Mit neuem Monitoring-System Biodiversität in Agrarlandschaften erfassen

An den Verbundprojekt MonViA – Monitoring der biologischen Vielfalt in Agrarlandschaften – sind u.a. das Thünen-Institut, das Julius Kühn-Institut und die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung beteiligt Foto: Landvolk

MonViA-Indikatorenbericht 2024 zeigt erstmals umfassendes Indikatorensystem für Artenvielfalt und Lebensräume

L P D – Deutschland will zukünftig besser als bisher die biologische Vielfalt auf landwirtschaftlich genutzten Flächen erfassen. „Mit dem „MonViA-Indikatorenbericht 2024“ liegt erstmals ein wissenschaftlich fundierter Katalog vor, der bundesweit Aussagen über Zustand und Entwicklung der Biodiversität in Agrarlandschaften ermöglicht“, berichtet Dr. Nataly Jürges, Referentin für Umweltpolitik beim Landvolk Niedersachsen. Entwickelt wurde dieser Katalog im Rahmen des Verbundprojekts MonViA – Monitoring der biologischen Vielfalt in Agrarlandschaften –, an dem u.a. das Thünen-Institut, das Julius Kühn-Institut und die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung beteiligt sind. Ziel des Monitorings ist es, langfristige Trends sichtbar zu machen und politische sowie rechtliche Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität fundiert bewerten zu können, schreibt der Landvolk-Pressedienst.

Hintergrund sind nationale und internationale Verpflichtungen Deutschlands, wie die EU-Biodiversitätsstrategie 2030 oder das Aktionsprogramm Insektenschutz. Über einen Zeitraum von fünf Jahren (2019–2023) wurden insgesamt 41 Indikatoren erarbeitet, die sich auf drei zentrale Themenfelder verteilen: Lebensraumvielfalt (18 Indikatoren), Organismenvielfalt (20) sowie genetische Vielfalt (3). Sie erfassen unter anderem Daten zur Anbauvielfalt, zur Dichte von Landschaftselementen, zur Diversität von Wildbienen und Regenwürmern sowie zur genetischen Vielfalt von Nutzpflanzen und -tieren.

Eine zentrale Rolle spielt dabei der Einsatz moderner Technologien. So gewinnt Fernerkundung an Bedeutung, um etwa die Nutzung von landwirtschaftlichen Flächen großflächig zu analysieren. Gleichzeitig sollen Methoden wie das sogenannte Metabarcoding – eine DNA-basierte Analyse von Insektenproben – helfen, den hohen personellen Aufwand klassischer Artenbestimmungen zu reduzieren.

Kritik gibt es an der geplanten Einbindung von Citizen-Science-Projekten – also die aktive Einbindung von Bürgerinnen und Bürgern – in die Datenerhebung. Zwar ermögliche dies eine breite Datengrundlage, berge aber das Risiko systematischer Fehler, etwa durch unterschiedlich intensive Beteiligung in verschiedenen Regionen. Auch die langfristige Finanzierung des Monitorings sei bislang ungeklärt – ein Risiko für die Kontinuität des Projekts, merkt die Umwelt-Expertin des niedersächsischen Landesbauernverbandes an.

Politisch gesehen ist der MonViA-Bericht dennoch relevant: „Die Indikatorenliste definiert, wie Biodiversität künftig erfasst und bewertet werden soll – und wird damit voraussichtlich Einfluss auf die künftige Ausgestaltung von Agrar- und Umweltpolitik haben“, ist sich Dr. Jürges sicher.

Weitere Infos und der vollständige Bericht sind abrufbar unter www.agrarmonitoring-monvia.de (LPD 55/2025)

Weitere Beiträge

Landwirt mit Handy

Landvolk: Weg vom Denken „Kontrolle – Sanktion – Widerspruch“

L P D – Seit der Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) 2023 gehört die FANi-App (Fotos Agrarförderung Niedersachsen) für viele Betriebe zum Förderalltag. „Niedersachsens Landwirte sind als Antragsteller inzwischen aktiv…

Erste-Hilfe-Training Foto: Pixabay

Erste Hilfe auf dem Hof: Bauern trainieren den Ernstfall

L P D – „Stell Dir vor, Du hast einen Herzinfarkt und bist mit deinem Trecker ganz allein auf dem Feld.“ Diese und viele weitere Szenarien beleuchtet Kursleiter Peter Stors…

Schafe auf der Weide

Herdenschutz, Weidezaunbau und Wolfsmanagement

L P D – Welche Möglichkeiten haben Weidetierhalter, ihre Schafe, Rinder und Pferde vor Angriffen von Wölfen zu bewahren? Diese Frage steht ihm Mittelpunkt des 2. Echemer Zauntags, der am…

Milchkühe

Gute Futterqualität ist Grundlage für gesunde Kühe

L P D – Der erste und für die Milchviehbetriebe wichtige Grassilageschnitt in Niedersachsen ist vielerorts abgeschlossen – mit überwiegend sehr guten Qualitäten, aber regional teils enttäuschenden Erträgen. Besonders im…

GAP-Reform: Landvolk bewertet EU-Vorschläge kritisch

L P D – Wie geht es mit der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) ab 2028 weiter, und welche Folgen hätten die Reformvorschläge der EU-Kommission für Landwirtschaft und ländliche Räume? Mit diesen…

Tag des offenen Hofes

Tag des offenen Hofes lockt Familien ins Grüne

L P D – Am 7. Juni bieten fast 50 Landwirtinnen und Landwirte beim niedersachsenweiten Tag des offenen Hofes von 10 bis 18 Uhr ein attraktives Rahmenprogramm aus Landwirtschaft, Genuss…