Bibermanagement verärgert Niedersachsens Landwirte

Das Landvolk fordert ein praxisnahes und faires Managementkonzept, das die Landwirtschaft beim Biberschutz unterstützt und mit ihr zusammenarbeitet Foto: Landvolk

Landvolk kritisiert Entwurf des niedersächsischen Handlungskonzepts Biber und sieht Nachbesserungsbedarf

L P D – Hohe Schäden durch Biber: In Rössing bei Nordstemmen im Landkreis Hildesheim sprechen die Landwirte bereits von der „Rössinger Seenplatte“. Verantwortlich dafür ist das Nagetier mit seinem immerwährenden Drang, Dämme zu bauen, die den Wasserabfluss behindern und regelmäßig landwirtschaftliche Flächen und Wege überfluten. Kai Rodewald, Ackerbauer und Vorsitzender des Realverbands vor Ort, kennt die Problematik nur zu gut: „Jedes Jahr entstehen hier Schäden von zigtausend Euro – allein 20.000 Euro kostet die Sanierung unterspülter Wege. Dazu kommen Ertragsverluste, wenn etwa Saatkartoffeln im Wasser verfaulen.“ Der Frust unter den Landwirten ist groß – nicht nur in Rössing, sondern in vielen, stetig zunehmenden Teilen Niedersachsens.

Angesichts der wachsenden Population von inzwischen über 500 Bibern in Niedersachsen hat das Umweltministerium ein landesweites Biberkonzept erarbeitet, dessen Entwurf am Dienstag offiziell vorgestellt wird. Ziel ist es, ein konfliktarmes Miteinander zwischen Landwirtschaft und Bibern zu ermöglichen. Das Landvolk Niedersachsen zeigt sich enttäuscht: „Wir haben konkrete Vorschläge eingebracht, doch diese wurden kaum berücksichtigt“, kritisiert Landvolkpräsident Holger Hennies. „Wir sehen erheblichen Nachbesserungsbedarf.“

Das Landvolk fordert ein praxisnahes und faires Managementkonzept, das die Landwirtschaft beim Biberschutz unterstützt und mit ihr zusammenarbeitet. „So geht es nicht. Der Schutz des Bibers darf nicht auf Kosten der Bauern umgesetzt werden“, stellt Hennies klar. Statt Flächenankäufen fordert das Landvolk etwa Tauschflächenlösungen. Präventive Gewässerrandstreifen sollen nur freiwillig eingerichtet und mit einer finanziellen Anreizkomponente versehen werden.

Auch die wirtschaftlichen Schäden durch den Biber müssten – unabhängig von der Betriebsgröße – ausgeglichen werden. „Dort geht es um Eigentumsschutz, Verlässlichkeit und Gerechtigkeit“, sagt Hennies. Zudem brauche es verlässliche staatliche Finanzierung für Präventionsmaßnahmen.

Die Vorschläge des Landvolks orientierten sich am Prinzip des „Niedersächsischen Weges“, bei dem Naturschutz und Landwirtschaft gemeinsam tragfähige Lösungen entwickeln. „Dass unsere Ideen beim Biberkonzept kaum berücksichtigt wurden, ist daher besonders enttäuschend.“ Das Landvolk warnt: Ohne Entschädigungen, Freiwilligkeit und Mitgestaltung droht ein weiteres Konfliktfeld zwischen Naturschutz und Landwirtschaft – mit erheblichen Folgen für die Akzeptanz von Naturschutzmaßnahmen auf dem Land. (LPD 48/2025)

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