Landwirte und Schlachthof ziehen vor Gericht

Die Brand Qualitätsfleisch GmbH aus Lohne geht juristisch gegen zwei Tierrechtsaktivisten der Tierrechtsgruppe Animal Rights Watch (ARIWA) vor Foto: Brand

Prozessauftakt gegen Tierrechtsaktivisten in Oldenburg

L P D – Am 11. Juni beginnt am Landgericht Oldenburg der erste von wahrscheinlich mehreren Prozessen: Die Brand Qualitätsfleisch GmbH aus Lohne geht juristisch gegen zwei Tierrechtsaktivisten der Tierrechtsgruppe Animal Rights Watch (ARIWA) vor. Der Vorwurf: wiederholte Stalleinbrüche, das heimliche Filmen in Betrieben und die mediale Verbreitung der Aufnahmen mit dem Ziel, das Unternehmen öffentlich zu diskreditieren. „Vier Aktivisten sind bei uns im Schlachthof eingedrungen, haben unsere CO2-Betäubung gefilmt und in falschem Kontext veröffentlicht“, erklärt Niko Brand, Inhaber des gleichnamigen Schlachthofs in vierter Generation, gegenüber dem Landvolk-Pressedienst. „Das Betäuben und Töten von Tieren ist nie schön anzusehen – aber wir halten uns strikt an gesetzliche Vorgaben, arbeiten mit Veterinärbehörden zusammen und investieren in Tierwohl.“

Besonders betroffen von einer ganzen Serie von Hausfriedensbrüchen in Ställen, für die die Tierrechtsgruppe ARIWA verantwortlich zeichnet,  sind Betriebe mit hohen Haltungsstufen – ein Punkt, der bei den Landwirten für Unverständnis sorgt. „Gezielt haben sich die Aktivisten auf Ställe der Stufen 3, 4 und 5 konzentriert – sogar Biobetriebe waren betroffen“, berichtet der 36-Jährige. „Das zeigt, dass es ihnen nicht um eine Verbesserung der Tierhaltung geht, sondern um deren generelle Abschaffung.“ Nicht weniger als 21 Betriebe sind Opfer der Straftaten der Tierrechtler geworden, manche davon sogar mehrfach. Viele der betroffenen Betriebe bereiten daher jetzt strafrechtliche und zivilrechtliche Schritte gegen die Täter und die Tierrechtsgruppe vor.

Die Aktivisten haben bewusst den Weg gewählt, nächtliche Hausfriedensbrüche in Ställen zu begehen und dabei die Gefahr eines erheblichen Seuchen- und Krankheitsgeschehens in den Herden in Kauf genommen, statt auf Gesprächsangebote und Hofbesuche zu setzen. Für die betroffenen Landwirte ein Zeichen, dass es sich um eine bewusste Eskalation handelt. „Die Unsicherheit unter den Landwirten ist groß. Viele fragen sich, ob sich Investitionen in Tierwohl überhaupt noch lohnen, wenn sie trotzdem an den Pranger gestellt werden“, beschreibt Brand die aktuelle Stimmung in der Branche.

Im Fokus der juristischen Auseinandersetzung stehen neben dem Hausfriedensbruch auch Anzeigen wegen Verleumdung. Gegen zwei der Aktivisten wird nun am 11. Juni vor dem Landgericht Oldenburg in einem Zivilverfahren verhandelt. Die Brand Qualitätsfleisch GmbH klagt auf Unterlassung und Feststellung einer Schadensersatzpflicht. „Wir setzen auf einen starken Rechtsstaat“, sagt Brand.

Dabei ist der Lohner Unternehmer kein Gegner des Dialogs – im Gegenteil. In seinem Betrieb werden wöchentlich rund 15.000 Schweine geschlachtet, viele davon aus höheren Haltungsstufen. Investitionen in Offenstallhaltung und moderne Schlachttechniken gehören für ihn zur Unternehmensphilosophie. „Wir sind offen für Kritik – aber nicht für heimliche Aufnahmen und Manipulation.“

Das Landvolk Niedersachsen begrüßt diesen Schritt zur rechtlichen Klärung. „Diesen Aktivisten geht es nicht um Verbesserung, sondern um Abschaffung unserer Tierhaltung mit hohen Tierwohlansprüchen. Klar ist, dass sie sich so ihr Spendenaufkommen sichern wollen“, verurteilt Landvolk-Vizepräsident Jörn Ehlers das Geschäftsmodell der Hausfriedensbrüche in Ställen zur Videobeschaffung für Spenden-Kampagnen. Für Niko Brand ist das Ziel klar: „Wir wollen in Ruhe gute Lebensmittel erzeugen – mit höchsten Standards für Mensch und Tier.“ (LPD 42/2025)

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