Alte Rassen: Zwischen Herzblut und Herdenschutz

Auch die Moorschnucke, die aufgrund ihres zierlichen Körperbaus mit einem kargen Futterangebot in Feuchtbiotopen zurechtkommt und daher für den Naturschutz und die Landschaftspflege geeignet ist, steht mittlerweile auf der roten Liste der vom Aussterben bedrohten Rassen. Foto: Veigel

Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen berät Neueinsteiger

L P D – Für Wolfgang Schüßler waren seine 50 Schafe keine Herde namenloser Wiederkäuer, er kannte ihre Eigenarten und die unterschiedlichen Wollqualitäten – besonders die verschiedenen Wollfarben hatten es ihm angetan. „Die Alpinen Steinschafe habe ich bei unserem Umzug aus Süddeutschland mitgebracht, an der Küste sind dann noch die typischen Moorschnucken dazugekommen“, sagt der Rentner, der die Schafhaltung nun aus Altersgründen aufgegeben hat. Er engagiert sich jedoch immer noch in der GEH-Regionalgruppe Elbe-Weser-Dreieck der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen und berät Neueinsteiger.

„Wenn jemand alte Rassen halten möchte, ist es wichtig, dass Halter und Tiere gut miteinander klarkommen“, betont Schüßler. Neben den Vor-Ort-Terminen treffen sich die Mitglieder der Regionalgruppen regelmäßig, stellen auf Märkten, Messen und Dorffesten aus und informieren neben der Schafzucht auch über die Zucht von Rindern, Pferden, Schweinen, Ziegen und Kaninchen.

Besonders betroffen reagieren er und seine Mitstreiter, wenn diese teilweise vom Aussterben bedrohten Tiere vom Wolf gerissen werden – wie kürzlich bei dem großen Rissgeschehen in der Nähe von Cuxhaven. „Tiere alter Rassen leben meist in kleinen Herden bei Hobbyhaltern, die aufgrund der Pachtsituation der Flächen und der Kosten die geforderten Herdenschutzmaßnahmen oft nicht stemmen können“, erläutert Schüßler. Denn auch wenn die Materialkosten zu 100 Prozent gefördert würden, bleibe doch der Arbeitsaufwand des Aufbaus und der Instandhaltung langfristig am Tierhalter hängen. Die Folge: Der Erhalt der alten Rassen wird zunehmend zum Problem, weil die geringe Anzahl der Tiere ohnehin zu einer Verengung der Blutlinien führt.

„Wir arbeiten mit unserer Zucht dagegen an, um eine breite Aufstellung der Blutlinien erreichen“, sagt Schüßler. Trotz dieser Bemühungen gehört das Alpine Steinschaf mit zu den am stärksten vom Aussterben bedrohten deutschen Schafrassen. Und auch die Moorschnucke, die aufgrund ihres zierlichen Körperbaus mit einem kargen Futterangebot in Feuchtbiotopen zurechtkommt und daher für den Naturschutz und die Landschaftspflege geeignet ist, steht mittlerweile auf der roten Liste der vom Aussterben bedrohten Rassen.

Weitere Informationen über die Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen stehen unter Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V. (GEH) bereit. (LPD 17/2026)

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