Insektenmast als Chance für die Landwirtschaft?

Clemens große Macke ist ein Pionier bei der Mast von Insekten. Foto: Familie große Macke

Clemens große Macke versteht sich als Vordenker und berichtet von Chancen und Unwägbarkeiten dieser noch am Anfang stehenden Branche

L P D – Seit fast einem Jahrzehnt befasst sich Clemens große Macke, Geflügelhalter aus dem Landkreis Cloppenburg, mit der Mast von Insekten. „Seinerzeit stellte ich mir die Frage, wie die weltweite Ernährung auf nachhaltige und ressourcenschonende Weise sichergestellt werden kann“, erzählt der ehemalige Landtagsabgeordnete. „Ein weiterer Aspekt waren die sinnvolle Verwertung der Nebenströme in der menschlichen Ernährung und im Futterbau, also eine Integration von biologischen Überresten und Abfällen in die Wertschöpfungskette.“

Der 65-Jährige suchte den Schulterschluss mit der Wissenschaft und fand einen Partner im Deutschen Institut für Lebensmitteltechnik (DIL). Nachdem die EU im Jahr 2017 Insekten als Futtermittel zugelassen hatte, entwickelte eine Firma unter Mitwirkung Große Mackes den Prototypen einer Klimakammer für die Larvenmast. Rund 300 Tonnen proteinreiches Futtermittel produzieren der Landwirt und sein Sohn Julius als Betriebsleiter jährlich aus der Insektenmast.

„Wir sehen uns aktuell noch als Vordenker, wollen die Machbarkeit und wirtschaftliche Tragfähigkeit der Insektenmast unter Beweis stellen und deren Entwicklung befeuern. Die von uns betriebenen zwei Kammern betrachten wir als Forschungssystem, das vordergründig nicht auf ökonomische Effizienz ausgelegt ist“, berichtet Große Macke. Nach der Ernte, die ein Roboter ebenso wie die Fütterungsprozesse erledigt, werden die Insekten von der Partnerfirma abgenommen und vermarktet. Deren Kunden kommen derzeit überwiegend aus der Haustierfutter-Branche.

Clemens große Macke prognostiziert dem Insekten-Farming eine große Zukunft, warnt allerdings deutlich vor den Unwägbarkeiten dieser noch am Anfang stehenden Entwicklungen. Der Züchter müsse einerseits die kontinuierliche Befüllung mit Junglarven sicherstellen, andererseits einen langfristigen Abnehmer für die Ernte vertraglich an sich binden. Das können vor allem die Futtermittelhersteller sein, aber auch Nischenmärkte erscheinen lukrativ und ausbaufähig – zur nachhaltigen Produktion von Fetten und Ölen, alternativen Kraftstoffen, in der Naturkosmetik oder durch Selbstvermarktung. Ein riesiges Potenzial sehen Branchenkenner als Futtermittel in der Fischzucht.

Teils fehlen noch rechtliche Rahmenbedingungen. So sind Insekten bislang nach EU-Recht als Nutztiere klassifiziert und dürfen nur mit zugelassenen Futtermitteln ernährt werden: „Und gerade hier befindet sich die größte Kostenstellschraube, denn die Junglarven sind nahezu Allesfresser. Sie können mit dem Ausschuss aus der Saatgut-, Lebensmittel- oder Gemüseproduktion, mit Reststoffen von Molkereien und aus Biogasanlagen gefüttert werden. Je günstiger der Insekten-Farmer diese Nebenströme bezieht, desto effizienter ist seine Wertschöpfung innerhalb des Kreislaufs. Und auch der Fraß der Tiere, also die ausgesiebten Futtermittelreste, können in Biogasanlagen oder in pelletierter Form als Dünger sinnvoll und nachhaltig Verwendung finden“, sagt Große Macke.

Er positioniert sich als Forschender und Lobbyist in Sachen Insektenmast. Darum entstand parallel zur Referenzanlage ein Informations- und Besucherzentrum auf seinem Hof. Mehr als 900 Interessierte aus 26 Nationen waren allein im vergangenen Jahr zu Gast – Landwirte, Wissenschaftler, Politiker und Unternehmer. Neben Führungen durch die Anlage werden auch Workshops für die Futtermittelwirtschaft und potenzielle Insektenfarmer veranstaltet. Kontakt und Info: www.larvaesolutions.de (LPD 31/2025)

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