – diese Faktoren treffen gleichzeitig auf die Betriebe“, betonen Hennies und Westphale. Viele Höfe hätten ihre finanziellen Reserven bereits aufgebraucht und stünden wirtschaftlich mit dem Rücken zur Wand. Nötige Investitionen für die Zukunftsfähigkeit der Betriebe sind daher aktuell kaum möglich.
Nach Einschätzung des Landvolks profitieren selbst die Verbraucher nicht von den niedrigen Erzeugerpreisen. Die Lebensmittelpreise verharren weiterhin auf hohem Niveau. Das wertet der Verband als Hinweis auf strukturelle Schwächen entlang der Wertschöpfungskette. Mit Sorge beobachtet das Landvolk zudem den Rückgang von Mühlen, Mälzereien und anderen Verarbeitungsbetrieben. Langfristig könne dies die Versorgung mit heimischen Produkten gefährden und die regionale Landwirtschaft und damit den ländlichen Raum nachhaltig schwächen.
Ansprechpartnerin: Silke Breustedt-Muschalla, Tel.: 0511 3670483, silke.breustedt-muschalla@landvolk.org






